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Der Israelit · 1871-05-17 · Heft 20 (17.5.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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384 1 ft Ü £ £f.: das kann Jeder in den vielen Bänden des Gr.'schen Geschichtswerkes (rectius Hypothesenschwindelfammlnng) Nachlesen. Damit aber auch die Welt erfahre, wie der Hauptlehrer des Breslauer Seminars über die schriftliche Lehre, über :aro:ur rpin denke, wie ihm diese r*vn nichts ist als psb «oon-' Fälschung und wieder Fälschung, zu diesem Zwecke hat Herr vr. G. vor kurzer Zeit einen Commentar zum Buche Kohelet edirt. Das nv-np'vtr, welches hier der Hauptlehrer eines Rabbinerseminars zu Tage fördert, ist haarsträubend. „Das Buch Koheleth soll in der Zeit des Herodes, also ungefähr ein Jahrtausend nach Salomo's Tode, entstanden sein;" „das Buch Kohelet und das Hohe Lied (on^n -orr?) bilden einen Mißton in der Bibel;" „das erftere sei antimoralisch und antireligiös, das letztere besinge die feurige Liebe und habe kein Wort für Gott und Sittlichkeit;" „der Schluß des Buches Kohelet sei ein später angebrachtes Anhängsel;" „der erste Vers sei eine Mystification," und so sott. Und wie wird erst mtt dem Texte umgesprungen! Bald fehlt ein Wort, bald ist eins zu viel, bald muß es durch ein anderes ersetzt werden, bald werden ganze Sätze für eingeschoben erklärt k. Und die Anschauungen gar, welche der Herr Professor über das Judenthum hat, sind wahrhaft grauenerregend. Das Buch Kohelet ist ihm kaum etwas Anderes als eine politische Satyre; er findet darin einen entschiedenen Kampf gegen die Unsterblichkeitstheorie und was des Unsinns mehr ist; „das Judenthum," ineint Herr Grätz und schreibt dieses einem Christen (Joh. Er. Chr. Schmidt) nach, „kenste nur die Auferstehung der Leiber." Welch ein Wahnsinn! Doch genug von Herrn Grätz und seinen ebenso chörichten wie antijüdischen Anschauungen; stellen wir das Eine fest: solche Lehrer sind in Breslau dazu berufen, Rabbinen heranzubilden! Was kann aus den Schülern solcher Lehrer werden % Nur ein Wunder kann diese unglücklichen Jünglinge davor schützen, entweder als O’Dmp’SN sich offen zu bekennen oder als Heuchler zu ftguriren. Den 11. Mai. Während wir heute den gestern begonnenen Artikel m vollenden im Begriffe sind, erhalten wir die Nr. 19 der „Jsr. Wochenschrift", des Leibblattes des Breslauer Seminars; auch da wird die neueste Grätz'sche Schrift besprochen und mit cynischem Behagen werden die entsetzlichen Ansichten dieses Hauptlehrers des Breslauer Seminars oargelegt. Hören wir die Schilderung des ganzen Elends unserer Zeit, wie es riesengroß aus den Worten der „Jsr. Wochenschrift", die mit dem Verrath am Allerheiligsten noch scherzen kann, uns entgegeugrinst. „Grätz," schreibt die „Jsr. Wochenschrift," „ist bekanntlich bei den „Strenggläubigen" nicht gut angeschrieben; er soll, wie man sagt, in dogmaticis nicht ganz sattelfest sein; und er will gar keine Lehre annehmen, sich gar nicht bedeuten lassen, seine Katechismuslücken auszufüllen; wie oft ist er nicht schon von der bestellten Glaubenspolizei zur Ordnung gewiesen, wie oft ist ihm nicht in Scherz (d) und Ernst in's Gewissen geredet worden, daß sich so was für einen Lehrer einer theologischen Anstalt gar nicht schicke; aber Professor Grätz ist ein schlimmer Mann, und diese Anstalt . . . . entläßt ihre Schüler .... und an so verwahrlosten Seelen finden dann dieGemein- / denGefalten und berufen sie in die einflußreichsten Stellungen." Ja, verhöhnet nur die dummen Gemeinden, die sich von „verbreslauten" Rabbinen foppen lassen — der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht. Von den frommen Gemächern, die an diesem Grätz'- schen Kohelet Anstoß nehmen werden, behauptet dann das Breslauer Organ, „daß sie mit der Wissenschaft auf gespanntem Fuße leben". Gott behüte uns vor solcher Afterwissenschaft! So ist das Breslauer Seminar, und solche Lehrer wirken an ihm. Sagt uns doch einmal, Ihr Herren Breslauer, was ist denn dieser Grätz anders als Geiger, den Ihr so sehr bekämpft % Ihr seid gegen Reformen im Gottesdienstes Wahrlich, wer gar nicht betet das ganze Jahr hindurch, der Übertritt täglich mehrere nimv rwv und eine entsprechende Amahl jjdtj rmuv, wer aber die heilige Schrift, das Wort unseres Gottes, als Fälschung und Täuschung, ein Buch der Bibel als eine „politische Satyre"' darstellt, der ist ein ^p'y2 nso, ein mo minn wer sich erfrecht, die Unfterblichkeitslehre zu leugnen, der hat kein ton dSijp ptn, selbst wenn er alle vis auf den letzten Buchstaben sagt oder sagen läßt. Leider stellt es sich täglich mehr heraus: das Breslauer Seminar ist eine der gefährlichsten Krankheiten, an der die deutsche Judenheit erkrankt ist. Eine nicht minder gefährliche Krankheit droht in Wien auszubrechen. Dort hat der derzeitige Unterrichtsminister, Herr Jireczek, eine Commission zur Abfassung eines Entwurfs für die Begründung einer jüd.- theologischen Facultät ernannt, und dazu die Herren vr. Jellinek, vr. Güdemann, Lector Weiß, Arminio Cohn, ' vr. M. Engel, vr. L. Kompert, Adolf Neustadt und Ritter von Wertheimer betraut. Fürwahr, eine noble Gesellschaft, in die Herr vr. G. da gerathen! Dies Comite hat sein Elaborat vollendet, und der Minister- Hat versprochen, die Anstalt in kürzester Zett in's Leben zu rufen. Sollte eine solche Anstalt wirklich in's Leben gerufen und an ihr die künftigen Rabbinen und Prediger des östlichen Theiles der österr. Monarchie herangevikdet werden, so würde damit Hand angelegt werden, das Judenthum in Oesterreich, Böhmen, Mähren, Galizien rc. zu vernichten. In der That, die Gefahren, die Schlingen, die Fallstricke, welche unsere Zeit dem

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