Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1871)
- Date
- 1871-05-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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431 Feuilleton. Aackel und ßsel. * **)) Von Abraham Tendlau. Unter Denenen, welche, selbst in den ersten Zeiten der Entstehung des Christenthums, zu der neuen Lehre übergetreten, war wohl Mancher, dem es nicht sowohl um die innere Wahrheit der neuen Lehre zu thun war, als um die äußere Bequemlichkeit oder auch die Vortheile, welche ihm dieselbe im Leben brachte. So war in der Nachbarschaft der Jma-Salom, der Gattin des Elasar und Schwester des Gamaliel, ein Mann, der sich selbst einen Philosophen nannte und von sich den Nus zu verbreiten suchte, daß er bei den richterlichen Entscheidungen, die von ihm verlangt werden, durchaus aller Bestechung abhold sei. Jma-Salom wünschte, den Mann auf die Probe zu stellen. Sie verabredete sich deshalb mit ihrem Bruder, kam mit demselben eines Tages zu dem angeblich unbestechlichen Richter, zog heimlich chuend einen Fackelstock von Gold hervor, ließ ihn densewen sehen und sagte dann: „Ich und mein Bruder hier wünschten, die Hinterlassenschaft unseres Vaters zu theilen." „„Theilet sie!"" sagte der Philosoph und Richter. „Aber," sagte Gamaliel, „es heißt im Gesetze*^): Wo ein Sohn ist, soll die Tochter nicht erben." „„Seitdem Ihr,"" erwiderte der Mann, „„aus Euerem Lande vertrieben seid, ist das Gesetz Mosis aufgehoben und ein neues Gesetz gegeben worden, und nach diesem sollen Sohn und Tochter gleich erben."" Das Geschwisterpaar entfernte sich, indem Jma- Salom ihren Fackelstock wieder mitnahm. Den andern Tag kamen sie wieder, und diesesmal brachte Gamaliel einen lybischen Esel mit, die bekanntlich von hohem Werthe waren. „Wir wünschten," sagte Gamaliel, nachdem er dem Manne mit einem Blick auf den Esel im Hofe einen Wink gegeben, „wir wünschten deinen Bescheid noch einmal zu hören." „„Ja,"" sagte der unbestechliche Richter, „„ich habe mir die Sache nochmals bedacht. Wir müssen das neue Gesetz zu Ende sehen, und da heißt eS*): „Ich bin nicht gekommen, um von dem Gesetze Mosis abzubrechen, sondern um dasselbe zu ergänzen,"" und also gilt in diesem Falle das alte Gesetz noch: Wo ein Sohn, soll die Tochter nicht erben!"" *) Nach Sabb. 116. — vergl. auch Jalkut Achare Moth F. 164». und Jalkut Jesaj. Nr. 258. **) Bergt. 4. B. M. Cap. 27. *) Matth. 5, 17. „Richter!" sagte Jma-Salom, mit einer leisen Anspielung auf ihren goLenen Leuchter, „laß dein Licht wie eine Fackel leuchten!" „„Ja, ja,"" sagte Gamaliel hierauf lächelnd, „„mein Esel ist gekommen, hat nach hinten ausgefchlagen und deine Fackel umgeworfen."" Lachend entfernten sich Beide, indem Gamaliel nun auch seinen Esel wieder mitnahm. Kirr geschichtlicher AückbNck aus die Juden in Elsaß und Lothringen. Bearbeitet von L. (Fortsetzung.) In der zweiten Sitzung, am 12. Februar, wurden die drei Deputirten der holländischen Gesellschaft, Adach Jeschurun, empfangen; jeder von diesen Deputirten richtete eine Ansprache an die Versammlung, Me bezeugten dem Sanhedrin ihre Freude über diese neue Einrichtung und ihre Hochachtung für dieses Collegium, dem sie sich gerne unterwerfen wollten. Der Vorftcher dankte ihnen in hebr. Sprache und lud sie ein, der Sitzung beizuwohnen. Auch wurden viele Adressen aus andern Gemeinden des Reichs und Deutschland entgegengenommen. In der dritten Sitzung, am 16. Februar, wurde die Polygamie als den Juden von nun an verboten erklärt in allen Ländern, wo die Landesgesetze sie nicht gestatten. Am 19. Februar nahm das Synedrium auch den zweiten und dritten Artikel des (bereits oben skizzirten) Gesetzesvorschlags an. Am 23. Februar kam der vierte Punkt, die sogen. Fraternitä, zur Sprache. Sinzheim hielt eine vortreffliche Rede und es wurde beschlossen , es für einen Haupt^rundsatz des Judenthums anzuerkennen, daß der Jude jeden Menschen ohne Unterschied der Religion wie seinen Bruder bettachte, gegen jeden Mitbürger alle Pflichten eines tteuen Bürgers übernehme und sich unter keinerlei Vorwand davon ausgenommen glaube. Am 26 Februar wurden die nächsten 3 Artikel: rapports moraux, rapporta «Zivils et politipues, professions utiles, angenommen. In der 8. Sitzung am 9. Marz empfing das Synedrium die Deputirten von Frankfurt, ferner nochmals die holl. Deputirten. Der Naßi redete sie beide hebräisch an und erklärte sodann die Sitzungen der Synhedrin für geschlossen. Die Versammlung trennte sich unter dem allgemeinen Ruse: Yive l’empereur! vive Fimperatrice! vive l’auguste famille imperiale 1