Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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in Hamburg, Frankfurt a. M. und Mainz christliche Lehrer unterrichten zu lassen. V: Aecenstonen. -Witt ft o ck, Dr. A. Pädagogische Wanderungen. Cassel und Leipzig 1870. (Luckhardt.) 8O. 246 S. Eines der schönsten Reisehandbücher bietet uns Dr. Wittftock mit seinen „Pädagogischen Wanderungen", das jedoch nicht die besten Hotels mit einem Stern bezeichnet sondern uns angibt, wo wir die Stätten des emsig schaffenden Menschengeistes am Aufbau der Menschheit zu suchen haben. Jeder Lehrer, der die Sommerferien zu einein Ausfluge nach der Schweiz benutzen will, sollte mit vorliegenden: Buche ausgerüstet die Stätten aufsuchen, an welchen der Grundstein zur modernen deutschen Pädagogik gelegt worden ist. Daß der Vers. Neuhof, Jferten und alle die durch Pestalozzi's Lehrthätigkeit berühmten Orte aufsucht und uns beschreibt, daß auch die anderen durch große Lehrer der Schweiz wohlbekannten Plätze nicht unberührt bleiben, ja daß auch die Orle, die in den Freiheitskämpfen der Schweizer eine Ehrenstelle einnehmen, nicht ungenannt bleiben, nimmt uns nicht Wunder- — daß aber der Vers, auch den unscheinbarsten Spuren Pestalozzi's nachgeht und auch Höngg nicht vergißt, ein Dorf, in welchem der Großva- . ter Pestalozzis lebte, den dieser zuweilen hier besuchte: zeigt uns, mit welcher Liebe der Vers, bemüht ist, das ganze Leben P.'s bis in's Kleinste hinein uns vor die Augen zu führen, uns im Geiste an alle die Stätten geleitend, die jener einst betreten hat. — Aus den Pariser Briefen gewinnen wir einen Einblick in das vielfach, namentlich in der Hauptstadt, gut ausgestattetc Schulwesen, das aber an Militarismus, Eitelkeit, Oberflächlichkeit und Nepotismus gegen Oben leidet, und wir daher darin den Schlüssel über den Verfall und das traurig tolle Gebahren unseres Nachbarvolkes haben. Die Geschichte der verschiedenen Unterrichts- und Lehranstalten in Paris ist recht interessant, jedoch vermissen wir in dem Aufsatz über die Taubstummenanstalt in Paris, welcher de Ponse, de Carion und de Castro als die Vorläufer des Abbe de l'Epee nennt, die Nennung des I. Rodr. Pereire, der doch bereits 1745 schon Taubstumme in Frankreich unterrichtete, und somit der unmittelbare practisch thätige Vorgänger des Abbe de l'Epee war, dessen Thätigkeit 1791 begann. Eingehend wird auch das Englische Schulwesen, an dessen Hebung jetzt gearbeitet wird, besprochen. Außer einigen die Schulfrage behandelnden Thema's schließen sich dem Buch noch zwei interessante Skizzen, „Berühmte Kinder" und „Unglückliche Kinder" an. Klencke, Dr. med. Hermann. Schul - Diätetik. Leipzig 1871. (Kummer.) 8°. 235 S. Der verdiente Arzt, der sich durch seine populärmcdicinischen Schriften berühmt und um die Welt verdient gemacht hat, tritt wiederum, besorgt um das Wohl der heramvachsendcu Jugend, mit einer neuen Schrift vor die Oeffentlichkeit, die wir nicht allein Lehrern, sondern auch Eltern auf's Wärmste empfehlen. Die Ansprüche der Neuzeit an den Geist des Kindes fordern zu desto größerer Vorsicht auf, daß der Geist nic^auf Kosten des Körpers sich bereichere, und dieser zu Gunsten jenes verkrüppele. Alle Gefahren, denen das Schulkind ausgesetzt ist, werden eingehend besprochen und das Schulhaus, d:e Schulbank, Schulzeit, Schularbeit, Schulstrafeu u. s. w. u. s. w. einer eingehenden Revision unterworfen. Mit vollen: Recht wird das Verlangen gestellt, daß die Keuutniß des menschlichen Körpers Unterrichtsgegenstand in der Schule werde; denn nur dadurch dringt die Kennrniß desselben in die Familien ein und ermöglicht eine auf gesundheitlicher Basis ruhende Erziehung, die Erziehung eines gesunden, tüchtigen Menschenschlages. Es wird so Vieles gelehrt, was doch nur zum Vergessen da ist, möge man dies dem überaus wichtigen Gegenstände der Gesundheitslehre opfern. Viele Krankheiten und Uebel könnten im Keime erstickt, vielen könnte vorgebeugt werden, wenn die Eltern mit den Elementen der Gesundheitspflege bekannt wären. Auch würden manche Lehrer nicht aus Unwissenheit gegen die Gesundheit der Kinder sündigen, wenn die Gesuudheitslehre mit auf ihrem Prüfungsprogramm stünde, und ihnen in ihrer Vorbereitungszeit Gelegenheit gegeben worden wäre, zu erfahren, welch' schädliche Einflüsse für's ganze Leben z. B. eine mangelhafte oder falsche Beleuchtung, eine schlecht eingerichtete Schulbank, das Stehenlassen in oder vor der Bank, Schläge am Kopf u. s. w. haben können. Der Vers, ist kein Gegner der Leibesstrafe, die vielmehr nach ihm nur „ein überschwänglicher, sentimentaler oder stolzer Humanitätssinn verdammt", aber er weist nach, wie schädlich sie dem Gestraften für's ganze Leben sein, wie sie ihn zum elenden Krüppel machen kann, wenn der Kopf oder irgend ein edlerer Theil zum Platz der Strafe ausersehen wird. Viel, unendlich viel, kann der Lehrer aus dem Buche lernen, wie auch die Eltern einen reichen Schatz von Erfahrung und Wissen aus demselben sich sammeln werden. _ Zuckermandel, R. Anleitung zum grammatikalischen Hebräisch-Lesen. Berlin (Selbstverlag u. Poppelauer's Buchhandlung) 1871. 8°. 22 S. Dieses Büchlein ist für Schüler bestimmt, die bereits Fertigkeit im Hebr.-Lesen erlangt haben und zum richtigen Lesen geführt werden sollen. Die Leseregeln sind faßlich dargestellt, die Anzahl der Hebungen jedoch ist für den Zweck des Buches nicht ausreichend.