Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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richtig man fand — da das periculum in mora zur Eile trieb — einen Ausweg. Wir eröffnen die Anstalt und stellen „provisorisch" zwei billige Lehrer für die unteren Abteilungen an. Der von der Commission entworfene Lehrplan, der auch s. Z. von den d'bun sn genehmigt worden war, wurde jetzt den Lehrkräften entsprechend geändert. Schon verkündeten die Zeitungen der staunenden Welt, daß am April die jüd. Facultät eröffnet werde. Als gälte es ein neues Düppel zu nehmen, in solchem Sturmschritt folgte rasch Entschluß nach Entschluß. Es ward — wohl pro forma noch eine D’ifiON 'ti Sitzung berufen und gab man sich der Hoffnung hin, daß Alles schnell erledigt würde und — frohlocke Berlin — eine Facultät — Rabbinerschule, ist fix und fertig. So rasch ging es aber doch nicht. Dies Achtzehn- Manner-Collegium war nicht so stürmisch, sondern „kühl bis an's Herz hinan". Nur hübsch nüchtern geblieben in den ernsten Räumen des o“n3; überstürzen wir uns nicht. Da soll's eine sehr lebhafte Debatte gegeben haben, Reden haben sie gehalten und dem Vorstand klar zu machen gesucht, 1) daß er nicht das Recht habe, auf eigene Faust Lehrer — und wenn auch nur provisorisch — anzustellen, und 2) den von ihnen (d’;mn '’□) festgestellten Lehrplan zu ändern. Man protestirte dagegen, mit provisorischen Lchrern an die Oeffentlichkeit zu treten. Entweder — oder — hieß es. „Halbheiten sind vom Uebel." Dem Vorstande resp. Referenten schwand der Boden unter den Füßen. Es ist keine Kleinigkeit für einen Vorstand, zwei Lehrer zu engagiren und dann post favturn vordemonftrirt zu hören: „Du hast kein Recht dazu;" „wir sind keine Puppen;" „deine Lehrer genügen uns nicht," „genügen den Schülern nicht". Wie muß dem Vorstand es nahe gegangen sein, durch seine Voreiligkeit die Veranlassung gegeben zu haben, daß ehrenhafte Männer dem Urtheil Vieler bloßgestellt werden — das ist wahrhaftig nichts Geringes. Jndeß — es kam zur Abstimmung uno der Anttag des Vorstandes — fiel durch. Der Vorstand, der daraus eine Cabinetsftage «n miniature gemacht hatte, legte sein Mandat nieder, nahm jedoch auf das einstimmige Bitten der D'eon '’n wieder an. Hoffen wir, daß er aus den gemachten Erfahrungen Nutzen ziehe. Es wurde noch eine Commission von 5 Mitglredern ernannt, die im Verein mit dem Vorstand eine entsprechende Lehrkraft zu gewinnen suche. Es stehen, wie wir hören, drei Kandidaten auf der Liste, von denen zwei den Ruf bewährter Pädagogen, tüchtiger Gelehrter und aufrichtiger Religiösität genießen, und ist anzunehmen, daß sie dem Rufe Folge leisten werden. Die Eröffnung der Anstalt, die hoffentlich den Namen Facultät ablegt und damit auch das Princip, daß die Lehrer einander beigeordnet seien, soll bis auf October verschoben worden sein und können wir den Wunsch nicht unterdrücken, daß es endlich dem o"m gelingen möge, sich zu einem Institute herauszuarbeiten, das zeitgemäß den Anforderungen echt jüdisch er Wissenschaft genüge, ein Segen werde für Berlin, für die Judenheit überhaupt. Die Anstalt kann aber nur lebensfähig sein, wenn ein Director ihr vorsteht, der ein aufrichtiger Jehudi, tüchtiger pob und wissenschaftlich gebildeter Mann sei. Wenn das D"ro und sein Vorstand sich zu unserer Fahne bekennen, so kann dieser Mann nur in Dr. Hildesheimer gefunden werden. Elsaß. Aus Straßburg kömmt uns (in französischer Sprache) ein Rechenschaftsbericht des dortigen Wohlthä- / tigkeits - Comite's zu, aus dem wir das Wichtigste hier ' mittheilen. Die zur Unterstützung der Nothleidenden in Straßburg eingegangenen Spenden beliefen sich auf beinahe 15,000 Frcs., zu denen das ComitL noch 5000 Frcs. hinzufügte, so daß im Ganzen nahezu 20,000 Frcs. zur Vertheilung kamen. Die größte Spende ist die Sammlung des „Hamagid" (Rabbiner Silbermann in Lyk) im Betrage von über 3000 Frcs., die zweitgrößte die durch Vermittelung des Herrn Joseph Mayer in Mainz eingegangene im Bettage von 2347^ Frcs., die drittgrößte unsere Sammlung (Redaction des „Israelit") im Betrage von 1451 Frcs. 95 Ct. Unterstützt wurden 56 Opfer des Bombardements i n Straßburg und 9autzerhalb der Stadt; außerdem Soldaten, Gefangene und Verwundete. Die in Folge des Bombardements Verarmten erhielten während des Winters wöchentliche Unterstützungen; ebenso für das Peßachfest Mazzoth, Fleisch und Wein. Mögen die Segnungen des Friedens den zerrütteten Wohlstand bald wieder Herstellen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. In dem kleinen galizischen Städtchen T. lebt eine jüdische Familie, die, wiewohl oft mit Nahrungssorgen kämpfend, doch sich ein Schärflein aufaespart, um ihrem einzigen Kinde, einem allerliebsten Mädchen, eine anständige Erziehung zu geben, in dieser Hmsicht wenigstens einer glücklichen Zukunft vorzuarbeiten. Und in der That schien es, als sollte es der Aufopferung der Eltern die herrlichsten Früchte tragen, denn reich begabt mit allen geistigen und körperlichen Vorzügen, entfaltete sich die kleine Rosa zur stattlichen Jungftau. — Da kam das unheilvolle Jahr 1866. Der Krieg war zu Ende und das Militär bezog seine Garnisonen. Auch T. wurde mit einer Schwadron Hußaren beglückt, und neues, bisher nicht gekanntes Leben zog mit ein in die sonst so ruhige Stadt. — Daß die damals 18 Jahre zählende Rosa den Offizieren nicht lange verborgen blieb, braucht wohl kaum erst erwähnt zu werden, ebensowenig daß sie auch bald der vielumworbene Gegenstand der Neigung derselben wurde. Aber nur Einem, dem da-