Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1871)
- Date
- 1871-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447522--09428-2465122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
436 M „Er stand da und maß aus die Erde, er sah und M löste aus die Völker; da zerschellen die ewigen Berge, Bf. die ewigen Hügel neigen sich; der Gang der Welten gl ist Sein!" M Nach der Auffassung rinserer Weisen im Midrasch M ist die Erklärung dieses Verses die folgende: M, ' Gott legte das Maß an die Erde, das heißt an M die Bewohner der Erde, um zu sehen, wen Er wohl I| zur Vollendung Seiner Weltzwecke berufen könne. Erst D wollte er das ganze Menschengeschlecht in Adam beru- M fen; aber Adam bestand die Probe nicht; seine Nach- M kommen: mußten bis auf eine einzige Fainilie von der M Wafferfluth hingerafft werden; und wieder wollte Gott M das ganze Menschengeschlecht in Noah mtb den Seinen || berufen; aber auch diese erfüllten die ihnen aufgelegten j! sieben Noachitischeu Gebote nicht. Als nun Gott in D solcher Weise die Erde maß, da löste Er die Völker U auf, und diese, groß gleich ewigen Bergen, stark gleich j| ewigen Hügeln, zerschellten, und Gott berief Israel als | Sein Volk, und durch dieses ist der Gang der Wellen % Sein, d. h. Israel ist nunmehr das Werkzeug zur Ert' reichung der Ziele der Weltenschöpfnng. £ Vor uns breitet sich der wundervolle Züricher See |r aus mit seinen reizenden Ufern, die fast ganz bedeckt |; sind von Städten und Dörfern, von Palästen und Landp-;_ Häusern. Die Ufer steigen an zu gewaltigen Hügelketm ten; aber den Horizont begrenzen die ewig mit Schnee M und Eis bedeckten hoch in die Wolken ragenden Glarf ner und Schwyzer Alpen. Da ist der Glärnisch und | das Schneehoru und wie sie alle heißen. Im Anblicke k dieser „ewigen Berge" steigen vor unserm geistigen Auge all' die Hypothesen der Naturwissenschaften, insonderheit f. der Geologie auf. Da soll die Bildung dieser Berge U um Millionen von Jahren hinaufreichen, die Gletscher k sollen Ueberrestc der sogenannten Eisperiode sein. Freilich, das alte wie das moderne Heidenthum glaubte an die Ewigkeit des Stoffes, und das namentlich unterschied und unterscheidet cs von der Religion ' Israels, die den ewigen Schöpfer erkannt hat und lehrt. Als nun Gott sich am Sinai offenbart, als Er Israel zu Seinem Volke erkor, als Er die Erde maß und das Heldenthum auflöste, da zerschellten die ewigen Berge, da neigten sich die ewigen Hügel, da war es aus mit der Ewigkeit des Stoffes; denn das Volk, das im Besitze der Wahrheit ist, erkennt Ihn als den Schöpfer, der das All aus dem Nichts hervorgerusen, und deßhalb ist der Gang der Welten Sein. Wir, wenn wir diese Berge und diese Hügel, diese Gletscher und Schneekuppen, diese Flüsse und See'n, all dies Schöne und Herrliche schauen — wir reden nicht von ewigen Bergen, ewigen Hügeln, sondern wir rufen bewundernd aus: ,cvffy no3m c6d ,'n ywyn m na Wie groß sind Deine Werke, Ewiger, alle hast mit Weisheit Du sie gemacht, voll ist die Erde von Deinen Gütern? Ein Aaööiner (!) üöer die Aeschneidung. Bon vr A. Sulzbach. Der „Israelitische Lehrer" Nr. 16 bringt den Schluß eines Artikels „Referate über die der ersten isr. Synode zu Leipzig überreichten Anträge" aus der Feder des Hrn. Rabb. Dr. Rothschild zu Alzey, aus denr wir eutnehmen, welche Stellung der Herr Rabbiner zur Beschneiduilgsfrage nimmt. Es wird nicht unwichtig sein, von den Aeußerungen des Herrn Rabbiners Act zu nehmen, um uns klar zu werden, daß die wahren Feinde des Judenthums nicht draußen, in den Tracrätchen vertheilenden Missionszesellschaften, sondern vielmehr innerhalb der Judenheit selbst zu suchen sind, daß wir viel eigene Feinde und Zerstörer in den modernen Hierarchen haben, die in der Kutte umherwandelnd, Religion und Judenthum llnd Geist des Judenthüms im Munde führen und mit Brocken aus Talmud und Midrasch einen wissenschaftlichen Nimbus um sich zu verbreiten suchen, um aber mit dem Talmud gegen denselben zu kämpfen. Doch, wenn wir sehen, welche Fragen diese Herren vor das Forum dieser Kritik führen, und wie sie dieselben beantworten, so wird uns klarv daß sie das Gleichgewicht vollständig verloren haben und "nicht anders können, als alle Schranken niederzureißen, um das Judenthum zu einer Fratze, oder — sich lächerlich zu machen. Sollte man es z. B. glauben, daß jene erleuchteten Herren, sich ernstlich mit der Frage beschäftigen, ob nicht auch Frauen zu Minjan herangezogen werden können? Es ist wahrhaftig kein Spaß, diese Frage beschäftigt ernstlich die Gemüther. Gewiß, wir sind es der jetzigen Stellung der Frauen schuldig, daß man sie zu Minjan heranzieht; warum aber Minjan? die Herren sind doch sonst nicht so scrupulös in talmudischen Bestimmungen. Der Herr Rabbiner Dr. Rothschild weiß auch die Antwort dafür: Die Minjan - Vorschrift möchten wir aber auch erhalten wissen, darnit der Gottesdienst nicht nach Art der katholischen stillen Messe zu einem opus operatum werde. Der Vorschlag eine andere Art von Gottesdienst einzurichten, wofür Minjan nicht erforderlich sei, wird denen nicht genügen, welche den traditionellen Gottesdienst abzuhalten wünschen. Eine Beschränkung der Zahl ist weder anzurathen, noch bei Zuziehung der Frauen erforderlich." Wer über gewisse Dinge nicht lachen muß, der hat keine Lachntuskeln. Rothschilds Schriften haben es euch angethan! Minjan muß sein, denn „die den traditionellen Gottesdienst abzuhalten wünschen" wollen Minjan, wollen die denn