Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1871)
- Date
- 1871-05-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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429 in Angriff genommene Einrichtung einer jüd. theolog. Facultät, und man kann sich auch wohl sehr wenig für's wahre Judenthum von dieser künftigen Staatsanftalt versprechen. Hier bewährt sich keineswegs der Satz, daß der Segen von Oben komme, denn eine religiöse Institution muß sich urwüchsig ans dem Schooße einer Corttession entwickeln und nicht derselben von Staatswegen aufoctroyirt werden; wenn auch hohen Orts noch so gute Absichten obwalten, so werden die echt-jüdischen Gemeinden dennoch Bedenken tragen, ihre Rabbiner aus einer öffentlichen Facultät, wie sie bis jetzt noch nie im Judenthume existirte, zu holen und man merkt dies im Allgemeinen an der Apathie und Gleichgiltigkeit, mit der diese scheinbar wichtige Sache ausgenommen wird. In dieser Verstimmung muh man noch bestärkt werden durch einen Bericht der Morgenpost, nach der der Vorstand des von vr. Jellinek gegründeten Beth- Hamidrasch in freundlich zuvorkommender Weise, oder beffer gesagt, in kluger Berechnung des eigenen Vorteils, um pro domo ein Wort mitsprechen und der Facultät das erwünschte Gepräge geben zu können, sich beeilte, dem Cultusministerium die Localität, Bibliothek- Fonds- und Lehrkräfte Oucus a non lucendo) zur Verfügung zu stellen, gewiß eine sehr fein angelegte, politische captatio benevolentiae von diesen diplomatischen und weisen Vorstehern, damit die Regierung ja nur über Hals und Kopf zum nächsten Schuljahre ohne viele Erwägung und Ueberlegung die theol. Facultät eröffne, denn nur so können die Lehrer des Beth-Hamidrasch zu einer gesicherten Staats-Anstellung gelangen. Es fragt sich nur, ob sich am Ende diese Herren in ihrer wohldurchdachten Berechnung denn doch nicht verrechnen werden, und man hat wohl Grund genug, auf dieses loyale Anerbieten von Seiten des Beth- Hamidrasch-Vorstandes den Satz anzuwenden: Timeo Danaos dona ferentes; durch Annahme eines so gefährlichen Geschenkes erwiese sich die zu gründende Facultät schon im Vorhinein als Fehlgeburt und man kann ersterer nur wünschen, daß sie Gott vor ihren Freunden hüten möge, die sich nachträglich als die größten Feinde ihrer Existenz Herausstellen könnten. Doch wir wollen gerecht fein und unser strenges Urtheil der Wahrheit gemäß ganz unparteiisch begriinden. Schauen wir uns doch einmal diese Corporation ein wenig an, und wollen wir im Vornherein bemerken, daß wir gegen diese Herren als solche gar Nichts haben und achten wir in ihnen ihr Wissen und sonstige schätzenswerthe Fähigkeiten. Doch hier haben wir es mit ihrer Eigenschaft als künftigen Rabbinerbildnern zu thun, da wollen wir an dieser würdigen Gesellschaft — die Persönlichkeit bleibt aus dem Spiele — Kritik üben. Obwohl sie uns in sonstiger Beziehung nicht sehr zu Gesichte stehen, müssen wir uns dennoch im Interesse der Sache selbst der nicht sehr angenehmen Beschäftigung unterziehen, durch einige Stahlfederzeichnungen in allgemeinen Umriffen ihr Conterfei zu liefern, um nicht in ihrer Abwesenheit, gleichsam in contumaciam unser Verbiet auszusprechen. Das Eine haben alle miteinander, der Eine mehr, der Andere weniger, gemeinsam, daß ihre Lehrthätigkeit nur 'ui r-p&y ist, sie üben also ihr Amt nicht wuwh, sondern werden von materiellen Motiven geleitet, sich Ruhm, Ehrenstetten, Einkünfte zc. zu erwerben; ebenso daß ihr Lebenswandel in religiöser Praxis Manches zu wünschen übrig laffe, sie also als mustergilriges Beispiel der Religiösität den Heranwachsenden Rabbinern nicht voranleuchten könnten, wie auch das Betragen ihrer Herren Söhne, die üch öffentliche rate» bit'n und ähnliche 'nn» erlauben, sprechende Beweise der guten Erziehung im Elternhausc abgeben. Uni uns nicht lange beim Schmiedl aufzuhalten, der einmal in der Woche einen Abklatsch feines relig.- philos. Werkes einem kleinen Auditorium zum Besten gibt, um auf dieser Stufenleiter seine Saniere zu vollenden, da er deßhalb und wegen ähnlicher Beweggründe von Proßnitz nach Fünfhaus ging, sonst ein guter Redner, der aber nicht halb so fromm und wohlthätig ist, als er dazu im hohen Pathos aneifert und sich den Anschein eines Othodoxen zu geben weiß, um es mit Keinem in der Gemeinde zu verderben — gehen wir gleich zum Schniiede, der so viel Arglist und Ränke gegen die aufrichtigen Bekenner des echten Jndenthums schmiedet, ein Grobschmied der gemeinsten Sorte, den Sie in Ihrem gesch. Blatte so charakteristisch zu kennzeichnen schon oft Gelegenheit hatten, über. Gleichwie Cato, zu dessen Charakterfestigkeit und Sittenstrenge Herrn Szanto noch Etwas fehlt, jede Rede in der Senatsversammlung mit dem denkwürdigen Satze schloß: Caeternm censeo Carthaginem esse delendam, so ist das Alpha nnd Omega der Vorttäge, der Leitartikel des Herrn Szanto: die Vernichtung des gesetzestteuen Judenthums, um auf dessen Trümmern seine eigene Religion, die Religion der kalten Vernunft und des kühlen Egoismus zu errichten. Man kann ihn wenden und drehen, wie man will, er fällt immer auf dieses sein Lieblingsthema, das er bis zum Ueberdrusse in seinem Blatte und in seinen Reden, schön folgsam der Weisung seines Großmeisters und Propheten, Herrn Dr. - Jellinek, dessen Ideen er äfsisch nachbetet, widerkäut. Mit einem Aufwands von Scharfsinn, der einer bessern Sache würdig wäre, wird da der alte Kohl wieder und immer wieder aufgewärmt, das abgedroschene Zeug, das die „Neuzeit" so oft in selbstgefälliger Weise mtt der spitzen Schreibweise bietet, wird tu den Vorträgen durch schauspielerischen Pathos und künstlerische Mimik mundgerecht gemacht nnd den Hörern aufgettscht Dabei beobachtet Herr S. die pfiffige Methode, sich den Anstrich eines frommen, bibelgläubigen Juden zu geben, der dem Talmud Gerechtiakeit widerfahren läßt, was ihn freilich manchmal nicht abhält, die Ansichten der Talmudisten für beschräntt zu erklären, nur das rabbinische Judenthum, insbesondere