Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1871)
- Date
- 1871-05-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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374 Dr. G. bezüglich der Reformfrage, welche allgemeinen Beifall fand, wie sie es verdiente, in seiner höhnischen Weise bekritteln zu müssen und da er sonst nichts zu tadeln weiß, verlegt er sich auf den logischen Zusammenhang und findet Anstoß all grammatikalischen Verstößen, die sich aber nur im Kopfe des Herrn S. finden, da seine weitsichtigen Bileamsaugen Fehler entdecken wollen, wo Niemand solche sucht,- während er selbst, der sich für einen großen Gelehrten ausgibt und auch von sein Clique für einen solchen gehalten wird, einen gew. Dr. Igel, der ganz objectiv und unparteiisch, aber natürlich in derber Manier, wie es für S. gebührt, denn zu einer groben Axt gehört auch ein solcher Styl, für Herr Dr. G. eine Lanze einlegt, im redactionetlen Briefkasten kurz abfertigt, wobei er folgenderinaßeil beginnt: An einem Individuum, das sich Mathematiker nennt rc. Charakteristisch ist, daß noch dazu diese Worte mit fetten Lettern gedruckt sind, also von Druckfehlern keine Rede sein kann. Allerliebster Herr Szanto, Ihre große Mühe ist rein umsonst vergeudet. Vergebens suchen Sie Herr Dr. G. aus dein Sattel zu heben 1:7*0 na-p p im« uy\ Ihre Verläumdungen und intriguanten Machinationen können einem Manne, wie es Herr Dr. G. ist. Nichts auhaben, der Sie und Ihr elendes Gebahren nur verachtet, und ihn in seiner» Handeln auch nicht beirren. Jnl Gegentheile, den Sie schmähen, der wird geehrt und umgekehrt, durch Ihre fruchtlose Angriffe vermehren Sie selbst noch seine Partei, und der Streich fällt auf den zurück, der die Hand zum Schlage ausholte. Sie wird und muß man ignoriren, bis Sie mit Ihren Consorten zu Schanden werden und Herr Dr. G. wird wie bisher fortfahreil, in seiner Consequenz in Hunianität und Frömmigkeit Gutes zu stiften und Ihnen, wie Ihrem dein Judenthum feindlich gesinntem Blatte Widerstand zu leisten und er wird Sie auch hoffentlich unter dem göttlichen Beistände besiegen! Pesth Groszen Skandal erregte ein vor einigen Monaten erschienenes Flugblatt: „A mäträjarasbeli kereszteny magyar nephez (An das christliche Volk des Matraer Bezirkes), worin die Israeliten auf die plumpeste Weise angegriffen wurden. Der Verfasser war nicht genannt, doch wurde im Wege der Preßgerichts-Untersuchung eruirt, daß der in der Gemeinde Domoßlo (Heves) wohnhafte Grundbesitzer Moriz Vitalis der Autor sei, und hat der öffentliche Ankläger gegen denselben einen Preßprozeß eingeleitet, der am 11. Mai vor dem Debrecziner Schwurgericht zur Verhandung kommt. Rumänien. T'pttttfcfcait, 20. April. Es dürste nicht unzeitgemäß sein, Ihre Aufmerksamkeit auf die zerrütteten Verhältnisse und auf die unausbleibliche Katastrophe zu lenken, an deren Vorabend Rumänien steht; man muß nur einigermaßen in hiesige Zustände eingeweiht sein, um den unvermeidlichen Ausbruch eines schweren Gewitters, mit, ich möchte sagen prophetischer Gewißheit vorausseheu zu können. Nach der Physiognomie und Stimmung einer Stadt kann man sich Hierlands ein richtiges Urtheil bilden, weil eine Stadt der anderen, eine Gemeinde der anderen auf ein Haar gleichen. War früher der Fürst nicht gar sehr beliebt, so ist er jetzt geradezu gehaßt; Fürst und Jude sind jetzt in Rumänien gleich angefeindet, man bringt dem Einen und dem Anderen dieselbe Dosis Gift und Galle entgegen. — Seit einiger Zeit bereist der als enragirtest bekannte Judenfresser Jonesco (rothe Partei) die größeren Städte des Landes, zu dem Zwecke nur, um Reden zu halten, das Volk gegen die Regierung und die Fremden, worunter die Juden in erster Reihe, aufzustacheln, ohne daß es den Behörden nur im Entferntesten in den Sinn kommt, dieses Treiben zu verhindern. Herr Jonesco langte vorige Woche hier ein, und mittelst gedruckter Plakate wurde das Volk zu dieser Versammlung eingeladen; man werde, hieß es, die rumänischen Länder, recte Barbarenhorden, über die Schädlichkeit eines fremden Fürsten und über die Nachtheile, welche Juden und Nemtzi zufügen, belehren. — In der Bcola primara (Volksschule) wurde auch das famose Meeting am vergangenen Donnerstag abgehalten, wobei Herr I. V. Adrian, gewesenes Mitglied einer reisenden Schauspielertruppe, nachmaliger Polizeiprefekt und Deputirter unter dem letzten rothen Ministerium, jetzt vacirender Judenfeind, seinen säubern Kollegen thatkräftigst unterstützte. Unter einem massenhaften Andrange bestieg Herr A. um acht Uhr die Tribüne, und schrie sich volle drei Stunden hintereinander fast heiser; es entzieht sich dem Begriffe eines jeden anständigen Menschen, mit welcher Bornirtheit Herr A. seine Rede aus Schimpfworten zusammensetzte, an denen die rumänische Sprache reich genug ist. Ich hebe in Folgendem das Wesentlichste heraus. Nachdem der Redner seinem Aerger bezüglich der erlittenen Schlappe in der Deputirtenkammer Ausdruck gab, sagte er: „Wehe, wohin das ruhmreiche (?) Dacien gekommen, in die Hände von Vandalen, unter die Herrschaft eines neamtz (Deutschen), dem es nur um seine Bereicherung zu thun ist. Schweigt nicht, edle Rumänien; das Gesetzesprojekt (mit den bekannten 32 Absätzen) bezüglich Austreibung der Juden, ist uns von den Vaterlandsverräthern abgewiesen worden, und wenn nicht wir, die Vertreter der Intelligenz (sic), bei Zeiten dagegen Schritte machen, so hat unser Vaterland seine glorreiche Rolle unter den europäischen Staaten ausgespielt." Hierauf nicht endeuwollender Beifall, Stimmen: „Jagt sie hinaus die fremden Eindringlinge?"