Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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413 Die Wittwe schrieb nun jener Tochter, welche sie weggegeben hatte und die jetzt in glänzenden Verhältnissen lebt, dieselbe möge sie zu sich nehmen, sie sei allein, krank und bettelarm. Die Tochter kam, um die alte Frau abzuholen. Da sie (die Tochter) aber eine begründete Vermuthnng hegte, daß ihre Mutter Geld, ja viel Geld habe, machte sie dem Rabbiner des Ortes, in welchen! sie wohnt, von ihrer Verniuthung Mittheilung; derselbe kam nach Pefth und redete der alten Frau zu Herzen. Sie theilte ihm endlich mit. daß sie achtzehn — sage: achtzehn — Sparkassa-Bücher besitze, w et che einen Werth von 24,000 ft. repräsentiren! Außerdem besaß sie ein vollständiges Besteck von Silber für 12 Personen, 25 Louis-d'or, 100 Silberthaler, 24 goldene und 2 Brillant-Ringe, 6 Silberleuchter und noch viele andere Pretiosen. Und was das Allermerkwürdigfte — alt' das, sowohl das Geld, als das Silber und Gold, war bei der Hausfrau der Kranken aukbewahrt, und zwar, ohne daß die Besitzerin auch nur einen Schein darüber hatte. Alan weih nicht, soll man da mehr den beispiellosen Geiz der Alten, oder die seltene Ehrlichkeit der Hausfrau, oder die noch seltenere Schweigsamkeit der Letzten! bewundern. Die Hausfrau gab Alles unversehrt der Eigenthümerm vor Zeugen zurück. Und dieses reiche Weib lag in einem Bette, das geradezu Ekel erregte, und als man einen Schrank öffnete, fand man ein Quantum neuer Wäsche, das zur Ausstattung der drei Töchter vollkommen hingereicht hätte — Alles aus feinstem Linnen und zu Dutzenden mit schweren, gelben Seidenbändern zierlich gebunden. Schließlich wird uns noch der Name'"des sonderbaren Weibes mitgetheilt. Die Frau heißt Sonnenschein; sie verläßt Sonntag mit ihrer Tochter unsere Stadt. Ob sie .sich wohl daran gewöhnen wird, eine andere Lebensweise zu ertragen? Der Geiz ist eine Krankheit, die ihr Opfer nicht so leicht losläßt. Donaufürstenthümer. Bukarest. An den Verfolgungen der rumänischen Juden sind viel die Hetzereien einiger Blätter Schuld. Ein solches judeu feindliches Blatt ist die „Trompetta Carpazllor", die der Schandfleck der Bukarester Presse ist. Man kennt die Vergangenheit dieses Blattes; wie ein Chamäleon seine Farben, wechselte „Trompetta" ihre Prinzipien und Anschauungen; je nach dem Douceur, das ihr von oben herab in die Hand gedruckt wurde, je nach den Sympathien, die ihr die verschiedenen Regierungen einflößten, schloß sie sich bald der Regierung, bald der Opposition an, bald stand sie zwischen beiden, sie mit ihren! Geifer bespritzend. Jetzt ist sie wieder einmal, zur Abwechslung, regierungsfreundlich gesinnt; ihr Lächeln gleicht dem Grinsen eines Medusenhauptes, ihre Freundschaft zieht den Gegenstand derselben in den Koth. In einem Punkte ist sich b'u> „Trompetta" (früher „Buciumul") stets treu geblieben. Dies ist der Haß und Fanatismus gegen Fremde und fpeciell Juden. Der größte Theil der finsteren Verfolgungen sind auf ihre Rechnung zu setzen. — In ihrer Nummer vom 7. Mai d.J. ergeht sie sich in schmutzige Stylübungen über die Räubereien und Plünderungen, „die von den Juden an den armen Rumänen begangen werden", und richtet ihre vergifteten Pfeile besonders gegen die hiesigen jüdischen Goldarbeiter und Juwelenhändler. Diese sind allerdings ein starker Magnet! Sie fordert den Vorsteher der Silberarbeiter auf: „ja um Golteswillen Maßregeln zu ergreifen, um etwaige in der Innung befindliche Juden schleunigst v erschwinden zu machen. Dies ist eine infame Aufforderung zu Verbrechen. Im „Romanul" veröffentlicht ein Juwelenhändler eine kurze Replik an die Adresse der „Trompetta", aus der wir Folgendes hervorheben: „Auf den Artikel der „Trompetta" vom 25. April d. I. beehrt sich „der Goldarbeiter gegenüber der Polizei" zu antworten, daß der Chefredacteur jenes Blattes nicht wohl daran thut, das Epitheton „Jiaov“ (Jude) zu gebrauchen, da er von Eltern derselben Religion abstammt, jedoch, wie jeder Renegat, die Glaubensgenoffen seiner Eltern toll anbellt, als wenn er durch sein Gebell feinen Ursprung, den nur ein Mensch ohne Würde verläugnet, wegwischen könnte. '„Außerdem scheinen dem Redactenr der „Trompetta" seine Artikel ansgegangen zu sein, da er jetzt seine Zuflucht dazu nimmt, sich mit den Goldarbertem zu beschäftigen; vielleicht erwartet er von ihnen irgend ein Juwel, dainit dieses seine Säure in Honig verwandle; doch die Goldarbeiter, und besonders die jüdischen, und ganz vornehmlich der „gegenüber der Polizei", wissen, daß der Honig billiger und schmackhafter ist, als der, den die lockenden Artikel der „Trompetta" feilbieten, und ziehen sie es deshalb vor, ihn auf dem Martte eher, als von den ungesalzenen Redacteuren der „Trompetta" zu kaufen!" (Rum. Post.) Rußland und Polen. Die Nachricht, daß der Kleiderukas für die Juden Polens sistirt wäre, stellt sich als Lüge heraus. Es wurde lediglich der Tennin für die Anschaffung reglementsmäßiger Kleider bis zuni 25. Mai prolongirt, wohingegen die anderweitigen Punkte der Kleiderordnung bereits zur Ausführung gelangen. Die meisten Juden Polens haben demgemäß auch ihren Schläfenlocken Valet gesagt, und jene, die es noch nicht thaten, wurden von den ehrsamen Organen der Territorialpolizei auf offener Straße abgefangen und stehenden Fußes bedient, d. h. die heilige Hermandad übt eigenhändig Haarkräuslerkünste an den widerspenstigen Juden. Sie