Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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459 Meldung nach verlesen. (Zustimmung.) Es sind folgende Gemeinden: Nürnberg, Nienburg, Aachen, Dresden, Hildesheim, Alsfeld, Hildburghausen, Eisleben, Lyck, Schwerin, Postelberg, Preuß. Rhoden, Opveln, Emden, Prag, Teltsch, Leobschütz, Schönebeck, Linz, Erfurt, Leipzig, Neubrandenburg, Potsdam, Barchfeld, Glatz, Frankenstein, Braunschweig, Görlitz, Bleicheroda, Pleschen, Schweidnitz, Caffel, Aschersleben, Breslau, Hirschberg, Hannover, Hamburg, Walldorf, Königsberg (Zustimmung der Repräsentanten noch ausftehend), Glogau, Magdeburg, Baiersdorf, Zirndorf, Grünberg, Mengeringhausen, Bernstadt, Berlin, Bochum, Schippenbeil, Nordhausen, Neuwied, Tann, Rackwitz, Eichstetten, München, Stettin, Dessau. Sie sehen, daß diese Zahl zu den besten Hoffnungen berechtigt, aber wie viele fehlen noch! Es gibt doch wenigstens 1500 nennenswerthe Gemeinden in Deutschland, und wir müssen es tief beklagen, daß sich bis jetzt nicht mehr angeschlossen haben. Der Ausschuß seinerseits hat Nichts unterlassen, um sie durch Circulare und durch die jüd. Zeitungen aufzurufen. Mit herzlicher Bewillkommnung eröffne ich nun die Discussion, welche frei sich bewegen kann über alle Punkte des aufgestellten Programms, und schließe mit der Aufforderung: Jeder einzelne der anwesenden Glaubensgenossen möge sich als Sendboten bettachten und in seiner Gemeinde, seiner Gegend für unser gemeinnütziges Vorhaben Theilnahme zu gewinnen und Theilnehmer an Gemeinden und Einzelnen zu werben bemüht sein. ,5 (Fortsetzung folgt.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Vor einigen Tagen wurde hier die Leiche eines Selbstmörders Namens Österreicher, Infanterist des 8. Infanterie-Regiments Baron Jackobs, mit militärischen Ehren auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe beerdigt. Gestern erzählte mir ein Cadet vom selben Regimente, als wir auf die Thatsache zu reden kamen, daß erwähnter Infanterist sich aus Verzweiflung das Leben nahm. Am 26. v. M. wurde Oesterreicher zu Arbeit commandirt, gerieth seiner Confession halber mit den anderen Infanteristen in Streit, worauf letztere das Kotzenfangen" oder „Deckenwerfen" anwendeten. Der so Mißhandelte meldete sich bei seinen Chargen zum Rapporte, keiner von ihnen aber wollte ihn vorführen, der Herr Lieutenant W. soll sich sogar geäußert haben: „Recht habt Ihr gehabt, daß Ihr den Juden durchgebläut'" In Folge dieser Aeußerung wurden die Böswilligen ermuthigt und drohten dem Judensoldaten mit abermaligem „Kotzenfangen", sobald er sein Zimmer bettäte. Diesem auszuweichen, erhängte er sich. Dabei befremdet es, daß man noch nichts von einer Untersuchung gehört, in welche doch verdientermaßen svwohl Herr Lieutenant W. als auch der Führer, der während des Experimentes im Zimmer war, gezogen werden sollten. Wik«. Nachdem Herr Gustav Ritter v. Epstein die Erklärung abgegeben, daß er ein Waisenhaus für fünfzig israelitischen Kuaben auf eigene Kosten erbauen will, hat sich die Nothwendigkeit herausgestellt, Freiplätze für einen Theil der Waisenknaben zu gründen. Dieser Nothwendigkeit ist auch bereits entsprochen worden. Herr I. P. Frisch hat den Anfang gemacht, einen solchen Freiplatz zu dotiren, und dieses hochherzige Beispiel wird nicht ohne Nachahmung bleiben. Wien. Die Umgegend von Boskowitz in Mähren wird seit wenigen Tagen von Bränden stark heimgesucht. Vierundzwanzig Stunden nach Ausbruch des Brandes in Sebranitz wüthete das Element in Zadno und Jarmeritz. Im ersteren Orte brannten nur zwei Häuser ab, in Jarmeritz fünfzehn der größten im Orte, wodurch sehr bedeutender Schaden angerichtet wurde. Der Fabrikant Max Löw-B eer, der im Besitze einer Fabrik nächst Sebranitz ist, schenkte den durch den dortigen Brand zu Schaden gekommenen Einwohnern 800 fl. in Baarem, 200 Laib Brod und 15 Säcke Mehl. Den gerichtlichen Erhebungen zufolge dürften die Brände in den letztgenannten Orten durch ruchlose Hände gelegt worden sein. Prag. Von uns liegt der erste Jahresbericht der landesjudenschaftlichen Steuerstiftung für der Judenschaft des Königreiches Böhmen mit Ausschluß der Stadt Prag angehörigen Waisenknaben für den Zeitraum seit der Activirung der Stiftung am 16. August 1869 bis zum 31. Dezember 1870. Wir entnehmen Nachfolgendes demselben: Nachdem von den im Jahre 1869 beiheilten Stipendisteu zwei Knaben wegen Überschreitung der Statutenmäßigen Altergrenze das Recht des Fortbezuges der Stiftung verloren haben, zählt die Stiftung am Schluffe des Jahres 1870 noch 59 Stipendisten, und reichen die Stipendien bei 19 von ihnen noch bis zum 30. September 1871, bei den übrigen 40 aber bis zum 30. September 1872. Den eingegangenen Berichten zufolge wird constatirt, das von den erwähnten 61 Stipendisten im abgelaufenen Jahre: die Volks- oder Gemeindeschulen ... 52 Stipendisten die Realschule . 5 „ das Gymnasium . 3 besuchten und .. 1 Stipendist bereits seine Verwendung in einem Handelsgeschäfte gesunden hat. Die der Stiftungs-Verwaltung nach §. 50 zur Verfügung stehenden Mittel reichen aber nicht zur Beftiedigung sämmtlicher Bewerber hin, und mußten bei.