Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1871)
- Date
- 1871-05-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XH. Jahrgang. Beilage z« Nr. 22 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer ZSerichl. (Fortsetzung.) Aber auch außer dem Vorworte begegnen wir gleich am Anfänge der Schritt, bevor noch der Verfasser die Ergebnisse seiner Forschungen mittheitt und zu deren Begründung sich anschickt, so manchen Sätzen, die wahrlich nicht geeignet sind, unsere Erwartungen von diesen Forschungen hoch zu spannen. S. 2 spricht der Vers, über die Namen der Patriarchen und gelangt endlich über Abram, welcher Name „hoher Vater" bedeutet, zu dem Schlüsse: da es selbstverständlich ist, daß man ettt neugeborenes Kind als den „hohen Vater" oder den „Vater vieler Völker" bezeichnen wird, da ferner der Name Abram in der Bibel vereinzelt dasteht, so muß man wohl schließen, daß, selbst wenn der Patriarch jemals existirt hat, er doch bei seinen Lebzeiten diesen Namen nicht wird geführt haben. Hiegegen wollen wir nur Folgendes bemerken: 1) Hat Verf. vergessen, daß der Name Abram in der Bibel nicht vereinzelt dastcht. Dathan und Abiram verbinden sich mit Korah wider Mose (4. B. M. 16, V. 1). Chiel aus Beth-El verliert bei der Gründung Jericho's seinen Erstgeborenen Abiram (1. Könige 16, V. 34). D"i’3vx aber ist gleich cn^x, sowie Es haben demnach noch Andere schon bei der Geburt den Namen „hoher Vater" erhalten. 2) Es gibt noch viele solche Namen, die mit cn zusammengesetzt sind, z. B. dtpux, cnoy, d-vjhk u. A. Haben diese auch bei ihrem Leben diesen Namen nicht geführt, weil man ein neugeborenes Kind nicht als ein „hohes Volk" oder einen „hohen Herrn" bezeichnet, dk bedeutet übrigens an sehr vielen Stellen „Herr" (man vergl. die Lexica), demnach ist d-ok auch gleichbedeutend mit „hoher Herr". 3) Wäre auch dieser Name vereinzelt, so ist dies ja bei den meisten Namen der Bibel der Fall, da die Sitte, die Namen der Väter den Kindern zu geben, erst späten Ursprungs ist, wie dies in Bereschit Rabba Cap. 37, Ende, angegeben. Was berechtigt demnach den Vers., aus diesem Umstande solche Schlüsse zu ziehend An dem Namen Isaak findet der Verf. nichts Ausfälliges. Allein da er denselben dennoch nicht ganz unangefochten hingehen lassen will, so nimmt er Anstoß daran, daß dieser Name so „auffallend" häufig motivirt wird. Bisher fand jeder Leser der Genesis nur ein Motiv für den Namen „Jitzchak" angegeben, das nämlich, daß seine Geburt sowie die vorausgegangene Verkündigung derselben dem Vater, der Mutter und Andern Freude und Lachen verursacht. Doch unser Verf. hat mit seltenem Scharfblick noch andere indirecte Deutungen des Namens „Jitzchak" in der Genesis gefunden. Wenn erzählt wird: Abimelech nahm wahr, daß Isaak scherzte mit seiner Frau Rebekka, so sieht der Verf. alles Ernstes hierin eine Deutung des Namens „Jitzchak". Noch mehr: Sarah sieht den Jsmael, den Sohn der Hagar lachen und ist darüber „eifersüchtig" aus keinem andern Grunde, meint der Vers., als weil sie das Lachen für ein Privilegium hielt, das nur ihrem Sohne zukommt. (Wer lacht da!) — Wir wollen nicht unterlassen, dem Verf. über diese von ihm so arg mißverstandene Stelle Auskunft zu ertheilen. pns hat auch die Bedeutung „Muthwillen treiben", „ansgelafsen sein", wie z. B. in 1. M. 39, V. 14 und 2. M. 32, V. 6. Sarah sah also, daß Jsmael ausgelassen war und überredete deswegen Abraham, ihn wegzuschicken, danrit er keinen verderblichen Einfluß auf Jitzchak ausübe. Am Auffallendsten ist dem Vers, der Name „Jacob" wegen seiner schimpflichen Bedeutung. Gesetzt nun auch, die eigentliche Bedeutung des Wottes „□py,J wäre eine schimpfliche, so ist doch ein solcher Name gar nicht seltsam. Wir erinnern nur an Namen wie yvrrat , Bruder des Bösen, ■jsrvrux, Bruder der Thorheit, naa btk, Mann der Schande, ’psj. Niederträchtiger u. s. w.; ja es findet sich auch ein Name „nary" (1. Chor. 4, V. 36), der gleichbedeutend mit apy. Allein die eigentliche Bedeutung von apy* ist gar nicht „Bettüger", sondern „der Nachfolgende". Nur figürlich heißt apy „von hinten kommen, überlisten, betrügen". Die Erzählung, daß Jacob seinen Bruder an der Ferse hielt, soll keineswegs für elfteren verunglimpfend sein, wie der Verf. glaubt, sondern muß so ausgefaßt werden, wie sie der Prophet Hosea auffaßt, der diese Thal Jacobs seinem späteren Kampfe mit dem Engel gegenüberstellt, n« mc? uiöqi rrux n« apy svaa v'pb«. Nachdem der Verf. mit solchen stumpfen Waffen die Bibel angegriffen und bereu Glaubwürdigkeit anzuzweifeln gesucht, ist er auch nicht zu stolz, ein Plagiat an den Talmud zu begehen und die Frage auftuwersen, warum der Name „Abram" gleich nach dessen Verwandlung fallen gelassen und der Name „Jacob" noch später neben „Israel" beibehalten wird. Doch wer da glaubt, daß durch diese Frage eine der vielen luftigen Hypothe-