Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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389 Einbegleitung" versprochen wurde. Indessen bestätigte das Obergericht Herrn Kofiewic's weises Urtheit, und ein Gnadengesuch Auerbach's wurde einfach abgewiesen. Er war daher gezwungen, die außerordentliche Berufung zu ergreifen, und die Sache ist nun bei dem hiesigen obersten Gerichtshöfe anhängig. Und nun die Hauptsache! Auerbach mußte seine Strafe antreten, ist dadurch aller seiner Aemter und Würden verlustig geworden und muß den Makel an seiner Ehre dulden, weil er — gut durchgeprügelt worden. Rußland. Petersburg. Eine prachtvolle Synagoge soll dahier erbaut werden. Die Kosten sind auf 250,000 Rubel veranschlagt. In einer jüngst stattgehabten Versammlung wurden für diesen »Zweck 170,000 Rubel gezeichnet. Banquier Ginsburg hat versprochen, 70,000 Rubel dazu zu geben. Feuilleton. Jur rechten Zeit. x. Die Flucht. „ Ich werde Euch einschließen," sagte der Haushofmeister, „und werde melden, daß Alles vorüber. Um Mitternacht, wann sämmtliche Bewohner des Schlosses zur Ruhe gegangen sein werden, komme ich wieder, nur Euch ins Freie zu lassen! Aber das Kind könnt Ihr nicht mitnehmen in die rauhe Winternacht; es würde erfrieren. Gebt mir das Kind; ich bringe es meiner Alten; die mag es diese Nacht beherbergen; später werde ich es zu Euren Glaubensgenossen bringen; und wenn Ihr eine Ruhestatt gesunden, so sendet einen Boten, der das Kind hole." Mirjam küßte ihr Kind; Nathan segnete es. Dann nahm es Gericke und trug es fort, die Thüre hinter sich verschließend. Unter Zagen und Bangen vergingen den Eingeschlossenen die Stunden bis Mitternacht. Endlich vernahmen sie Gericke's Tritte; die Thüre ging auf und der Haushofmeister trat herein. Er brachte ihnen Kleider, wie sie gewöhnliche Bürgersleute zu tragen pflegen; er brachte einen falschen Bart für Nathan, um ihn unkenntlich zu machen. Dann führte er sie hinaus aus dem Schlosse. Am Schloßthore rief die Wache ihn an. „Ich bin's," antwortete Gericke, „der Haushofmeister; mein Vetter, Fritz Grüter und sein Weib, haben mich besucht, und kehren jetzt in die Stadt zurück. Wir haben uns bei einem Gtase Wein ein wenig verspätet." Der Soldat hatte nichts einzuwenden. Aus dem Schloßgarten führte ein Weg ins Gebirge; bis zu diesem geleiteten Hans die von ihm Geretteten. „Lebt wohl, Hans," sagte Nathan, „ich werde Euch ewig dankbar fein. Gott wird Euch und uns beschützen. Ihr sollt sehen, es wird Euch nichts Böses aus Eurer Gutthat erwachsen!" „„Das gebe Gott. Und nun lebt wohl!"" „Lebt wohl, Herr' Haushofmeister," sagte Mirjam, „habet Dank und traget Sorge für mein Kind!" Hans kehrte ins Schloß zurück und die beide» Wanderer schritten aufwärts, dem Gebirge zu. Natha» kannte den Weg genau; wenn sie tapfer ausschritten, so konnten sie bis Tagesanbruch die Grenze des Ländchens überschreiten, und dann waren sie geborgen. Es war eine kalte Januarnacht. Am blauen Himmel funkelte der Sterne unzählige Schaar, und gerade ging die im Abuehmen begriffene Mondsichel auf. Der Schnee, der so hoch lag, knisterte unter den Füßen der beiden Wanderer; kalt und rauh wehte der Nordwind im Gebirge; sie fühlten es nicht; sie hatten nur den einen Wunsch, der Gefahr sobald als möglich zu entkommen. Nach einer Stunde eifrigen Steigens hatten sie eine Höhe erreicht, von der aus man die Gegend weit und breit zu überschauen vermochte. Die Gatten standen still, um ein wenig auszuruhen. Sie wandten ihre Blicke dem Thale zu, aus dem sie emporgestiegen waren. Zu ihren Füßen lag das Städtchen Hohenburg und das stolze Schloß mit seinem hochragenden Thurme; das Haus, das noch vor wenigen Stunden ihr Eigenthum gewesen, konnten sie ganz deutlich erblicken; die Fenster desselben sttahlten hell den Mondenschein wieder. „Ach," seufzte Nathan, „so ist denn Alles verloren, was ich mtt so vieler Mühe und Anstrengung errungen habe! So muß ich denn den Kampf des Lebens aufs Neue beginnen!" „Geliebter Mann," ttöstete Mirjam, „laß uns Gott danken, daß wir und unser Kind aus Todesgefahr gerettet sind. In Bezug auf das Andere laß uns sprechen: Gott hats gegeben, Gott hats genommen, der Name Gottes sei gepriesen." „Er fei gepriesen! Du hast Recht, gutes Weib, uud Gott kaun uns bald wieder geben, was Er uns genommen hat. Doch jetzt laß uns weiter gehen, den Berg hinunter, da geht's leichter." Und sie schritten den Berg hinunter. „Solch eine Nacht wars," Hub Nathan beim Hinunterschreiten zu reden an, „da ich als Kind mit meinem seligen.