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Der Israelit · 1871-06-14 · Heft 24 (14.6.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII. Jahrgang Beilage z« Nr. 24 des Israelis Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 12. Juni. Wir sind in der angenehmen Lage, unseren geehrten Lesern die erfreuliche Mitteilung zu machen, daß ein wohlthätiger Glaubensgenosse in Süddeutschland, Herr S. M. in M. (seine Bescheidenheit versagt es uns, seinen vollen, allgemein geachteten Namen zu nennen), zum Besten des Baues der Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem die namhafte Summe von fünftausend Gulden gespendet hat. Die Schenkungen zu Gunsten dieser so wohltätigen Anstalt mehren sich in jüngster Zeit in erfreulicher Weise, zumal das löbliche Comitö (Oberrabbiner Ettlinger in Altona, Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin und Commerzienrath Hirsch in Halberstadt) Vorsorge getroffen, daß ein Theil des Ertrages morn ntyinb der Spender durch Feiern der Jahrzeitstage rin» ->rwt> wird verwendet werden. □ 9. Juni. (Statistisches.), Nach amtlicher Angabe haben sich im Kaiserreich Rußland, mit Ausnahme Polens und der deutschen Provinzen, bei der diesjährigen Rekrutenaushebung 200,818 Militärpflichtige gestellt, von denen 93,446 zur wirklichen Aushebung gelangt sind. Unter diesen befinden sich 1198 Juden. - Frankfurt <*. M 29. Mai. Die israelitische Männerkrankenkafie hatte nach ihrem Bericht, der nach 10 Jahren wieder einmal erscheint, Einnahmen in dieser Zeit; 175,002 fl. 39 kr., und Ausgaben: 117,247 fl. 49 kr. An Geschenken und Legaten erhielt die Casse 8897 fl. Mitglieder zählt dieselbe etwa 1050. Aus WeftpHalerr. In Witten, einer der gewerbreichften Städte des Regierungsbezirkes Arnsberg, wo die jüdische Gemeinde durch die Uebersiedelung vieler Familien vom Lande und aus kleineren Städten seit einigen Jahren sich bedeutend vergrößert, und die dortige Synagoge den Bedürfnissen schon längst nicht mehr genügt hat, wird in Kurzem der Neubau einer solchen in Angriff genommen und noch im Laufe des Sommers seiner Vollendung entgegengeführt werden. Der Bau- I Platz ist bereits von der Gemeinde erworben. Wir wünschen Ähnlichst, daß mit den neuen Synagogen in W. | auch wieder ein neuer, echt jüdischer Geist, wahrhaft religiöse Gesinnung und Lebensweise, nicht allein in die Gotteshäuser, sondern auch in die Gemeinden und Familien zurückkehre; erst dann hat ein solches, dem Ewigen zur Ehre erbautes Haus wahre Bedeutng. Wie alljährlich, so haben auch am jüngst verflossenen 2 ff-Feste in vielen jüdischen Gemeinden Westphalens die Confirmationsfeierlichkeiten (?) stattgefunden, jedoch mit dem Unterschiede, daß in einigen derselben dieses Mal die Mädchen nur in weißem Anzuge — eine Nachäffung eines katholischen Brauches — in der Synagoge erschienen. Was uns am meisten wundert, ist der Umstand, daß sogar fromme Eltern diesen von -nn ’jwoi für unjüdisch erklärten Akt an ihren Kindern vollziehen und sich so von ihren Lehrern Sand in die Augen streuen lassen, zumal in W., wo weder Rabbiner noch eine andere Behörde sie dazu zwingt, die Renitenz also gar keine Übeln Folgen nach sich ziehen kann. Auch ist es auffallend, daß sogar fromme Lehrer von dem Confirmiren *) sich noch immer nicht lossagen können oder wollen. Doch derartige Handlungen werfen immer Stolgebühren ab, und wenn auch in einigen Gemeinden nur ein Geringes als Minimum dafür festgesetzt ist, so sind die Leute in der Regel doch so nobel, daß sie den Lehrer reichlicher honoriren, als die Tare bestimmt. Oestrich. M. Rofenwald, Lehrer. Monn, im Juni. Schon lange vermiffe ich in Jhrenr geschätzten Blatte einen Bericht über die Zustände der hiesigen jüdischen Gemeinde, die doch in der alten Zeit mit zu oen achtbarsten Gemeinden im Rheinlands gehörte und noch heute in ihrem verkümmerten Zustande manches gute Element in sich faßte, wenn nicht seit der Uebersiedelung des bekannten vr. P h i l i p pson hierher, die Dinge in eine schiefe, dem konservativen Judenthum gefährliche Richtung gebracht worden wären. Auf den Vergangenheiten des Herrn Philippson wollen wir den Schleier der Vergessenheit ruhen lassen, soweit Herr Philippfon denselben nicht selbst allzu voreilig und unbedacht lüftet. Uns kürnmert nicht sem unwissenschaftliches Stteben auf dem Gebiete jüdischer Theologie, da sich das allgemeine Urtbeil über seine Predigten und sein BibelweU längst gebildet— pan vip 'ff b)pD — und es heute weder einem theologisch gebildeten Neologen, noch einem Orthodoxen einfällt, aus *) Ob diese sie nun Konfirmation, Befestigung im Glauben, Religionsweihefest und weiß Gott, wie noch anders nennen, der Akt ist einmal ein r>pm und der jüdischen Anschauungsweise zuwider. - - j ■ j ■•-I 4- 'S J 5

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