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Der Israelit · 1871-05-17 · Heft 20 (17.5.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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387 maligen Lieutenant Grafen B. gelang es, sich das Herz der schönen Rosa zu erwerben. — Nicht lange jedoch | konnte das Verhältnis dieser jungen Leute den Eltern j Geheimnis bleiben. i Sie untersagten ihrem Kinde jeden weiteren Verkehr mit dem Offiziere. und selbst als dieser um die | Hand des Mädchens anhielt, ward ihm aus konfessionel- > len Rücksichten eine abschlägige Antwort zu Theil. Um nun die Versuchung von dem unerfahrenen Mädchen iernezuhatten, sollte selbe auf kurze Zeit zu einer entfernt wohnenden Verwandten reisen. — Wer beschreibt jedoch den Schmerz der Eltern, als am Tage der projectirten Abreise das Mädchen sowohl, als auch der Gras aus T. verschwunden waren. — Alle Nachforschungen nach der Entflohenen blieben vergeblich. Auf eine Auflage der betrübten Eltern bei dem Kommandanten des Regiments, dem Graf B. angehörte, brachten sie in Erfahrung, daß derselbe den Dienst quittirt habe und abgereist sei. Inzwischen war Rosa mit dem Grafen nach Wien angekommen und trat auf dessen ausdrücklichen Wunsch auch sofort zum Christenchume über. Nun verlebte das Mädchen schöne Tage; umgeben von allem Luxus harrte sie dem Augenblicke entgegen, der sie vor dem Traualtäre zur Gräfin machen sollte, denn B. hatte die Hochzeit für die allernächste Zelt in Aussicht gestellt. Angeblich vorher noch Einiges init seiner Familie ordnen zu müssen, nahm er auf kurze Zeit Abschied von ihr. Man denke sich aber die Enttäuschung, den Schmerz der Unglücklichen, als ihr seitens des Grafen aus Italien die Mittheilung gemacht wurde, daß er sich mit der Fürstin St. I. vermählt habe, und sie also nun von ihm nichts mehr zu erwarten hätte. Die schrecklrche Entdeckung warf das arme Mädchen auf das Krankenlager, auf dem es auch', um das Unglück voll zu machen, einem Kinde das Leben gab. Die Krankheit hatte die Ersparnisse der Unglücklichen rasch aufgezehrt und als sie genesen, stand sie körperlich schwach und von allen Mitteln entblößt mit ihrem Kinde als Bettlerin da. — Vergangene Woche nun war in den hiesigen Blättern zu lesen, daß ein ärmlich gekleidetes Frauenzimmer von der Aspernbrücke tu die Donau gesprungen und spurlos in den Wellen verschwunden ist. Die arme Rosa war es, die ihrem verfehlten Leben ein so rasches Ende gemacht! Was mit dem Kinde geschehen, konnten wir nicht erfahren, doch ist zu befürchten, daß da noch ein zweites entsetzliches Verbrechen geschehen. Wie«. Der soeben ausgegebene 17. Jahresbericht des allgerneiven österr. israel. Taubstummen-Jnstituts für 1869/70 constalirt neben den ersprießlichen Leistungen und ausgezeichneten pädagogischen Erfolgen dieser Anstalt der bedauernswerthe Thatsache, daß die Einnahmen zu den sich steigenden Ausgaben im argen Mißverhältnisse stehen, und daß nur außerordentliche Acte der Munisicenz einem bedenklichen Deficite für das abgelausene Jahr vorzubeugen vermochten. „Mit Wehmuth", heißt es in dem Berichte des Vorstandes, „gedenken wir der viele« Bewerbungen unglücklicher Kinder, die wir aus Mangel an Subsivien abweisen mußten, ohne uns mit dem Gedanken trösten zu können, daß andere mitstrebende Wohlthatigkeits-Anftatten die unsriae zu vertreten im Stande sein würden. Der heischende Arme, Hungrige, Nackte, Obdachlose, oder wer sonst noch au die Barmherzigkeit appellin, mag von dem einen Vereine abgewiesen, bei einer andern milden Bruderschaft Entschädigung und Ersatz finden. Aber der Taubstumme, der Aermste unter den Armen, der nicht physische Verpflegung verlangt, sondern Erlösung aus dem verthierten Zustande, Erhebung und Erziehung für die bürgerliche Gesellschaft, der gewissermaßen seiner Menschenwerdung begehrt, kann, wenn unsere Mittel nicht mehr ausreichen, ihn dem januneroollen Zustarde zu entreißen, durch keine weitere Almosenspende dem Elende entzogen werden." Der Vorstand richtet daher an alle Menschenfreunde die Bitte, der Anstatt ihre Theitnahme zuzuwenden, eine Bitte, die sicherlich nicht umsonst ausgesprochen sein wird; — von den der Anstatt im verflossenen Jahre zugeflossenen Spenden sind namentlich zu erwähnen: Die Zuweisung von 500 fl. durch den Statthalter Baron Weber jaus dem Legate des Hofraths v. P f l üg e l in Linz, welcher 4090 fl. zur Unterstützung wohltätiger Lehranstalten ohne Unterschied der Confession testirte); die Gründung eines Stiftsplatzes durch Frau Wauda Weiß (7209 fl.); die Spende des Directors der Anstatt, Herrn kaiserlichen Raths Joel Deutsch, aus Anlaß seines 25jährigen Amtsjubiläums per 500 fl. und die Spende der Ersten österreichischen Sparkasse per 100 fl. — Die Einnahme im abgelaufenen Jahre betrugen im Ganzen 36,097 fl. darunter: Jahresbeiträge 6039 fl.; von zahlenden Zöglingen 9099 fl., aus dem ungarisch-israelitischen Schulfonds für 20 Stipendisten 4200 fl., aus dem mährisch-jüdischen Landes-Maffefonds 1170 fl., (Spenden 3608 fl., Ertragnis der Vorstellung im Carltheater 5526 fl. Die Ausgaben beliefen sich im Ganzen auf 30,653 fl. — Die Anstatt zähl^im abgelaufenen Jahre 89 Zöglinge, 63 Knaben und 26 Mädchen; darunter waren 26, die Stiftungsplätze genossen, 8 Zöglinge, welche den ganzen Verpflegsbetrag, 8, welche die Hälfte, 21, welche theilweise Vergütung leisteten und 26 welche ganz unentgeltlich verpflegt wurden. — Der Vorstand besteht derzeit aus den Damen: Julie Schlesinger, M. Schnapper, Gab. v. Wertheimstein, Fanny von Hofmannsthal und aus den Herren: vr. Ignatz von Hofmannsthal, Friedrich von Boschan, Joseph Hieldburghäuser, Sigmund Frankel, vr. Mosenthal, Alfred Tauber, Max Theodor Schiff. Lemberg. In Husiatyn, einer Stadt an der russischen Grenze, lebt der Handelsmann David Auer-

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