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Der Israelit · 1871-05-17 · Heft 20 (17.5.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3S6 Lach schon seit einer langen Reihe von Jahren als Gemeinderath, Bezirksrath und allgemein geachteter Bürger. Er hat es sogar schon so weit gebracht, daß er in den Landtag gewählt wurde. Auerbach lehnte die Wahl jedoch ab, weil er sich der Thätigkeit als Abgeordneter nicht gewachsen fühlte. Im Laufe der Zeit ging der Bezirksrichter von Husiatyn David Aneibach an, er möge seinen Einfluß anfwenden, daß nicht nur der Bezirksrichter, sondern auch der Adjunkt, der befreundete Bezirkswundarzt, ja sogar auch der Amtsdiener von Husiatyn in den Gemeinderath gewählt werden. Welche Gründe David Auerbach hatte, dem Ansinnen des Herrn Bezirksrichters nicht nachzukomnien, werde hier nicht erörtert, es sei nur gesagt, daß David Auerbach allen seinen Einfluß aufwendete, damit die genannten Herren nicht gewählt würden, und — sie wurden nicht gewählt! Seit jener Zeit standen die „Beamten", welche in kleinen Städten bekanntlich kerne kleine Rolle spielen, mit Auerbach in arger Feindschaft. „Der Jud" war ihnen ein Dorn im Äuge, und man gab ihm dies auch lÄhaft zu erkennen. In die Wohnung Auerbach's brachen Diebe ein und stahlen ihm Silbcrgeräthe um tausend Gulden. Auerbach lief zum Gerichte, machte die Anzeige, nannte sogar zwei dieses Diebstahls verdächtige Personen — umsonst: lange Zeit ließ sich kein Richter blicken, und es wurde nicht eünnat der Thatbestand erhoben. Auerbach blieb rechtlos, und das Gericht ließ das Krumme hübsch gerade geben. Allein damit war David Anerbach noch nichts geschoben. Er batte zwar keine Silbcrgeräthe, aber immer noch seine Ehrenstellen und seinen Einfluß in der Genieinde. Dies Alles ging ihm jedoch auch verloren, und zwar auf folgende, nicht sehr einfache Weise. Am 8. August, an einem heißen Tage, wollte David Auerbach's Schwiegersohn, Nathan Meller, sich in den Wellen des Zbrucflnsses abkühlen. Als er in die Nähe des Badeortes kam, hörte er Lachen und Schreien von Badenden und das Rauschen des Wassers und er schwelgte schon in dem Gedanken, sich baldigst einem sybaritischen Genüsse hingeben zu können. Um den Weg bis zum Badeorte abzuschneiden, gin^ er durch den offen stehenden Garten des Müllers Pavinsky, war jedoch erst ans dem halben Wege, als ein Stein gegen seinen Kopf geflogen kanl und ihn verwundete. Aufschreiend vor Schmerz griff Meller an seinen Kopf: in diesem Augenblick traf ihn ein zweiter Stein so unglücklich, daß der Mann halb ohnmächtig zu Boden sank. Doch nicht genug an dem. Die Müllersfrau Antonina Pavinska, mit einem Knittel bewaffnet, stürzte wie eiue Furie herbei und hieb unbarmherzig auf den armen Meller los. Auf den Hilferuf des Geschlagenen eilten viele Leute herbei, die sich in zwei Lager, Juden und Christen, theilten. Die Kriegserklärung war sogleich abgegeben und es begann eine ganz anständige Rauferei, wobei die Amazone nicht ungefchont blieb. In diesem Augenblicke stürzte David Anerbach, der von der Prügelei gehört, herbei, um seinem schwer beleidigten Schwiegersöhne Hilse zu leisten. Es versperrte ihm aber der Vater der Pavinska, der alte August Friedrich Melchert, den Weg. „Laß mich hin zu meinem Sohn!" schrie Anerbach schier athemlos. Als Antwort erhielt er aber von Melchert einen Schlag mit dem Stock. Ergrimmt griff Auerbach seinen Angreifer an bcn Bart, dieser that dasselbe und die Alten zerrten sich gegenseitig, was wohl zunk Lachen, wenn es nicht so traurig gewesen wäre.; Einmal mußte doch die Prügelei ihr Ende nehmen. Die Partei der Pavinska unterlag und die beiden verwundeten Juden wurden weinend vor Schmerz uack Hanse geführt. Nicht genug daran, daß Auerbach und Meller geprügelt waren, strengten Antonina Pavinska und der alte Melchert gegen die beiden Erstgenannten auch noch eine Klage bei dem Bezirksgericht in Husiatyn an, was mit einer Gegenklage von Seite Auerbach's und Melkers Der Herr Gerichtsadjunkt Kosiewic leitete die Verhandlung mit wenig rühmcnswerther Virtuosität. Erließ die „Thora" kommen, worauf die Juden, die vordem Eide bekanntlich einen gewaltigen Respect haben, schwören sollten, brachte dieselben dadurch in Aufregung und stellte dann die Fragen; sie waren für Auerbach und Meller nicht besonders günstig. Der alte Melchert sagte aus, daß Anerbach gerufen' habe: „Schlagt's Kinder! Ich verantwort' Alles!" Darauf sei zugeschlagen worden. Wer geschlagen habe, „wußte" Melchert nicht, trotzdem er Einwohner von Husiatyn ist und trotzdem es doch bekannt ist, daß in kleinen Städten die Einwohner einander nicht fremd sind. Er nannte nur einen Mann, der ihn geschlagen haben sott, selbstverständlich - Auerbach. Antonina Pavinska gestand, sie habe Meller geschimpft und „nur mit einer Erdscholle" verwundet. Doch cs ist nebensächlich, wie die Verhandlung geführt wurde. . Viel merkwürdiger als die Verhandlung war das Urtheil! Die beiden verwundeten und jämmerlich dnrchgeprügelten Juden wurden, obwohl an der Amazone äußerlich keine Beschädigung wahrgenonunen wurde, wegen leichter körperlicher Verletzung, die Pavinska und Melchert dagegen, obwohl viele Zengen sagen, daß Meller blutig geschlagen war, nur wegen Ehrenbeleidigung verurtheilt! Daß der Herr Bezirksrichter ahnen mochte, es sei während der Verhandlung nicht ganz korrett vorgegangen worden, beweist, daß er Auerbach ersucht habe, er solle in seinem Rekurse nichts über die Vorgänge während der Verhandlung Vorbringen, wofür die „freundliche

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