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Der Israelit · 1871-05-31 · Heft 22 (31.5.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Und die dies selber nicht thun, die d.ulden es ftil lschw eig e nd bei ihren mehr oder weniger erwachsenen Söhnen, Schwägern, Neffen und sonstigen Verwandten, so daß man am heiligen Sabbat nicht den Weg zur Synagoge, oder irgend einen kleinen Spaziergang zurücklegen kann, ohne hin und da den Cigarrendampf förmlich in's Gesicht geblasen zu bekommend? Und die sich Solches nicht in Bezug auf ihre nächsten Verwandten zu Schulden kommen lassen, die wollen aber unter kein e n u mst ä n d e n etwas von der Erfüllung des Gebotes: wan vpy kbt.-96i in’cp-rN noin ran „Zurechtweisen sollst du deinen Nebenmenschen, und nicht (durch dein Stillschweigen) ihni die Sünden gleichsam zutragen und aufbürden!" (3. B. M. 19, 17.) wist'en, sondern schämen sich, den jungen in jeder Hinsicht unreifen Burschen, oder den mit ihnen im gleichen Alter Stehenden, von Kindesbeinen an, mit ihnen im gleichen Orte Lebenden ein ernstes Wort des Tadels zu sagen, und zwar in erster Reihe deßhalb nicht, unr, wie gesagt, nicht als „orthodox" verschrieen zu werden, was man im Bierhause, besonders ui der Gesellschaft von Hans nnd Kunz, sehr unbequem findet-, in zweiter Reihe aber auch darum, um sich nicht „durcheinander" zu machen. In der berechtigten Voraussetzung, daß es so manchem Leser des ,Jsraelit" ergehen möchte, wie es mir selber s. Z. in der Pfalz erging, nämlich: daß ich diesen klassischen Ausdruck ebensowenig, als manchen anderen im Munde der Pfälzer heimischen, feiner ganzen Bedeutung nach zu erfassen vermöchte, erlaube ich mir) hier eine wahrheitsgetreue und bündige Definition desselben zu geben. „Sich durcheinander machen," in Synagogen-, Gemeinde-, Schule- und sonstigen religiösen Angelegenheiten, heißt in der Pfalz: Sich, wegen solcher Lappalien Jemanden Freundschaft verscherzen sollen) und wäre dieser Jemand auch sonst ein Subject, das man innerlich tief verachtet (!!), oder dem man , aus berüchtigten Gründen, von Herzensgrund abgeneigt ist, daß man, wenn man „unter uns" ist, mit drastischen Ausdrücken als charakter- und gesinnungslos hinzustellen sich genöthigt sicht.- So verhalten sich diejenigen, die „es besser verstehen," weil sie Besseres im Hause ihrer frommen Eltern vor sich gesehen, Besseres von den redlichen und religiösen Lehrern jener Zeiten eingeprägt erhalten. Sehen wir jetzt von den Einzelnen ab, und kehren wir zu dem Verhalten der Gemeinden im Großen und Ganzen den heiligsten Angelegenheiten gegenüber, zurück. Hier wird, wie schon Anfangs bemerkt, die Vorführung von Tatsachen die beste und unwiderlegbarste Beweisführung sein. Die Gemeinden dulden es — und es findet sich unter hundert und mehr Mitglieder kein einziges, das dagegen ein ehrliches, offenes Wort zu reden sich veranlaßt und gedrängt sehen möchte! —, daß ihre Cultusbeamten und derenAngehörigen öffentlich die Gottesgebote übertreten, daß der Lehrer, Chasan und Schochet sich, wie sJedernumn sich davon überzeugen kann, mit dem Messer rafirt, daß die Frau dieses mit so vielen heiligen Aemtern betrauten Mannes, in der Wahrnehmung ihrer heiligsten Pflicht von ihrer nichtjüdischeu Collegin sich nicht im Geringsten unterscheidet, daß die Tochter des Lehrers am Sabbat öffentlich ihre Einkäufe auf dem Markte besorgt, daß der;J „Herr Lehrer" am heiligen rav eine kleine Vergrrügurrgs- J tour mit der Bahn oder per xeckes, weit cnrb pm J macht, daß die an den heiligen Sabbaten und Festtage« j ihre Laden offen Haltenden, an den cr*ou d-zt als J nVrrn öjo mit Sargenes nnd womöglich den Talith über den Kopf gezogen, vor sich hinstellen, daß die jüdischen Metzger „anr Sabbat öffentlich ihr Fleisch J‘ aushacken" und verkaufen, (welche traurige Rolle der ■ Rabbiner — der ehrliche nämlich — in der Pfalz I spielt, und wie machtloser in allen, den heiligsten Frivaj tionen selbst, ist, darüber in einem späteren Briese,) daß ferner —: doch wozu noch mehr?! Das Gesagte i genügt wahrlich vollkommen, um die bejammernswerthen f jüdisch-religiösen Zustände der bayerischen Pfalz erkennen | zu lassen. Hundert und zweihundert Male pasfiren die -| Gemeindemitglieder eines elenden Dorfes die Wohnung :§ ihres jüdischen Schulmeisterleins, ohne daß ein Einziger j von ihnen es sieht, oder sehen will, daß sämmtlich.e 1 Eingänge ohne nuno sind!! Endlich kömmt der beklä- J genswerthe Dürkheimer Rabbiner zur Abhaltung der *f obligaten Predigt und Schulinspection; das erste, das 1 ihm beim Eintritte in das ärmliche Gemeindehaus auf-.—! Mt, ist der eben erwähnte Umstand, und den jungen Schulmeister darüber zur Rede stellend, erhätt er als Rechtfertigung die äußerst weise Antwort: der ,Herr College," der vor ihm diesen Posten bekleidet, habe;j auch keine gehabt, und rpn -pi ssoi “p so habe -j er es ruhig weiter gelaffen, wie er es vorgesunden! k Die Gemeinden nehmen es stillschweigend hin — und es ist wiederum kein einziges Mitglied, das ein offenes Wort der Einsprache erhebt! — wenn der ^Lehrer row und sämmtliche mj'p am a"n abschasft, und an diesem traurigen Gedenktage nach yJJw zu aoyo men nach n"np zu r.nn», wahrscheinlich um die nviM zu beschleuß. nigen, gleich mit den Worten ioi mctt nttto juscmn besinnt und beschließt!!! Der Lehrer streicht nachBelier den die Gebete und v'vi'O der Sabbate, Fest-und Feier- « tage desJahres. die ihm zu sagennichtcoryverri- | r e n, und die Gemeindemitglieder sind zum große« Theile ftoh, wenn ihnen die Last abgenommen ist!!! — Der ß Lehrer lacht, wenn es ihm beliebt, am pin naar und J ’te^zp n^V beim „Memmern", d. h. beim Ge- 1 denken der Frommen und Heiligen, die in den trauri-! gen Jahrhunderten des elften bis vierzehnten by >nnj f o»n »n’p — wurden!!! Der Lehrer sagt, wenn \ es ihm beliebt, die mitten auf Deutsch — doch halt: | hier gibt's ein trauriges Cmiosum zu berichten, f In L. ist eine Gemeinde von circa dreißig, fast durch- . i gängig wohlhabenden Mitgliedern, die nicht bloß die )

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