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Der Israelit · 1871-06-14 · Heft 24 (14.6.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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456 dem jüdischen Leben, den jüdischen Pflichten zu erfahren, ist zu traurig- Was soll auf dieser, der Religion der Väter entfremdeten Jugend werdend Männer und Frauen, denen das Judenthum nichts als ein'Name sein wird, die höchstens einmal im Jahre die Synagoge besuchen werden, denen die jüdische Reinheit in Sitte und That, in Gedanken und Rede ein völlig unbekanntes Land sein wird!! Und ebenso betrübend, ebenso schmerzlich ergreifend wie diese Vernachlässigung der religiösen Erziehung ist die öffentliche Entweihung des Sabbats, die bei den Israeliten von Paris zur Regel geworden, während die Heilighaltung des göttlichen Ruhetages leider zu den allerseltensten Ausnahmen gehört. Theure Glaubensgenoffen! Eure Herzen fühlen noch jüdisch, Euer Denken ist noch jüdisch, allein der Leichtsinn, welcher seit Jahrzehnten dw leichtlebige Bevölkerung Eurer glänzenden Hauptstadt umfaßr gehalten, hatte auch Euch ergriffen, hatte Euch nicht denken lassen an die Zukunft Eurer Kinder, hat Euch Erwerb und Genuß höher schätzen lassen als die höchsten Güter der Religion Israels. Ernste Tage und Wochen und Monde sind an Euch vorübergegangen. Hunger und Frost, Krankheit und Elend, Brand und Mord haben die Bevölkerung von Paris decimirt: mögen Euch diese bitteren Erfahrungen zum Heile gereichen! Ach, Eure Rabbinen und Volkslehrer haben gefchwwgen zur Zeit, da es Euch woht ging. Sie hatten n«r Hchmeichelworte für Euch;' sie rühmten stets Eure Rechtsthaffenheit, Eure Wohlthättgkeit, Eure Vaterlandsliebe; aber sie hatten kein Wort des Tadels für den Abfall vom Gesetze Israels und die Versündigung an der Väter Sitte, die täglich mehr um sich griffen, sie hatten kein Wort der Mahnung und der Warnung. Ach, Eure Rabbinen und Volkslehrer schwiegen auch noch zur Zeit, da es Euch schlecht ging; sie benutzten nicht die Zeit der Heimsuchung, Euch das Gute zu rachen. Euch die Wahrheit zu enthüllen. Glanz nnd Ehre und Reichthum blenden sie wie Euch, und die ernste, bittere Wahrheit findet keinen Verkünder. Brüder, Schwestern! Laffet die Zeit der Leiden nicht ungenützt vorüberziehen. Errichtet Schulen, echte, jüdische Schulen für Eure Kinder, schließet Eure Läden, Comptoire, Werkstätten am Tage des Herrn, und Gott wird Euch segnen und behüten immerdar, und aus der Zeit der Leiden wird Euch Euer zeitliches wie Euer ewiges Heil erwachsen! Ein Aaööiner (!) üöer die Aeschneidung. Von Or. A. Sulzbach. (Fortsetzung.) Gehen wir jetzt an das Referat des Herrn Rabbiners. „Aller rabbinischen Gelehrsamkeit und orthodoxer Gesinnung zum Trotze mußte doch das Geständniß abgelegt werden, daß der unbeschnitten gebliebene Jude nicht aufhöre, Jude zu sein und eine Ausschließung aus der religiösen Gemeinschaft weder nöthig noch zulässig sei. Darum werden auch mit Recht die von einer Seite vorgeschlagenen Ueberwachungs- und Präventiv-Maßregeln getadelt." Also „aller rabbinischen Gelehrsamkeit und orthodoxer Gesinnung zum Trotz" —, d. h. also der rabbinischen Gelehrsamkeit und der orthodoxen Gesinnung zum Trotz, die auf der Leipziger Synode vertreten war; — rabbinische Gelehrsamkett auf der Leipziger Synode d Wunderlich! nun mag sein; —aber orthodoxe Gesinnung d Herr R. muß wunderbare Beariffe von Orthodoxie haben; wenn irgend Einer in einer Beziehung dem orthodoxen Standpunkt aus Laune oder irgend einer Schrulle oder Eitelkeit huldigt, hat er deshalb orthodoxe Gesinnung d Ist m selbst Herr R. furchtbar orthodox in Bezug auf die Zchnzahl beim Gebet, wie wir gesehen haben, beruft er sich ja auf das Gesetz, daß Alle nach der Thora beim Vorlesen derselben Hinsehen sollen, um seine Lieblingsidee, daß der Vorleser face vor dem Publikuck fftche. ^u rechtfertigen; hat Herr R. darum orthodoxe Gesinnung d Wird er darum Gefahr laufen, orthodoxer Gesinnung bezüchtigt zu werdend Durchaus nicht, er kann über diesen Punkt sehr ruhig sein, wir werden uns nicht unterfangen, ihn zu den horribeln „Dunkelmännern" zu zählen. Sehen wir uns nun aber, abgesehen von den Zweifeln, die wir an einer Vertretung einer orthodoxen Gesinnung auf der Leipziger Synode haben, nach den dort gewonnenen Resultaten um. Der unbeschnitten gebliebene Jude bleibt Jude — ei, ei! das also die große Neuigkeit, die die Leipziger Synode zu Tage gefördert hat! Nun, wir sagen sogar noch mehr: der getaufte Jude bleibt auch Jude; und noch mehr: der von einer jüdischen Mutter geborene Knabe, der unbeschnitten geblieben und getauft worden ist, bleibt auch Jude! Denn die Geburt macht den Juden, und altes Taufwasser der Welt kann das Judenthum des Täuflings nicht abwaschen. Dieses festzustellen, dazu hätte es wahrhaftig keiner Synode bedurft, wie auch dafiir kein „Geständniß" abgelegt zu werden brauchte. Wie aber steht es mtt dem Nachsatze, daß nun deshalb „eine Ausschließung aus der religiösen Gemeinde weder nöthig noch zulässig sei" und daher die von einer Seite vorgeschlagenen lleberwachungs- und Präventiv - Maßregeln getadelt werden d Hier haben wir einen solchendiplomalischen

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