Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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412 ttt Edom zu schließen sich erlaubt. Was soll man ferner zu der Logik des Verf. sagen, wenn er sein Vorwort mit den Worten anfängt: „Die wissenschaftlichen Untersuchungen ... des 1. B. M. haben längst die Thatsacheaußer Zweifel gestellt, daß dieses Buch nicht ein ursprüngliches von Einem Verfasser herrührendes Werk lei," und dann von einem Verse schließt, daß das ganze erste Buch Mose erst zur Zeit der Könige geschrieben worden, sticht wahr ist es, daß die Orthodoxie zu Künsten ihre Zuflucht nehmen muß, um diesen Vers zu erklären. Jeder wahrhaft Gläubige wird gar nichts Auffälliges in diesem V. finden. Wenn man glaubt, daß Gott Abraham verheißen und Könige werden von ihm abstammen (1. B. M. 17, P. 6 u. 16), wenn man glaubt, daß Gott diese Verheißung dem Jakob wiederholt hat (l. C. 35, V. 11), wenn man ferner glaubt, daß Jakob vor seinem Tode prophezeiht hat, das Scepter werde nicht weichen - von Juda u. s. w. (l. C. 49, V. 10), wenn man ferner glanbt, daß Bileam Aehutiches prophezeiht (4. B. M. 24, V 17), wenn man endlich glaubt, daß Gott durch Mose befohlen: Wenn du in das Land kommst, so kannst du über dich einen König setzen u. s. w. (5. B. M. 17, V. 14) wird man es nicht ganz in der Ordnung finden, wenn erzählt wird, daß die Verheißung Gottes an Abraham sich an Edom bewahrheitet hat, bevor sie noch an Israel in Erfüllung gegangen? (Fortsetzung folgt.) AeZtungSnaehrichtett und Corresporr deuzen. Deutschland. Ans Bayern, 7. Mai. Am 21. Mai wird in.Deggendorf (Niederbayern) eine großartige K a t h o l i k e n v e r s a m mlung stattfinden, um einer Kundgebung zu Gunsten des Papstes Ausdruck zu verleihen. Nach dem veröffentlichten Programm beginnt die Feier mit der „Aussetzung des heil. Mirakels in der Gnadenkirche". Es wird wohl nicht ohne Interesse sein, wenn wir auf Grund authentischer Aktenstücke eine kurze Geschichte dieses heil. Mirakels bringen. Im Jahre 1337 wurden einige in Deggendorf wohnende Juden beschuldigt, eine von einem Ehristenweibe gestohlene Hostie gekauft zu haben; die Käufer haben alsdann versucht, die Hostie mit einer Ahle zu durchstechen, worauf aus dem Sakrament rosenfarbeues Blut hervorgedrungen und auf dem Brode ein Kind erstanden sei. Ebenso fruchtlos blieben, so fährt die Historie fort, alle Versuche, die Hostie auf einem Amboße zu. zerschlagen, oder in einem Backofen zu verbrennen. Die Kunde von dem angeblichen Diebstahle verbreitete sich und es wurden für diesen Frevel sämmtliche in Deggendorf wohnende Juden — gegen 400 — unter den gräßlichsten, höchst barbarischen' Umständen ermordet. _ Zu Ehren dieses Massenmordes wurde in Deggendorf eine Wallfahrtskirche, in welcher die wunderthätige Hostie aufbewahrt ist, erbaut, und alljährlich im Monat September wird eine mehrere Tage dauernde geistliche Feierlichkeit abgehalten, wobei die Hostie dem in dichten Schaaren herbeiströmenden Volke — namentlich liefert das an der Grenze wohnende böhmische Landvolk ein zahlreiches Contingent — vorgezeigt wird. Da es aber nothwendig ist in dieser frivolen Zeit, den Glauben öfter zu beleben, so muß in diesem Jahre, da die Zeit bis September zu lange währt, schon vorher eine besondere Feierlichkeit zu Ehren der Judenverfolgung und des Massenmordes stattfinden. (F. Z.) In Beulhen (Oberschlesien) feierte der aus 50 Mitgliedern bestehende Talmud - Verein am ein Sinm-Fest. Angemessene Vorträge wurden vom Präsidenten des Vereins, Herrn Moses Guttmann, und vom Rabbiner Herrn Dr. R osenthal gehalten. Herr Lehrer Kobler trug ein von ihm dem Vereine gewidmetes hebräisches Gedicht vor. Es ist erfreulich, zu sehen, daß die echte, rechte Wissenschaft des Jndenthums. das Talmudstudium, sorgsame Pflege findet. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Pefth 8. Mai. In der kleinen Kreuzgasfe Nr. 42 wohnt eine alte Frau, welche sich feit sieben Jahren nicht mehr vom Platz bewegen kann, da sie durch und durch gichtkrank ist. Die Frau hatte von ihrem ersten Manne drei Töchter, die sie nicht erhalten zn können borgab, ans welchem Grunde sie eines der drei Kinder an eine reiche Familie übergab, wo dasselbe auch versorgt wurde. Die beiden anderen Töchter brachten sich durch, wie sie konnten, und sind gleichfalls hier verehelicht. Die erwähnte Frau lebte io dürftig, daß sie mit ihrem zweiten Manne, einem armen und sehr alten Handelsmann, Hunger und Kälte litt. Die Nachbarinnen gaben ihr aus Erbarmen zuweilen etwas zu essen, was sie auch stets bereitwilligst annahm. Ihr Mann konnte keinen Erwerb mehr suchen, und wenn er oft, entkräftet von Hunger und Kälte, seine Frau doch um einige Kreuzer ansprach, war's schon viel, daß sie ihm ein- oder zweimal in der Woche 20 kr. gab, wofür er etwas gekochtes Essen brachte; das verzehrten dann Beide und es mußte für einige Tage genug sein. Der Mann, von Alter, Hunger und allerlei Entbehrungen geschwächt, siechte immer mehr dahin und erlag endlich vor einigen Monaten feinen Leiden.