Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XII. Jahrgang. M 2«. Der Israelit. Ein Hentrat-Grgan für das orlöodore Kudenthum. Herausgegeben von Lehmann in Mainz. m Mittwoch, den 17. M ai 5631 (187 1). Diese Kettung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens % Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. pr. S. oder fl. v. 1k kr. rh. Ran abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme« Bestellungen an. Inserate 2 Sgr. die Petttzetle oder deren Raum. Oesterreichische »anttwtm laut Tour«. Directe Awmeog«- sendu«^ unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. E. oder 6 fl. osterr. an die Expedition franco einzusendeu. Anhalt: Leitender Artikel: Ueber bestehende und projectirte Rabbinerseminarien, jüd.-theologische Facultäten rc. Seitungsnachrickten »nd Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Elsaß: Aus Straßburg. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Wien. Lemberg. — Rußland: Petersburg. — Kenületv«: Zur rechten Zeit. Inhalt der Aeikage; Aettmtg-vachrichten und Correspondenzen: D eutsch land: Bad Nauheim. Aus derbayer. Pfalz. Stettin. — Oesterr.- Ung. Monarchie: Wien.Wien. Preßburg. — Donaufürstenth.: Bukarest. — Feuilleton: Ein geschichtlicher Rückblick auf die Juden in Elsaß und Lothringen. Anhalt der pädagogischen ZSeitage: Confeffionelle oder confefsionslofe Schule? — Recensionen. — Programmenfchau. — Leitender Artikel. Aeöer öestehende und projectirte Waööinerjeminariw, jüd.-ltzeotsgische Iacuttätm rc. Mainz, 10. Mai. Soeben bringt uns der Telegraph die erfreuliche Kunde von dem definitiven Friedensschlüsse, der heute Nachmittag 4 Uhr 30 Min. in unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M. stattgefunden hat. Morgen werden die französischen Bevollmächtigten, Jules Favre an der Spitze, hierherkommen, um die hier internirten französischen Kriegsgefangenen, gegenwärtig ungefähr 40,000 an der Zahl, zu besuchen. Die Gefangenen werden alsbald nach Frankreich, die deutschen Soldaten nach und nach in die Heimath zurückkehren; auch das bluttge Drama von Paris und der Commune wird hoffentlich bald beendet fein und die Werke des Friedens werden wieder unser ganzes Interesse in Anspruch «ehmen. Es ist eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit, die vor Allem unsere Aufnlerksamkeit aus sich zieht: dre seit längerer Zeit in Rede stehende Schaffung von Anstalten zur Heranbildung von Rabbinen. Dre bis jetzt exiftirenden sogenannten Rabbmerseminarien oder Rabbinerschulen haben dem Judenthum noch nicht viel Gutes gebracht. Da ist vor Mem die 6coIe rabbinique in Paris, sehr gut und tüchttg, solange sie ihren Sitz in Metz hatte, aber seit ihrer Verlegung nach Paris bedeutend in Abnahme gekommendie Existenz derselben ist durck die neuesten Ereignisse sehr in Frage gestellt, da mit oer Abtrennung von Elsaß und Deutsch-Lothringen ihr eigentlicher Lebensquell versiegt ist. Ebenso wurde durch die Ereigniffe von 59 und 66 die Rabbinerschule in Padua, die übrigens nie Etwas geleistet hat, zur Auflösung gebracht. Das Rabbinerseminar in Breslau ist oft genug von uns gekennzeichnet; der feit einiger Zeit dort am'Meisten tonangebende Lehrer — Herr Dr. Frankl ist bereits all und schwach — ist Professor Di*. Grätz, dessen Geschichtswerk hinlänglich bekannt ist. Mit welcher Verachtung, Geringschätzung, Gehässigkeit Herr Dr. G. manchmal gegen den Talmud, gegen einzelne Talmudiften, gegen das Talmudftudium überhaupt, gegen die bedeutendsten und anerkanntesten Gefetzeslehrer verfährt.