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Der Israelit · 1871-06-07 · Heft 23 (7.6.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ip-T" 55^ 437 aber auch „amerikanische Familiensitze" mit zu Minjan zugezählten Frauend Doch würden wir uns täuschen, wenn wir in dem Herrn Rabbiner Dr. Rothschild nur den gegen Windmühlen kämpfenden Don Quixote sehen wollten, wenn wir nicht anerkennen wollten, daß diesem Ritterkampfe für die Frauen gegen die halsstarrige Anti-Ernancipations-Richtung nicht ein tiefes Herzensleid zu Grunde liege. Wenn die Frauen nicht wären, wem sollte der Herr Rabbiner seine geistreichen Predigten in der Synagoge zu Alzey halten? Vor dem Vorsänger und Synagogendiencr allein? denn die übrigen männlichen Glieder der Judenheit Alzeys können doch ihr Geschäft nicht versäumen; was würde aus den schönen Reden werden, wenn nicht die weibliche Einwohnerschaft seiner treuen Heerde zu seinen Füßen sich setzte: damit aber auch nicht eine einzige fehle, erklärt man sie für minjan-fähig, das schmeichelt dem weiblichen Gemüthe, Jede denkt bei sich, daß gerade sie die Minjanzahl voll mache, und stolz ob der errungenen Emancipation, dankbaren Herzens gegen den Leiter ihrer Gemeinde, der sich ihrer so warm angenonnnen, wandelt aklsabbatlich das schöne Geschlecht der Judenheit Alzeys in die Synagoge, und der Herr Prediger ist der Verlegenheit überhoben, vor leerem Hause debutiren zu müssen. Dieses e i n Beleg, wohin die Reform, die ihr ganzes Glück in Aeußerlichkeiten findet, gelangt ist, der aber mit als Folio dient für das Ernsttraurige, das die Kehrseite dieser Lächerlichkeiten bietet. Die Beschneidungs: frage ist es, die durch die kritischen Argumente und die archäologisch-culturbistoristhen Studien des Herrn Rabbiners zu Alzey Spießruthen lausen muß. Aber gewandt diplomatisch führt Herr R. seinen Ercurs zu Ende: man kann ihnl nicht nachweifen, daß er für Abschaffung der Beschneidung plaidirt, dazu fehlt ihm doch der persönliche Much, nicht aber etwa aus heiliger Scheu vor dieser gottgemachten Institution, die heilige Scheu hat er längst abgeftreift, aber Furcht, Furcht, es könnte selbst Mitgliedern der Alzeyer Gemeinde ein Rabbiner nicht behagen, der geradezu die Abschaffung der Beschneidung ausspricht. Doch, was er über die Beschneidung sagt, wie er sie d cm Volke darstellt, heißt derselben den Todesstoß verletzen, dem Volke Glauben machen, die Beschneidung sei ursprünglich heidnische Institution — und dies sagt Herr R. — heißt die Ehrwürdigkeit und Heiligkeit derselben vernichten, und fordert stillschweigend zur Abschaffung derselben aus. Was Herr R. für sich von der Beschneidung denkt, ist uns höchst einerlei, daß er eine Lanze für dieselbe einlegen würde, waren wir niemals so thöricht zu glauben: daß er aber mit diplomatischer Schauheit sich den Rücken deckt, nicht offen auszusprechen wagt: Schafft die Beschneidung ab! sondern dieselben in den Augen der Menge zu discreditiren sucht, damit die Abschaffung sich von selbst vollziehe, das weist ihn einen würdigen Platz an unter denjenigen, für welche das Volk nur eine Bezeichnung hat, unter den — Pfaffen. Doch ehe wir weiter gehen, um die Argumente des Herrn R. zu untersuchen, müffen wir an den geneigten Leser einige Worte zu Aufklärung voranschicken, die uns zugleich als Entschuldigung dienen sollen. Unsere Zeilen sollen dazu dienen, dem Publikum die Augen zu öffnen, über das was hinter den Couliffen der Synode vorgeht, es soll gezeigt werden, welches Heil wir, die gesammte Judenheit, von einer Synode zu erwarten haben, bei deren Tbeilnehmer wir solche Grundsätze antreffen, wie sie Hr. R. uns hier aufzeichnet. Die wissenschaftliche Autorität des Herrn R. ist es nicht, die uns die Feder in die Hand drückt, die Sache ist es, deren wir un§ annehmen. Daß es gerade Herr R. ist, der die Sache angrerst, und dessen Person daher auch uns gegenüberfteht, bedauern wir von Herzen, da die Persönlichkeit des Gegners nicht die Beachtrrng eines größeren Blattes verdiente. Doch auch Herostrat hat es verstanden, feinen Namen zu einem geschichtlichen 511 machen, so müssen wir es uns gefallen lassen gegen den Mann zu kämpfen, der sich zum Organ einer Richtung gemacht hat, die er, wenn wohl auch nicht der Form, so doch dem Inhalte nach, auf der Synode nicht allein repräsenttrt. Daß wir aber Herrn R. opponiren, muß uns gerade von allen Redlichdenkenden zum Besten ausgelegt werden, da es für uns zeugt, wie wir die Sache höher als die Person stellen, denn würden wir unser Ich mehr lieben als die Sache oder dem Gegner mehr Opposition machen, als der der verwerflichen und haffenswerthen Tendenz, die er vertritt, so wäre uns Herr R. zu klein, und unsere Würde hätte uns zu hoch gestanden, als daß wir um deffeutwillen auch nur Einmal die Feder eingetaucht hätten. Es ist eine Stimme aus der Synode, die uns zur Antwort zwingt; daß diese Stimme gerade von Herrn R. ausgeht, thut uns nun unseretwillen selbst leid. Dies zur Aufklärung, um in diesem Sinne bitte ich, diese ganze Abhandlung auszufaffen. (Fottsetzung folgt.) AeLtnnftSnaehrLehten nnd Korrespondenzen. Deutschland. Wiesbaden, 26. Mai. Die hiesige königliche Regierung, Abtheilung des Innern, hat unter dem 16. d. M. in Betreff der Organisatton einer Vertretung der israelitischen Cultusgemeinden des ehemaligen Herzogthums Nassau behufs Mitwirkung bei der Verwaltung des israelitischen Central-Cultusfonds die nachstehende Verordnung erlassen:

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