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Der Israelit · 1871-06-14 · Heft 24 (14.6.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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464 jenen literarischen. Produkten sich gründliche Belehrung und gemächliche Erbauung zu holen; dem wiffensihafö' Men Neologen nicht, weil zene Produkte aller wissen-. ßchaftlichen Tiefe und Gründlichkeit bekanntlich entbehren. Dem Orthodoxen nicht, indem der Verfasser rücksichtlrch seiner Richtung und Gesinnung genugsam bekannt ist. Was uns kümmert, ist das Auftreten des Herrn Phi- Jtttpfon am hiesigen Orte. Herr Philippson sollte doch wissen, daß es nicht bloß vom moralisch-religiösen, sondern schon vom socialen Standpunkte aus sehr unpassvud ist, inkonsequent rmd mit sich selbst im klagendsten Widerspruche zu handeln. Hat nun Herr Philippson bei seinem Weggange von Magdeburg - - um zu beweisen, daß er zum Ausscheiden aus seinem Amte nicht idurch die dortige Gemeinde, sondern durch körperliche Leiden gmöthigt war — sich durch Berichte in seinem Blatte öffentlich als den kranken Mann repräsentirt, so widerspricht diesem die sofortige allzu rege und scharf in die hiesigen Gemeittbeverhältnifse einschneidende Thä- 'tigkeit. Ferner sollte doch schon aus Klugheitsrücksichten terr Philippson von jedem Streben, Organisator und onangeber zu fein, abstehen und davon gründlich curirt sein, da allenthalben, wo er solche Streben zeigte, ihm Erfolglosigkeit sofort auf den: Fuße folgte. So ging es ihm bei den Rabbinerversammlungen seligen Andenkens; -so selbst bei feiner Gemeinde, wo alle seine Einrichtungen abwgrrt wurden. Und doch und dessenungeachtet verfiel Herr Philippson in seinen alten Fehler, Tona«Wber bei israelitischen Gemeinden sein zu wollen! — Freilich, einige Scheingründe konnten ihn dazu verleiten, da die Gemeinde hier eine nur kleine ist, und übrigens Herr Philippson das Ding hier unter einem neuen Modus betrieb.- ging es so lange nicht als Rabbiner, so konnte es doch gehen als Vorsteher ans. Jedoch auch hierbei hat sich Herr Philippson gewaltig verrechnet. Die hiesige Gemeinde — es fet ihr zum Lobe gesagt — hat sofort, das Streben Herrn Philippson's erkennend, chm solche geharnischte Selbstständigkeit entgegengefteüt, daß ihm die Luft verging, ferner djid zu fein, und ihm nichts Anderes übrig blieb, als aus dem Vorstände zu scheiden. Endlich werde hier noch folgendes interessante Geschichtchen erwähnt. Er empfahl nämlich einen Lehrer und Prediger, der aus den Philippson'schen Büchern hier Vorträge halten sollte; dieser sein Günstling aber überhäufte sich so mit Schulden, daß a plötzlich bei Nacht und Nebel davon lief. Möge diese Stelle bald durch einen wahrhaften Hin», der gründliche pädagogische Bildung und ausreichende jüdifihe Kenntnisse besitzt, ausgefülÜ werden, derselbe würde ier zur Entfaltung seiner Thätigkeit einen sehr ergieigen Boden finden. WwrAovf (Prov. Hannover). Der allgemein geachtete neunzigjährige Herr Abr. Spanier von hier feierte am 1. Tage des Wochenfeftes seinen Geburtstag, wozu dessen Kinder, Enkel rc. von nah uftd fern gekommen waren; unter den Gästen befand M auch der achtzigjährige Schwiegersohn des Herrn Sp., Herr Epstein aus Hamburg. Oefterreichisch-Ungarnrsche Monarchie. Wien. Herr Simon Hofmann (Bruder des Rabbiners zu Ung.-Brod) wurde von der Statthalterei zum Professor der französischer!, ital. und engl. Sprache für die Sicherheitswache ernannt; er wird mit Genehmigung des löbl. Magifttats in den Localitäten des Pädagogiums zunr Behufe der 1. allg. Wiener Welt- Ausstellung in den genannten drei fremden Sprachen unterrichten. Diese Auszeichnung ehrt sowohl den Betreffenden, als auch die hohe Behörde; es dürfte vielleicht dies der erste Fall sein, daß diese, über jedes Vorurtherl hinweggehend, einem Israeliten eine öffentliche Stelle verleiht, nur deffen Würdigkeit und Befähigung zum Amte im Auge habend. Laut zugeschickten Decretes sind die Stunden so eingetheilt, daß Herr Hofmann Samstags vom Unterrichte befreit ist, was ihm gewiß sehr angenehm ist und er hätte es sich sicherlich auch so eingerichtet, daß er diesen Tag frei habe, oder wenigstens nicht am puv schreiben mußte. Herr Prof. Hofmann lebt ganz unabhängig und führt dabei einen streng-religiösen Lebenswandel; er unterrichtet in den vornehmsten Häusern bei hohen Herrschaften, wird von Grasen und Baronen eines verttauten Umgangs gewürdigt; vemeidet aber sorgfältig jede Gelegenheit , die ihn etwa mit seiner frommen Gesinnung in Collision bringen könnte. Es ist diese conseauente Ueberzeugung gewiß etwas Seltenes in unserer Zeit und verdient auch gerechtes Lob. Wien. Seitdem Herr Kreisel und Herr Berger im Präsidium der hiesigen Talmud-Thora fungiren, erfreut sich diese vortreffliche Schule eines besondern Aufschwunges, sowohl in geistiger als materieller Beziehung; ebenso sind jetzt die durchgehends tüchtigen Lehrkräfte, ihren Leistungen und Verdiensten um die unbemittelte Jugend entsprechend, in pekuniärer Hinsicht viel besser gestellt als früher, wo die Mittel fehlten. Durch Herrn H. Berger spendete ein Gönner der Anstatt 500 fl. zum Baue eines geräumigen und luftigen Schulhauses, deffen Grundsteinlegung bald in Angriff genommen werden dürfte. Der geeignetste Platz dazu wäre in derLeopoldftadt, wo die meisten Israeliten und besonders die der ärmeren Volksklaffe wohnen, und zwar sollte man eine weniger belebte Gaffe wählen, wo der Unterricht ungestört otchcilt werden könnte. Doch kann man hier beim Kaufe eines Bauplatzes nicht sehr wählerisch sein und muß nehmen, wo man findet. In dem zu erbauenden Institut wird auch für bequeme Wohnungen der Herren Lchrer gesorgt weroen, und es 'kann der Schule nur von Vortheil sein, wenn die Lchrer im Hause wohnen, wüh-

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