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Der Israelit · 1871-05-24 · Heft 21 (24.5.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII. Jahrgang. Beilage zv Nr. 21 des Israelit. Leitender Artikel. ^Literarischer Bericht. Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und! Jakob. Kritische Untersuchung von A. B e r n st e i n, j besprochen von Dr. H—n. j Der Verfasser, der in seinen naturwissenschaftlichen! Volksbüchern die populäre Darstellung der großen Er-! rungenschaften der Naturwissenschaft mit Glück ausgej führt hat, hat uns in diesem Werkchcn Resultate eige- | ner Untersuchungen auf dem Gebiete der Bibelkritik! geliefert. Letztere Schrift ist jedoch eine im höchsten j Grade mißlungene Production und zeigt vollkommen die Unfähigkeit und Incompetenz des Verfassers, auf dem Felde der biblischen Wissenschaft Untersuchungen anzustellen oder Fragen zu erörtern. Oberflächlichkeit, Unwissenschaftlichkeit , durch Nichts begründete Hypothesen, Widersprüche, Mangel an jeder Kenntnis; der Bibelkritik, ja sogar der Bibel selbst sind fast auf jeder Seite zu bemerken und hierzu kommen noch hier und da solche curiose Ansichten, die wahrlich den Leser zum Lachen nöthigen würden, wenn sich nicht zugleich ein Gefühl der Entrüstung seiner bemächtigte, darüber, daß gerade in der Wissenschaft, die der Natur der Sache nach am meisten tiefes Studium und Gründlichkeit erfordert, der Dilettantismus sich so breit zu machen wagt. Der Vers, denkt, daß seine Arbeit nrit der ftrengforfchenden Wissenschaft, die zuweilen hergebrachte Anschauungen beherrschen , einen Kampf zu bestehen haben wird. Die Orthodoxie ftirchtet er nicht, „denn diese wird in ihrem Schneckenhäuschen gar nicht mehr von der Wissenschaft berührt". Wir sind entgegengesetzter Meinung. Die strengforschende Wissenschaft wird gewiß ein solches Machwerk unangefochten und ruhig seinen Weg zum Maculaturmarkt wandern lasten; die Orthodoxie aber — wir meinen hier nur die jüdische Orthodoxie — ist verpflichtet, in einer zur Belehrung des Volkes bestimmten Zeitschrift gerade ein solches Opus in seinen! wahren Lichte zu zeigen. Denn so wenig eine schon ziemlich weit vorgeschrittene Wissenschaft Ansichten, deren Nichtigkeit jedem Eingeweihten int ersten Augenblicke erkenntlich ist, zu betrachten braucht, um so größere Gefahren drohen aus solchen, namentlich wenn sie in einem Werke mit populärer Darstellung niedergelegt sind, dem Volke zu entstehen, das, weil ihm andere Quellen verschlossen, aus solchen Schriften die erste Kenntniß von dieser Wiffenschast erhält. In weit höherem Maßstabe ist dies bei vorliegendem Werkchen der Fall. Viele jüdische Leser, besonders sogenannte “i£D ’jnv. die noch nie von Bibelkritik gehört und noch weniger davon wissen, daß auf alle antireligiösen Resultate derselben vielfache Widerlegungen von orthodoxer Seite geschrieben worden find, nehmen dies Buch zur Hand, das durch seine Darstellungsweise ihnen das Lesen leicht und angenehm macht. Alles, was sie da sehen, ist ihnen ganz neu, von ihrem bisherigen Glauben und ihrer bisherigen Denkweise so verschieden, daß sie geblendet, das Wahre vom Falschen nicht zu unterscheiden vernkögen, Sophisrnen nicht erkennen und Alles auf's WoU glauben, ohne sich die Mühe .zu geben, darüber nachzuschlagen oder nachzudenken. Wir müssen gestehen, daß wir schon den Verdruß gehabt haben, Leute genannter Art der in Bersteins neuestem Werke enthaltenen Ansichten beifällig erwähnen und Zweifel an der Wahrheit der heiligen Gotteslehre erheben zu hören. Wir wollen daher uns Überwinden, ein Werk, das Andere wahrscheinlich nur in humoristischer Weise lächerlich zu machen für werth gehalten haben, in ernstem Tone zu besprechen und dessen Hohlheit und Nichtigkeit klar an den Tag zu legen. Wenn der Vers, nicht beabsichtigt hat, dem unkundigen Leser Sand in die Augen zu streuen, — was wir wohl anzunehmen berechtigt sind, — so hat er schon auf der zweiten Seite des Vorwortes unser Urtheil gerechtfertigt. Es heißt dort: „Nun ist das erste Buch Mosis ein Werk, das offenkundig erst geschrieben worden ist, als bereits Könige in Israel existirten. Abgesehen von unzähligen (das will wohl sagen, daß sie der Veri. nicht aufzuzählen vermochte, was wir gerne glauben) wissenschaftlichen Beweisstücken biesür ist der eine Vers 31 im Capitel 36 des 1. B. M. so überzeugend, daß alle Künste der Orthodoxie, dies Buch für älter zu erklären, müssige Ausreden sind und bleiben. Dieser Vers lautet: Dies sind die Könige, die regiert haben im Lande Edom, bevor ein König regierte über die Kinder Israel." Würde der Vers, nur einigermaßen mit der Bibelkritik vertraut fein, so müßte er wissen, daß sich noch kern Kritiker erlaubt hat, von der Unechtheit eines Verses, selbst wenn diese zugeftanden werden müßte, auf die Unechtheit eines ganzen Buches zu schließen. Daß viele Bibelerklärer, die nicht zur Orthodoxie gehören, trotz der „unzähligen wissenschaftlichen Beweisstücke" und trotz des einen „so überzeugenden" Beweises hiefür, daß das 1. B. M. erst geschrieben worden ist, als bereits Könige in Israel existirten, dennoch dieses Buch oder wenigstens einen großen Theil desselben für viel älter erklären und daß kein neuerer Kritiker aus deni V. 31 des Cap. 36 mehr als die spätere Abfassung dieses Abschnittes von den Königen

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