Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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408 f langt in demselben nichts weniger, als daß alle Repe-! tcntcn, Professoren und überhaupt alle Unjversitatshei Hörden eine Erklärung zu leisten haben sollten, zufolge £ deren sie sich verpflichten, nichts zu lehren, was im Wil Versprach mit den im alten und neuen Testament geof- D fenbarten Wahrheiten stehe. In seiner Begründung setzte der Antragsteller auseinander, daß es sich bei die- & ser Vorlage nicht um einen Streitpunkt zwischen der I englischen' Kirche und den Dissentergemeinden, sondern AM den Kampf zwischen dem Christenthum und dem Unglauben und Atheismus handle. Er entwarf mit besonderem Hinweis auf deutsche Zustände, gestützt auf eine Anzahl Briefe des Timcscorrespondenten in Berlin, ein düsteres Gemälde der Wirkugen, welche die Vorlage, falls sie in ihrem heutigen Zustande zum Gesetz; erhoben werden sollte, auf Englands Jugend ausüben - müsse, und basirte auf diese Ausführungen die Nothwendigkeit, eine Garantie für die an den Hochschulen zu lehrenden Grundsätze zu beschaffen. Es erhob sich darauf ein wunderbares Gezänk zwischen Bischöfen und Lords, das schließlich darin sein Ende fand, daß das Amendement des Marquis of Salisbury mit 57 gegen 49 |: Stimmen abgelehnt wurde. Angenommen wurde dage- 5 gen ein anderes Amendement desselben Antragstellers, f wonach die Vorsteher von Colleges (die bekannten Cong victanstalten, in welchen bis vor Kurzem alle Studirenf. den an den Universitäten ihren Wohnsitz haben mußten g und den für die öffentlichen Vorlesungen nöthigen Un- $ terricht erhielten) von den Bestimmungen der Vorlage J: ausgenommen werden. Ein dritter Zusatz, welcher be- | stimmt, daß Universitätsgesetze, welche das Bekenntniß ff der englischen Kirche für die Träger von Univerfitäts- Ämtern unerläßlich machen, nur durch Parlamentsacte abgeschafft werden können, ging ebenfalls mit genauer f Noth durch. Palästina. Jerusalem. (Ungern verspätet.) In einem im „Habazeleth" veröffentlichten Aufrufe stellen der Oberrabbiner Aschkenasi, die Vorstände der Aschkella sim- Peruschim - Gemeinde, der österreichischen Gemeinde und der Aschkenasim - Chasidim Woliner Gemeinde an die Rabbinen Deutschlands und Oesterreichs die Bitte, daß sie doch gefäll. dahin wirken, daß die Dampfschifffahrtsaesellschaft „Lloyd" in Triest ihren Preis für diejenigen Reisenden in i. Cajüte und Zwischendeck ermäßigen möge, die nicht ihre Beköstigung auf dem Schiffe nehmen. Mit den Dampfschiffen dieser Gesellschaft reisen sehr viele Juden aus dem Orient und besonders aus Palästina; da dieselben die Speisen auf diesen Schiffen , die für sie verboten sind, nicht essen können und trotz alledem, wenn sie 1. Cajüte und Zwischendeck fahren wollen, vor wie nach dieselben Preise bezahlen müsjen, so sehen sich viele Israeliten gezwungen, ihre Fahrt auf dem Oberdeck, wo sie aber unsäglichen Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten ausgesetzt sind, zurückzulegen. Ferner ist es bei den Dampfschiffen dieser Gesellschaft üblich, daß wenn sie in Konstantinopel und Alexandrien landen, sie ihre Passagiere aussetzen, ohne sich weiter um sie zu kümmern. Dort müssen die Rei-! senden so lange warten, bis ein anderes Schiff der Gesellschaft sie nach ihrem Reiseziel weiter befördert. Viele der Reisenden, die der betreff. Landessprachen unkundig, find dadurch den Bootenführern in diesen Hafenstädten in die Gewalt gegeben, die nicht allein hohe Preise von ihnen verlangen, sondern auch sie sonst auf vielfache Weise chikaniren. Wir ersuchen im Interesse unserer Glaubensgenossen im Orient die Rabbinen, aber auch insbesondere diejenigen Israeliten, die mit dieser Gesellschaft in Verbindung stehen, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß diesen Uebelständen abgeholsen werde. (Inzwischen ist auf Verwenden einflußreicher Glaubensgenossen bei den Lloyddampfern für dies?nigen Passagiere 1. und 2. Cajüte, die sich selbst verköstigen, ein niedriger Preis angesetzt worden.) Jerusalem. In der „jüd. Presse" wurde vor einigen Monaten über die Oberleitung der Ackerbauschule zu Jaffa, welche von Seiten der „Alliance" Herrn Netter übertragen ist, bezüglich der religiösen Anforderungen Klage geführt und auch wir gaben derselben im Namen der „jüd. Presse" bei der letzten Veröffentlichung der „Alliance" Ausdruck. Der jüngsten Nummer der in Jerusalem erscheinenden Zeitschrift „Habazeleth" zufolge scheinen diese Klagen nicht begründet zu sein. Am verflossenen Peßachfeste waren viele der Zöglinge dieser Anstalt in Jerusalem auf Besuch bei ihren Angehörigen. Der Oberrabbiner Aschkenasi nahm die Gelegenheit wahr, sich bei jedem einzelnen Zöglinge über die Arstalt, insbesondere über die religiöse Führung, zu erkundigen und hat nach den übereinstimmenden Aussagen derselben Alles in Ordnung gefunden, bis auf den einen Umstand, daß die Zöglinge am Sabbat einen von der Anstalt zu weiten Weg bis in die Synagoge (die außerhalb der Stadt ist) zurückzulegen haben, welchem Uebelstande sofort abzuhelfen Herr Netter versprochen hat. Feuilleton. Zur rechten Zeit. XI. Irrfahrten. Als die Schwergeprüften sich durch heißes Getränk ein wenig erquickt hatten, hieß Nathan seine Frau, sich