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Der Israelit · 1871-05-24 · Heft 21 (24.5.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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414 .reibet die „Päoth" in der Höhe des Augenwinkels ab, schneidet ein größeres oder kleineres Hautstück mit und läßt sich ihre Arbeit mit 10 Groschen per Stück honoriren. Den jüdischen Weibern hingegen wird ohne viel Federlesens die Haube, der Turban oder die „Binde" vom Kopfe gerissen, worauf sie mit kahlgeschorenem, nacktem Schädel durch die Gassen rennen können. Diese Art Liebesdienst wird unentgeltlich geleistet!!! Der „Bresl. Ztg." schreibt man aus ZVnrfchau 11. d.: „Noch immer ist die Polizei in allen Gouvernements des Königreichs Polen mit der Trachtänderung der Juden vollauf beschäftigt. Die Kürzung der Röcke hat sie beinahe schon durchgesetzt, indem jeder sich zeigende lange Rock auf einem Polizeiamt der Beschneidung unterlag. Ebenso ging es ziemlich leicht mit der Beseitigung der Locken, da bei solchen Personen, die der Vorschrift sich nicht selbst fügten, die Herren Polizisten zu Haarschneidekünstlern sich unrgestalteten. Schwieriger geht es schon mit der Verlängerung der Beinkleider; denn da müßte die Polizei ansetzen, und darauf versteht sie sich weniger, als wie aus das Abnehmen. Am schwierigsten jedoch geht es ihr mit dem neuerdings verschärften Verbot der Bärte, deren Erhaltung die große Mehrheit der polnischen Juden einmal als religiöses Gebot ansieht, das zu verletzen ihr Gewissen ihnen verbietet. In Warschau selbst scheut sich noch die Polizei, den Vartkampf herauszubefchwören, in den Provinzialstädten hingegen ging es in der letzten Zeit in dieser Beziehung heiß her. In Goica z. B., einem Städtchen vier Meilen von hier, fing man damit an, das Rasirhandwerk inmitten des Marktes an einem 80jährigen Greise zu üben: und als die Juden des Städtchens auf beit Hilferuf ihres Nestors in Massen auf dem Marktplatz sich einfanden, wurden sie von der eilig alarmirten Garnison umzingelt, und alle Bärte unterlagen der Polizeischeere. Daß es dabei ohne zahlreiche Verhaftungen nicht abgelaufen ist, versteht sich von selbst. — Auf die saubere Arbeit in Betreff der jüdischen Tracht wird bald eine andere ähnliche, aber weit schwierigere folgen. Den Gouverneuren ist nämlich die Weisung zugegangen, sorgfältig darauf zu achten, daß die Bauern ihre sic als solche kennzeichnende Tracht nicht ändern, und insofern dieses nach und nach schon erfolgt ist, auf eine Restauration hinwirken. Den Kittel darf der Rock nicht verdrängen und die Bauernmütze soll nicht durch die der Städter ersetzt werden. Ein Halstuch u. dgl. wird in der Weisung als etwas Unbäuerliches bezeichnet. Am strengsten aber soll man darauf achten, daß die ländliche Bevölkerung der griechisch-unirten Konfession nicht nur die Tracht der polnischen (katholischen) Bauern nicht beibehält, sondern man muß da, wo es geschieht, dagegen auftreten. Namentlich soll es den Unirten nicht gestattet sein, eine Confederatka (altpolnische viereckige Mütze) zu tragen, da ihre Voreltern als Russen diese rein polnische Kopfbedeckung nicht trugen. Warschau. Der „Dsk. Marsch." theilt mit, daß Ende 1869 dahier 86,672 Israeliten lebten. P a l ä ft i n a. □ Die altberühmte Abrahamseiche mm fb\s* bei Hebron Onan) und das das dazu gehörige Feld hat das russische Kloster angekauft. Beides wird nun mit einer hohen Mauer umzäunt, auch werden Vorbereitungen zum Bau eines Pilgerhauses neben der Eiche getroffen. Die „Augsburger Mg. Ztg." bemerkt hiezu: die Juden beten alle Tage um Rückkehr nach Palästina, thun aber nicht selbst das Mindeste dazu. Jaffa. In der von Herrn Netter im Aufträge der „All. Jsr." angelegten Colonie wurden 350 junge Bäumchen gestohlen. Den Behörden gelang es, die Diebe zu entdecken und sie zu bestrafen. (Habazeleth.) Amerika. 9dew-Uork. Ein hiesiger Resormrabbiner sprach in einer seiner Predigten über die verbotenen Speisen. Während derselben erzählte er Folgendes: „Meine geehrten Zuhörer! Vor einigen Tagen kam ein jüdisches Mädchen zu mir und beklagte sich darüber, daß in dem Hause seiner Eltern die Speisen nicht rituell gekocht, das Fleisch bei einem christlichen Metzger gekauft, der Sabbat nicht gehalten werde. Da antwortete ich chm: Meine Tochter, unser Vater Abraham hat den Engeln, die ihn besucht haben, auch Fleisch und Milch vorgesetzt und sie haben gegessen. (Welche Unwissenheit!). Gilt nun Abraham nicht als ein frommer Mann bei uns und wie viel mehr die Engel, die Diener Gottes? Demnach kannst du auch die dir verboten erscheinenden Speisen essen und doch eine fromme Jüdin bleiben." Commentar unnöthig. (Hamagid.) Afrika. Algier. Ueber die gegen die Juden in Algier ausgebrochenen Unruhen schreibt der „Univ. Jsr.": Da die algerischen Israeliten naturalisirt worden sind, wozu hatten sie nöthig, ein besonderes jüdisches Bataillon zu bilden? Das war unserer Meinung nach weder klug, noch politisch, noch patriotisch. Wenn unsere jungen Brüder Frankreich mit den Waffen dienen wollen, so gibt es eine fanzösische Armee und eine algerische Miliz, wo ihre Tapferkeit den richtigen Platz hätte finden können. Die Unruhen sind beim Ausmarsche des Bataillons an einem Samstag entstanden. Ein militärischer Spaziergang mit Waffen, Tambours und Musik, der weder für den Staatsdienst noch für die Stadt nöthig war, ist eine öffentliche Entweihung des Sabbats.

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