Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-05-17 · Heft 20 (17.5.1871) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447519--09382-2465073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

393 Donaufürstenthumer. QQntareft, Ende April. Seil dem 28. April erscheint dahier eine neue Zeitschrift in deutscher Sprache „Rumänische Post," die dem Prospectus der x uns vorliegenden ersten Nummer zufolge die Verthei- .^«gung der Juden sich zur Aufgabe gestellt hat. Wir begrüßen dieselbe mit Vergnügen und wünschen ihr den besten Erfolg. Bezüglich der jüngsten Wahlen zur Kammer schreibt dieselbe: Zum ersten Male nach vielen Jahren haben jetzt die zwei großen Parteien dieses Landes ihren politischen Wahlkampf begonnen, ohne die jüdische Frage in Mitleidenschaft zu ziehen. Dies ist ein sehr erfreuliches Anzeichen und beweist, daß die kämpfenden Gewalten von ernsteren Interessen, von patriotischeren und humaneren Gesichtspunkten geleitet worden. Wir sind überzeugt, daß dieser neue Weg der Parteien, ein größeres Interesse für den Fortschritt unseres Landes im Auslande erwecken und die Hoffnung beleben werde, daß die leitenden Männer nicht länger die Situation ausbeuten dürften, um sich Stellung und persönliche Macht zu verschaffen. Allzulange schon haben wir die kostbaren Privilegien, die herrlichen Wohlthaten, welche die Revolutionen von 48 und 66 hervorgebracht, unnütz vergeudet und verschmäht, anstatt die reichen Hilfsquellen unseres Landes, durch eine höhere patriotische Verwaltung, zu entwickeln und auszunützen. Wahr ist es, daß einige kleine unbedeutende Flugblätter fortfahren, die Leichtgläubigkeit des Volkes auszubeuten, und die Vorurtheile vergangener Jahrhunderte aufrecht zu erhalten; der würdigere Theil unserer Presse jedoch, mißbraucht nicht mehr ihre Spalten, durch Wiederholung der absurden Verläumdungen, welche den finsteren Zeitaltern des Aberglaubens und der Unwissenheit angehören. Grundfalsch ist von Anfang an die Ansicht gewesen, daß irgend eine politische Partei, in dem Lande oder in den Augen der civilistrten Welt, sich erhalten könne, wenn sie von antagonistischen Vorurtheilen gegen ein freies Regime und den Zeitgeist beseelt ist, und viel weniger könnte es ein Mann der Oeffentlichkeit hoffen, sich eine Carriere auf solch unsicherer Basis zu gründen. — Vorübergehende Popularität könnte allerdings damit gewonnen werden, doch würbe der Betrüger früher oder später demaskirt werden und sein Fall ebenso schmählich sein, als es die Mittel gewesen sind, durch die er sich zu erheben gedachte. Die Staatsmänner Rumäniens, welche dieser Ansicht huldigend einen neuen Kampfplan aufnehmen, werden sich um das Land verdient und auf die Achtung anderer Länder Anspruch machen könne», wenn sie in diesem Wege beharrend, unsere Gesetzgebung so ausbilden, daß die Principien der Gerechtigkeit und Humanität practisch angewendet werden, was gewiß die Entwicklung der wahren Quellen nationalen Reichthums und politische Stärke zur Folge haben wird. Wir bitten unsere Brüder, die Journalisten anderer Länder, ihr Urtheil über die kritische Situation unseres Landes, solange zu verzögern, bis wir diejenigen Maßregeln durchgeführt haben, die uns den Interessen unseres Landes am meisten förderlich scheinen. Die Zeit soll es beweisen, ob wir unsere eigene Krisis richtig beurlheilt haben, und ob wir der Aufgabe dieselbe zu lösen und unsere llnabhängigkeit zu erhalten und zu perpetuiren, gewachsen waren. Kaum war die Tinte t mit welcher das Vorstehende geschrieben, getrocknet, als uns die „Trompetta" von gestern zukam, enthaltend den folgenden Artikel, ben wir deßhalb reproduciren, weil das Blatt eines der bedeutendsten im Lande ist. — Obschon wir der darin vorkommenden Enthüllung, betreffs einer vom gegenwärtigen Ministerium getroffenen Maßregel, keinen Glauben beimessen können, so drängt es uns doch genau zu erfahren, inwieferne dieselbe der Wahrheit entspricht: „Je größer die Schwierigkeiten, schreibt das genannte Blatt, sind, um eine gute Thal zu vollbringen, desto verdienstvoller sind diejenigen, die das Gute thun „Seit Jahren klagen wir über die Invasion der Juden in Rumänien, die Klagen sind und wurden von allen Seiten vorgebracht, alle beschwerten sich; die Regie-, rungen folgten auf einander, seitdem die Macht in den Händen Rosetti's und Bratiano's war, die gewiß in Einverftändniß mitCremieux und feinem Bruder Levy (?), die Pässe aufgehoben und die großen Thore des Landes diesem schrecklichen Strome geöffnet haben; und dies geschah gerade, als die Judenschaft, verjagt (?) aus den Nachbarstaaten , und selbst aus Böhmen und Deutschland, überall ein Land ohne Schutz, ein wüstes für Schmutz geeignetes Land suchten, und dieser Ort war Rumänien. „Es ist nicht mehr zu leugnen, daß seit jener Zeit unglückseligen Andenkens die Zahl der Juden in Rumänien sich mindestens verdoppelt hat. „Die rumänische Presse hat ihre Pflicht vollständig erfüllt, sie schrie so laut sie konnte. Mehrere Depütirte, selbst Senatoren, haben ihre Stimmen erhoben und das Uebel von allen Seiten beleuchtet; mehrere Minister haben sich besonders mit der Abhüfe, wenn nicht mit der Ausrottung des Nebels beschäftigt. „Alles war vergebens! Man sagte, daß dieser oder jener Consul dagegen pwtestire. Man sprach uns von Conventionen, ja selbst von Verttägen, man sagte uns, daß keine Maßregel hinreiche, um der Invasion der Juden in Rumänien ein Ende zu machen. „Und Jedermann begreift, daß wenn es sich um die Heilung einer verpesteten Krankheit handelt, man zuerst die Quellen, die sie nähren, verstopfen muß, um

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.