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Der Israelit · 1871-05-24 · Heft 21 (24.5.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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404 bin Gott, dein Gott, der ich dich aus Egyptenland geführt." i) Nicht verdrängen wollte die Offenbarung am Sinai die göttliche Offenbarung in der Natur. *6 »jierpn nn apy* jnft. Nicht sprach ich zu Jakobs Nachkommen, in der Oede suchet mich, 'n idk na o, sondern so sprach Gott: nsi' Q’pbxn xn onmn tnia rura «m ntryi p«n des Himmels Schöpfer das ist Gott, Er der die Erde geformt und gebildet, Er hat ihr ihre Bestimmung gegeben. 2) Vergeistigen wollte die Offenbarung am Sinai das Wirken und Schaffen der Natur, wollte Israel lehren, daß es in der Natur kein blindes, zufälliges Walten zu erblicken habe, daß es Gott vielmehr ist, der aus jeder Naturerscheinung fimcht und als solcher erkannt sein will- Schwere Verirrung aber wäre es, wenn jetzt, nachdem Gott sich und fein Gesetz durch die Offenbarung verkündet hat, man diesen über allen Zweifel erhabenen Willensausdruck erst und nur in dem vielfach verschlungenen Lauf der Natur suchen und finden wollte. Solchem Ansinnen tritt schon der königliche Sänger entgegen, wenn er spricht: „Zwar erzählen die Himmel schon die Ehre Gottes, die Himmelsveste verkündet schon seiner Hände Werk, ein Tag flüstert's dem andern zu, und eine Nacht lehrt der andern diese Kunde; da ist kein Laut, deren Stimme ungehört verhallt u. s. w. Ganz vollkommen aber ist nur Gottes Thauroh, darum labt auch sie nur die Gemüther (crPnn üip'r-ffsj «vis? na’on «*n no>), zuverlässig treu ist nur Gottes Zeugniß, darum macht es auch selbst Thoren klug, Gottes Befehle sind gerade, erfreuen daber die Herzen; Gottes Gebot ist lauter, erleuchtet daher die Augen, Die Furcht Gottes ist rein, darum besteht sie ewig, die Rechtsprüche Gottes sind Wahrheit, daher alle gerecht, sind unseres Strebens würdiger als Gold und Geschmeide, sind süßer als der süßeste Honigseim.3) „Wer aber gar auf seinem Lebenswege Gott aus seiner Thauroh einmal erkannte und erkennt, und sich selbst unterbrechend, von dem Erlernten abläßt, um mühsam in der Natur zu suchen, was sich ihm hier in jedem Worte aufdrängt, ausrufe: Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist diese Flur, von dem sagt die Schrift, daß er sich gegen sein Leben verschuldet habe."4) Niemals vielleicht hat sich die Wahrheit dieses Ausspruches so sehr bewährt wie in unserer Zeit. Niemals hat sich die kostbarste Perle aller Wissenschaften, die Wissenschaft der Natur, eines solchen Glanzes erfreut, wie in unserem Jahrhundert. Niemals aber war diese Wiffenschaft so materiell einseitig und zugleich so eitel auf ihre Erfolge, wie sie es heute ist. Während im Altetthum das Studium der Natur die Abgötterei lehrte, predigt unsere moderne Naturwissenschaft den Atheismus und preist das sich selbst vernichtende Ergebniß des menschlichen Geistes als eine unserem Jahrhundert Vorbehalten gebliebene Entdeckung. Statt aus der Natur- Gott zu erkennen, verdunkle deren Kenntniß die Erkenntniß des Schöpfers. Ihre Jünger vergessen und verleugnen über die Formen den Bildner, über die Kräfte den Schöpfer, über die Gedanken den Denker. Mit ihren Töpfen, Waagen, Gläsern und Messern stehen die sterblichen Meister kopfschüttelnd da und sprechen: „Nur was wir tasten und schmelzen und wägen und messen, das ist. Wir haben aber geschmolzen, gewogen, gezählt und gemessen und haben den Geist nicht gefunden, die Freiheit nicht gefunden und Gott nicht gefunden; die Folge ergibt sich also von selbst. Wer in einer solchen Zeit injtPDD pDis zu „lernen" aufhört und sich diesem wüsten Treiben in die Arme wirft, der geht seiner Seele verlustig, denn er wird sie leugnen. Selbst aber wenn die Wissenschaft uns Gott nicht raubt, indem sie uns die Natur erschließt, wenn vielmehr jeder Trunk aus dem Gedankenborn der Natur nur den Durst nach der Erkenntniß des Denkers dieser Gedanken vermehren, jedes neu erforschte Gesetz, jedes neu entdeckte Wunder nur die Achtung vor dem Gesetzgeber, die Sehnsucht nach dem Meister erhöhen wird, wenn sogar der große Naturforscher alle Wunder des Himmels und der Erde, der Meere und aller Tiefen zu einem Kranze der Gottesverherrlichung winden wird, immerhin wird doch füglich die Thauroh der kürzeste und sicherste Weg sein, der vom menschlichen Herzen hinaus zum himmlischen Vater führt. Wohl liegen in der Natur und ihren Erscheinungen zahlreiche Hinweise auf das göttliche Walten eines höchsten Wesens, wohl mag der Mensch diese Winke verstehen und zu verwerthen wissen;3) dies Alles aber vermag nicht das heiße Sehnen des menschlichen Geistes zu stillen, reicht nicht hin, den Durst des Geistes zu löschen, dem Menschen volle Klarheit zu geben über sich, sein Leben und seine Zukunft. Mag auch der strahlende Ocean des Sonnensystems in der Meinung Jener den flammenden Sinai überstrahlen, mag auch der glänzende, fternbesäete Himmelsraum die steinernen Gesetzestafeln winzig und unscheinbar erscheinen lassen, mögen beschränkte menschliche Begriffe es immerhin mit der Majestät Gottes unvereinbar halten, daß er sich zum gedrücktesten, hilflosesten Menschenstamme herniedergebeugt und gesprochen habe: Ich bin Gott, dein Gott; — wer wollte, wer könnte es trotzdem leugnen, daß doch nur die Thauroh allein vollkommen das einzige Labsal des menschlichen Gemüthes ist? 1) Schemoth Rabbah Cap. 29. 2) Zefaias Cap. 45. 3) Psalm 19. 4) Pirke Aboth III. 5) bwriD nijn« i'-ivb u«n min ,-unj «b «bob'-r .tj pin «nji’D ninyi ntojo bm

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