Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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392 sich dafür ausgeben, selbst wenn sie es möchten, und fürchten darum den Splitter in dem Auge des Zweiten und Dritten, wegen des Balkens in dem eigenen zu rügen. - Das traurige Thema ist leider nicht in einem Briefe zu erschöpfen, und sehe ich mich deshalb i genöthigt. in meinem nächsten Briefe n"\v darin fort-! zufahren.! Stettin, 12. Mai. Bon den (durch Vermittelung des Rabbiner Treuenfels bier) nach Frankreich gesendeten isr. Feldgeistlichen hat der der ersten Armee zugewiesene vr. Blumenstein aus Mannheim das eiserne Kreuz zweiter Ctasse am weiß-schwarzen Bande erhalten. Oesterreichisch-Ungarmsche Monarchie. ZBien. Seitdem die hiesige orthodoxe Partei eine so energische Thätigkeit gegen die synodalen Reform-Prosecte der Cultns-Gemeinde entwickelt, zeigt sich Herr vr. Jellinek bei seinen Predigten um so offener in seiner wahren Gestalt, und indem er ungeicheut in radikaler Weise gegen den alt jüdischen Ritus auftritt, zeigt er, daß er in eigener Person die Seele dieser verwerflichen neologeil Strebungen sei. So nahm er in seiner letzten Rede zum Texte eine Stelle aus einem früheren WochenabschniNel crun mpro\ woran er seine neuzeitlichen Ideen knüpfte. Die russische Regierung wird sich gewiß beeilen, Herrn Br. I. eine Dankadresse oder gar einen Orden zu senden ftir die nagelneuen, erst von ihm gefundenen Gedanken, daß die Juden nur die Sitten der Heiden im Alterthum nicht nachahmen dürften, die heutigen Israeliten aber die entgegengesetzte Pflicht hätten, sich nicht von der Umgebung zu isolircn, sondern den andersgläubigen Völkern auf jede mögliche Weise sich brüderlich zu nähern und die unterscheidende Tracht, wie auch den kennzeichnenden Bart und Haarwuchs, welches Alles in den finsteren Zeiten des Mittelalters den Juden aufgedrängt wurde, zu entfernen. Nach Herrn vr. Jellinek's Ansicht wären heutzutage n-.nrn w., Verbote, die, wie er meint, nur dazu dienten, den Juden von den heidnischen Völkern zu seinem Wohle abzuschließen, ohne Weiteres aufgehoben. Auch die Speifegesetze, die ja so hinderlich sind der nationalen Verbrüderung, die Ehegesetze u. s. w., müßteu modisicirt, resp. abgeschafft werden. Die Bonvivants werden für solche Licenz schon dankbar sein, und Herr l)r. I. würde sich viele Verdienste nur diese Leute erwerben, die nur auf seine Erlanbniß und Genehmigung ihres irreligiösen Lebenswandels warten, mit ihr zu Zeiten erwachendes Gewissen einigermaßen zu beschwichtigen. O, wie weit würde es unter solcher seelsorgerischen Leitung mit dem echten Judenthum kommen, und wären unsere frommen Vorfahren zu Zeiten des Druckes oder auch in freiheitlichen Perioden nur halb so nachgiebig gewesen, als man es heute zu sein gestattet, wahrlich, unsere heilige Religion wäre schon fast zur Unkenntlichkeit entstellt. Und damit dies, Gott behüte, auch in der Folge nicht geschehe, mögen sich die wahrhaften Jehudim unter dem Banner der Thora zusammenschaaren und mit vereinten i Kräften solchen judenfeindlichen Tendenzen entgegenarbei- ' ten. Unter dem göttlichen Beistände kann der Sieg! unserer Partei nicht ausbleibcn. Wien, 16. April. Das von Rothschild in Währing gegründete Jsraeliten-Spital auf 120 Betten wird im Herbst d. I. noch fertig und im nächsten Frühjahr schon zu belegen fein. - Das Nothspital im Bezirk >/ Leopoldstadt auf 60 Betten in Sälen wird am Mon» tag eröffnet werden. Die israelitische Cultusgemeinde hat einen Penslünsfonds für ihre Beamten und Diener gegründet, und zu diesem Zwecke eine Summe von 100,000 fl. votirt. — Auf Anregung des Herrn F. Jeiteles ist zur Gründung eines Vereins für Versorgung und Unterstützung von hier wohnenden israelitischen Wittwen im Zuge. Die Herren Jos. Bachrach, Med. Dr. Joseph Breuer, Moritz Dub, Rudolf Goldschneider, David Gutmann, Moses Hirschl, Dr. Angelo Kuh, Jakob Kuffner in Döbling. Mar Manthner, Siegmund Pappenheim, Moritz Pollak, Paul Schiff, Gottl. Schwab, Moritz Winternitz, haben ihren Beitritt als Gründer bereits zugesagt, andere Wohlthäter werden noch erwartet. Preßburg Einzelne Wiener Israeliten, die am verflossenen Sabbat ihre Verwandten in Preßburg besuchten, oder sonst in Privatangelegenheiten daselbst zu thun hatten, waren mit gerechtem Staunen erfüllt, daß in ganz Preßburg kein Fleisch tzo zu bekommen war, was um so mehr zu verwundern ist, da die Gemeinde selbst den Fleiichverkauf auf eigene Rechnung führen läßt. Selbstverständlich erwachsen aus einer solchen Nachlässigkeit mancherlei Uebelstände und entstehen viele '’~eod in Häutern, die durchaus Fleisch benöthigen oder solches haben wollen. Es scheint auch diese Unterlassung des rechlzeitigen Schlachtens ihren Grund in einer Jntrigue zu haben, die von gewisser Seite zu dem Zwecke inaugurirt wurde, damit von auswärts Fleisch importirt werden könnte, indem man nolens volens gleichsam darauf angewiesen wäre. Es sollte dies näher untersucht werden, damit man den Schuldtragenden die gebührende Strafe ertheile und für die Zukunft solche Unzukömmlichkeiten vermieden werden. Das Rabbinat trägt gewiß keine Schuld an so ungebührlichen Vorkomtnnissen. Nicht minder verdient gerügt zu werden der elende Zustand der n-pc, die, wie Augenzeugen versichern, einem anständigen Menschen den Besuch ordentlich verleiden kann, und das innere und äußere Aussehen dieser rituellen Anstalt ist danach angethan. Viele von nP'DD abzuhalten. Es ist dies sicherlich einer so großen, achtbaren und mit Recht angesehenen Gemeinde unwürdig, und sollte der Vorstand keine Kosten scheuen, diese schlechren Einrichtungen zu verbeffern.