Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Judenthume bringen, sind schlimmer als die des Mittelalters. Aber der allmächtige Gott, der unsere Vorfahren vom Scheiterhaufen rettete, er wird auch die Anschläge der D'D-t'psto c*ye aus Israels eigener Mitte vernichten. unrv •.rnt'x no1 , Er wird kommen unser Gott und nicht dazu schweigen! (Psalm 50, V. 3) Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen, Deutschland. *A Berlin, 5. Mai. Vielleicht ist zu lange rn diesem gesch. Blatte ein Gegenstand unerörtert geblieben, der schon in verschiedenen Zeitschriften besprochen worden. Gestattelt Sie es mir, geehrter Herr Redacteur, in Kürze das nachzuholen, was zu berichten schon längst Pflicht Ihres Berichterstatters gewesen wäre. Ich meine nämlich die Erweiterung des Bet-Hamidrasch zu einer Rabbinerschule oder wie man es nennen wollte, zu einer jüd. Facultät. Als die Idee auftauchte, hatten wir sofort die Absicht, unsere Ansicht auszusprechen Ultd hielten nur an uns, weil wir die ganze Sache noch nicht für reis hielten, von der Presse besprochen zu werden, und weil wir nicht gerne von Plänen und Entwürfen reden, an deren Ausführung wir nicht glauben. Fast schielt es, als ob unsere Verntuthtlng sich als falsch Herausstellen sollte, — ja sollte! Weit tiefem Bedauern registiren wir jedoch, daß wir richtig präjudicirt. Erzählen wir den Hergang. Nach dem Ableben des Rabbi M. Landsberger ward durch die besonderen Bemühungen des jetzigen Bet-Hamidrasch-Vorstandes Herr Zomber am c"r.3 angestellt. Bald darauf stichle der Vorstand, um eine Erweiterung des o"r<2 zu ermöglichen, mit anerkennungswerthem Eifer die dazu erforderlichen Mittel zu erwerben. Es scheint, daß er hierin zu einem relativ günstigen Resultate gekommen; denn eine Commission von Fachmännern ward zusammenberufen, imt einen Lehrplan auszuarbeiten. Die Commission hat getagt, dem Ergebnisse ihrer Sitzungen aber kann man nicht nachnihmen, daß es sich des Beifalls erfreuen könne. Vor Allem war es uns unbegreiflich, daß man an die Spitze dieses „Planes" stellte: „alle Lehrer der jüd. Facultät sind einander coordinirt". Nach tinserer unmaßgeblichen Meinung ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist nicht unsere Absicht, näher aus diesen Gegenstand einzugehen; aber das sieht doch Jedermann ein, daß die Leitung einer Rabbinerschule nicht Kaufleuten anvertraut werden kann. Lehrer der verschiedensten religiösen Richtung könnten möglicherweise, je nach dem religiösen Standpunkte des c"n:> Vorstandes und der “’n, berufen werden neben einanderzu lehren rc. Doch wir verlieren den Faden, kehren wir zurück. Der Plan setzte ferner fest, daß Jeder, der in die Facultät tritt, deutsch lesen und schreiben können muß und dergleichen Dinge mehr, die wahrhaftig nicht werth sind, reproducirt zu werden. Eine jüdische Facultät, die sich einer Universität gleich stellen will, verlangt von ihren Schülern, daß sie deutsch sprechen und lesen können müssen! Schöne Propädeutik das! Da hat man wohl nur auf Polen, Russen, Kroaten gerechnet! In 8—10 Stunden sollten die Schüler (in drei Classen zerfallend) täglich „hören" und dabei Universitätsstudien treiben, sich vorbereiten und etwa sich noch durch Unterrichterheilen die Mittel zur Existenz erwerben! Das nennt man pädagogischen Scharfblick! Der ganze Lehrplan war darnach eingerichtet, daß außer vr. Hildesheimer und Zomber noch ein Plätzchen siir vr. David Cassel herauskomme, vr. Cassel aber — und da beginnt das Unglück — lehnte urplötzlich ab; da er, wie mar: sich erzählt, befürchtete, mit seinem College« in spe, Herrn Rabb. vr. Hildesheimer, in Collision zu kommen, wenn er, was ja möglich sei, nicht in seinem Geiste lehre. (Herr vr. H. soll nur unter der Bedingung auf den ganzen Ptail eingegangen fein, daß alle Lehrer auf dein traditionellen jüd. Standpunkte stehen.) Diese Erklärung vr. Cassels verdient volle Anerkennung und zeugt von Gewissenhaftigkeit, legt aber auch unumwunden und klar dar, daß vr. Casfel's wissenschaftlicher Standpunkt nicht der orthodoxe ist, wie er ja bereits vor Jahren z. B. schon von einem Pseudojesaias oder exilischen Jcsaias gesprochen, eine Annahme, die die vom Judenthume hochgehaltenen Grundsätze von der Prophetie rmd Authenticität des heil. Canons verleugnet. Daß also ein Lehrer des Pseudojesaias mit vr. Hildesheimer nicht zusammen an ein er Anstalt wirken können, ist bis zur Evidenz klar. Freilich ein üblicher Vorstand hätte anders verfügt, vielleicht sogar erklärt: (ein Vorstand weiß heut zu Tage sehr, sehr viel!) ein Jehudi, der einen exilischen JesaiaS lehrt, sei im Grunde gerade so orthodox wie vr. H., oder, und das Letzrere wird wohl das Richtige sein, der Vorstand hätte aus Diplomatie vr. Cassel angestellt, um gegen vr. H. ein Correctiv zu haben, damit die „goldene Mitte" ä la Breslauer Seminar heraus escomotirt werde. Die Diplomatie aber erweist sich eben trügerisch gegenüber einer unumwundenen ehrlichen Erklärung. Man kann sich die Verlegenheit eines Vorstandes und speciell des treibenden Elementes in demselben denken. Die so herrliche in der Phantasie schon lebende Facultät war tobt schon vor der Geburt. Doch rastlos weiter segelte der Vorstand, ä tout prix: mit April muh die Facultät eröffnet werden. Man fühlte zwar das Drückende der Lage — aus der einen Seite sehr spärlich zugemeffene Mittel — aus der anderen Mangel an einer geeigneten Lehrkraft. Da ward nun kaufmännisch catcutixt und