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Der Israelit · 1871-05-31 · Heft 22 (31.5.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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430 die Codificationen, sind ihm ein Dorn im Auge, gegen diese richtet er seine giftigen Pfeile und sucht ihr Ansehen auf jede mögliche Weise herabzufetzen. Ebenso verschmäht es unser Plagiator mcht, die besten Erklärungen der Alten ohne Nennung des Autors als seine Meinung gelten zu lasten; da Herr S. nicht an die glaubt, versteht es sich von selbst, daß er nicht nöthig hat, no« obq idt anzuführen. Wozu auch, lebt;a Herr Sz. in der festen Einbildung, daß die besten Gedanken von chm ausgehen. Lassen wir ihn bei seinem Glauben, ohnehin glaubt er ja sonst Nichts. (Schluß folgt.) Aus Szatyman schreibt man, daß die Umgegend und die Nachbar-Komitate in Schrecken gehalten sind durch die Streiszüge des Räuberhauptmanns „Farkas Beni", von dem man sich beinahe schon so viel Abenteuer erzählt, wie seinerzeit von Rozsa Sandor und Sobri. Derselbe ist von Geburt Jude, trat aber dann zum Christenthum über, und scheint es jetzt auf seine eigenen Stammesgenossen speziell abgesehen zu haben. Gr ist ein hochgewachsener hagerer Mann, mit eingefallenen Augen und dichtem schwarzen Haar. Er ist so stink und elastisch, daß er schon zehnmal Ms verschiedenen Gefängnissen oder seiner Militär-Eskorte entwischt ist, da er noch so fest geschlossen seiner Fuß- und Handfesseln sich mit Leichtigkeit zu entledigen weiß. In Kanizsa deckte er mit seinen vier Spießgesellen das Dach des Gefängnisses ab, und entkam so seiner Haft. Aus dem Gefängnisse ließ er einem israelitischen Einwohner in Nagy-Karely melden, daß er ihn und seine Familie umbringen werde, kselbst wenn er sein Opfer nur im Tempel erreichen könnte. Die Comitatsbehörden wenden Alles an, um seiner habhaft zu werden; er weiß aber immer wieder zu entschlüpfen. Bei der letzten Razzia die man auf ihn unternahm, war er mit seinen vier Kumpanen als Pandur verkleidet und gab an, aus einem fremden Komitat geschickt worden zu sein. Als man die List entdeckte, war er bereits über alle Berge. I 1 a l i e n. Rom. Sonntag fand im Ghetto ein ftüher dort nie gesehenes Leichenbegängniß statt. Der Jude Moses Piperno, Gemeiner der Nationalgarde, starb im jugendlichen Alter; ein Piquet der Nationalgarde, aus Katholiken und Israeliten bestehend, folgte der Leiche zum Friedhöfe der Juden. Das erste Beispiel so großer Toleranz und bürgerlicher Gleichheit in der ewigen Stadt. Frankreich. Paris. Der Schistscapitän Frervs, der an der Spitze von 300 Marinefoldaten zuerst in Paris eindrang, ist Israelit, und hat sich derselbe schon zu mehreren Malen als ebenso fähiger wie une^chrockener Offizier bewährt. England London. Vor einigen Jahren gab der Oberst White, ein reicher Kaufmann in London, bei Gelegenheit einer Parlamentswahl der City, in welcher Baron v. Rothschild als Candidat auftrat, seine Vorurtheile gegen die Juden mit den Worten kund: „Er glaube nicht, daß ein Jude geeignet wäre, einen so großen und bevölkerten Stadttheil zu repräsentiren." Dieser „liberale" Oberst war vor einigen Monaten als Candidat als Aldermann in einem Bezirk aufgestellt, wo unglücklicherweise für ihn meistens Juden wohnten. Bei seiner Wahlrede wurde er über seine vor Jahren über die Juden geäußerte Ausdrücke interpellirt. Seine Antwort war, daß er seit jener Zeit seine Meinung über die Juden geändert. Aber die jüd. Wähler trauten dem Frieden nicht, wollten dem plötzlichen Meinungswechsel keinen rechten Glauben schenken und wählten seinen Gegencandidat. Rußland. Durch Briefe aus Ros stow am Don und dem Lande der dänischen Kosaken wird die russische Börsen- Ztg. ersucht, durch die Presse das unheilverkündende Gerücht zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, nach welchem den Juden, die in den asowfchen Städten leben, am Pfingstfeste eine Bartholomäus-Nacht bereitet werden soll. „Die Erzählungen von den Heldenthaten der Odesfaer Griechen," so schreibt ein Correfpondent, „haben die bösen Instinkte unseres Pöbels erweckt, und man spricht von der Pfinaftmetzelei wie von einer beschlossenen Sache." — „Die Kosaken," so schreibt ein anderer Korrespondent, „bereiten sich vor, den bevorstehenden Feiertag durch die Ausrottung des jüdischen Stammes zu verherrlichen. Am 15. April war rch in Tscherkask, wo der Zufall mich auf einen Haufen Kosaken stoßen ließ, der laut von den Odesfaer Exceffen sprach. Alle riefen wie mit einer stimme: „Die Juden hauen! Für sie ist kein Gesetz geschrieben!" — Hoffentlich werden die lokalen Autoritäten alle Mittel ergreifen, um, falls an diesen Nachrichten etwas Wahres wäre, dem Ausbruche des drohenden Uebels zu steuern.

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