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Der Israelit · 1871-06-07 · Heft 23 (7.6.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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441 sprosiene Familie, durch die damaligen Verhältnisse gezwungen, zum Chriftenthum überzutreten. In dem israelitischen Gotteshause in. Subeu wurde der Akt in Gegenwart der Strafhaus-Verwaltungs-Beamten durch den Prediger aus Linz Dr. Stern vollzogen, der zugleich als Seelsorger der jüdischen Sträflinge ftlngirt. Frankreick. Paris. Das „Pariser Journal" vom 6. d. M. enthält Nachfolgendes: Gestern war das Leichenbegängnis des Herrn Amadeus Cremieur, welcher am 30. März in einer Ambulance in Amiens ferner in Villers Bresonneux erhaltenen Wunden erlag. Nach der Katastrophe von Sedan waren die drei Brüder Cremieux in die Armee getreten. Feuilleton. Zur rechten Zeit. XIII. Menaschey- Wir müssen nunmehr in unserer Erzählung um einige Monate zurückgehen, um uns nach dem Kinde umzusehen, das in jener Schreckensnacht in der Obhut der kranken Ehefrau des Haushofmeisters Hans Gericke geblieben war. Unsere Leier werden sich wohl noch des Dorsjuden Abraham und seiner Gattin Gietel erinnern, bei denen Nathan am Morgen nach seiner Flucht einkehrte, um das Morgengebet zu verrichten. Gietel ließ ihrem Manu keine Ruhe — die Neugier plagte sie zu sehr — Abraham mußte am folgenden Tage nach Hohenburg gehen, um sich zu überzeugen, ob sie sich in der Person des Fremden geirrt habe oder nicht. Der Mann hatte ohnedies in Hohenburg zu thnn, und so gab erden Bitten seiner Frau nach. „Gietel," rief er, als er zurückkehrend die Stubenthüre öffnete, „ganz Hohenburg ist in Anregung: de- Hofagent, seine Frau und sein Kind — sie sind verschwunden!" „Also doch!" rief das Weib, „komm herein und erzähle. Aber erst ziehe Dir die schneedurchnäßten Stiefel aus! Hier sind die trockenen warmen Schuhe. Ich schenke Dir eine Tasse heißen Kaffee ein und stopfe Dir die Pfeife; unterdessen erzähle Du!" „Ja, da ist nicht viel zu erzählen. Der Hofagent und seine Frau und sein Kind sind ins Schloß geladen worden zu einem Schäferspiele, wie sie's nennen, so eine Art Komödie. Nun, sie sind hingegangen, alle Drei, und nicht wiedergekommen." „„Und sind nicht wiedergekomnM?" " „Man sagt, sie hätten den Jungfernkuß erhalten." „„Den Jungfernkuß? Was ist das?"" „Tief unten im Burgverließ ist eine eiserne Maschine in Gestalt eines Frauenzimmers , mit Tausenden von Messen: angethan. Der werden die Unglücklichen in die Arme geworfen; sie unischließt sie und zerschneidet sie in tausend Stücke." „„Entsetzlich! Aber warum das Alles?"" „Der Hofagent soll sich im Solde des Fürsten von Kattenheim gegen das Leben des Fürsten Ferdidinaud verschworen haben; und die Hofagentin, sagt man, habe mit der Fürstin Louise gewetteifert, um es ihr in Schmuck und Kleidung gleich zu thun." „„Schrecklich, schrecklich! Aber sage mir, es kann doch nicht sein; der .yofagent und seine Frau — jetzt ist kein Zweifel mehr — sind ja gestern hier durchgekommen! Und wo mag das Kind geblieben sein?"" „Ich habe darüber nachgedacht den ganzen Weg; denn auf dem Rückwege habe ich eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Du weißt, heut früh bin ich mit des Schulzen Gespann nach Hohenburg gefahren; auf den: Rückwege aber bin ich zu Fuß übers Gebirg gegangen; durch den Schloßgarten geht es gerade den Berg hinan, und da habe ich vor mir im Schnee brs an die Chaussee die Spuren von zwei Menschen gefunden, die Fußtapfen von einem Manne und einer Frau, ganz deutlich. Es ist kein Zweifel, sie haben einen Freund gefunden, der ihnen zur Flucht geholfen." „„Und das Kind?"" „Wer weiß, wo sie das gelassen haben! Das Vermögen des Hofagenten ist mit Beschlag belegt worden und fließt in die fürstliche Kasse. Sein Haus erhält der Hofprediger als Amtswohnung. Ich halte den Nathan für unschuldig, und ganz Hohenburg hält ihn dafür; es ist eine Jntrigue von der Fürstin und ihrem Galan, dem Junker von Schwarzenstein. Auch der Hofprediger hat mitgewirkt. Ach ja, wir Juden find im Goluß *); erhebt sich einmal Einer hoch, so wird er wieder znrückgcschleudett." „„Die arme, arme Mirjam!"" „Weißt Du, liebes Weib, laß uns schweigen von. Allem; ich habe nur heute in Hohenburg nichts merken lassen, daß der Nathan und sein Weib bei uns vorbeigekommen sind. Wenn sie wirklich heimlich entflohen. Es klopfte Jemand an die Lhüre. „Herein!" sagte Abraham. „Ei, ei! der Herr Haushofmeister von Hohenburg!" rief er dein Eintretenden entgegen. „Was führt Sie bei dieser Kälte hierher und in mein geringes Haus?" „, Abraham,"" sagte der Eiutretende, „„ist das Euer Weib?"" Hans Gericke warf seinen Mantel ab , und das Ehepaar sah zu seinem größten Erstaunen, daß der Haushofmeister einen sorgfältig gegen die Winterkälte 1) In der Verbannung, im (Sfenbe.

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