Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1871)
- Date
- 1871-05-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Oeslerreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Man mag über den Religionslehrer Hammerschlag urthcilen, wie'man will, Consequenz läßt sich ihm nicht absprechcn, freilich ist er nicht im löblichen Srnne consequent. Äehnlich, wie am Purim, benahm sich der gute Herr Professor auch am verflossenen Pessachfeste. —* Um sich einen Anstrich von wohlfeilem Liberalismus zu geben, und zugleich zu zeigen, wie sehr ihm das geistige Wohl seiner ihm anvertrauten Schüler am Herzen liege, bewog Herr H. die Dircctoren verschiedener Lehranstalten, welche erstere in wahrhaft liberalem Sinne die isr. Studenten über die ganzer: Feiertage frei geben wollten, daß diese ihre Licenz für die letzten Pessachtage zurückzogen, und nur solche Studirende die Erlaubnitz erhielten, vom Unterrichte fern bleiben zu können, welche eine schriftliche Bestätigung von Seiten der Eltern oder Aufseher bringen konnten, daß sie den Tempel besuchen. — Gewiß eine sehr weise, väterliche Fürsorge von Seiten des Religio nslehrers? Und wie, wenn mancher Vater so scrupulös wäre? da mutzte also sein Sohn den Gottesdienst versäumen, Herrn H. zu Liebes Genug, wenn die Kinder am Sabbat vom Gottesdienste fernbleiben, und dadurch auch leicht zrr raa; hrhri Gelegenheit haben; warunr sollte dies aber auch der Fall sein zrr Beginn der Schulzeit, wo, da auch die Schulferien waren, keine solche Unterbrechung, wie sonst, stattfindet, und auch das Versäumte leicht nachzuholen wäre. ®) Um so ungerechtfertigter ist dieses Vorgehen in Schulen, wo die isr. Schüler die überwiegende Majorität bilden. Ihretwegen sollte der Anfang des Schulbesuches um 2 Tage verschoben werden, wie es auch wirklich früher geschah, ehe Herr Professor H. in der Anstalt selbst Religionsunterricht ertheilte. In der That besuchten die meisten jüdischen Studenten ihre Classe, bis aus Wenige, welche in der Heimath den io"' verlebten, oder solche, die wegen rvoK'J mmn am prw oder aus Weisung ihrer Angehörigen, die sich an Herrn H.'s Befehl nicht kehrten, und nicht denr Bethause den Rücken kehren wollten, wie gewöhnlich dem Gottesdienste beiwohnten. In solcher Weise faßt ein jüdischer Religionslehrer seine hohe Aufgabe der religiösen Belehrung und Jugendverbesserung auf! mp icsy Bi»p Wien. Bekanntlich sind die entfernten Freunde nach einem im Volksmunde geläufigen Sprichworte auch *) Anmerk, des Corresp. In manchen Schulen werden die isr. Studenten bei der Stundeneintheilung berücksichtig^ so daß Samstag meist Gegenstände genommen werden, bei denen das Schreiben nicht so nothwendig ist, während für *>">j der auf Wochentage fällt, nicht vorgesorgt ist und beim Zeichnen, Rechnen rc. ern i-"> bb>n sehr leicht möglich ist. die besten. — In diesem Sinne verträgt sich Herr Szanto seit letzter Zeit sehr gut mit Herrn vr. Hiöesheimcr, indem Letzterer seiner Nähe entrückt ist, und einen viel größeren Wirkungskreis fürs Judenthum in der Metropole Deutschlands sich errungen. Bei diesem Gewinne fürs allgemeine Beste ging Herr Szanto ein würdiges Strcitobject verloren. rmd er hat nicht mehr Gelegenheit, wie früher selbstcrdichtete Correspondenzen zu fabriciren rrnd sie den nach Klatschereien begingen Leser in seinem Lügenblatte ftir echte Münze darzubieten, wie er erst vor noch nicht allznlanger Zeit unter den Initialen eines bekannten, durch seine gediegenen Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Literatur verdienstvollen, characterfesten Lehrers einen von Anfang biß zu Ende fingirten Bericht brachte, wodurch der betreffende Herr seinen Posten verlor. — Nun diese Tage sind vorbei und Herr S. ist das Handwerk theilweise gelegt. Doch S. genirt das wenig. Er wird um eine Gelegenheit zum Streite nicht verlegen. Und wozu sollte er auch in die Ferne schweifen, liegt ja doch so viel des Guten so nahe, das diesem Patron des Herrn Dr. Jellinek ein Dorn im Auge ist, gegen das er gemeinschaftlich mit seinen schutzbesohlenen Clienten seine Angriffe richten kann, das er mit seinem fanatischen Eifer begeifert, und gegenüber welches er seine Feder zum" Kampfe wätzt. Herr S., dieser schweifwedelnde Speichellecker und Schlepvträger Jellineks, dessen Leiborgan die „Neuzeit" ist, glaubt Alles an feinden zu müssen, was nicht mit vr. Jellineks Ansichten harnronirt. Nun vertritt Herr vr. Güdemann ein dem vr. I. ganz entgegengesetztes Princip und hat sich trotz seiner oder vielmehr gerade wegen seiner Unabhängigkeit von der „Neuzeit" durch sein wahrhaft religiöses Wirken in seiner Eigenschaft als Rabbiner urrd Prediger viele Freunde und einen großen Anhang in so kurzer Zeit erworben; selbstverständlich muß also S. ein natürlicher Gegner des Herrn G. sein, und er bricht auch jede nur mögliche Gelegenheit vom Zaune, um seine Feindschaft zu zeigen, und seinem Jnarimme Luft zu machen. Daher seine öfteren boshaften Ausfälle und verbissenen Anspielungen auf den Ausländer, der sich hier breit macht in seinem Blatte, ja er geht in seiner cynischcn Gemeinheit so weit und verschmäht auch das verwerflichste Mittel nicht, seines Freundes Rivalen in den Augen der Besucher des Beth-Hamidrasch lächerlich und verächtlich zu machen, indem er bei seinen daselbst gehaltenen Vorträgen oft den Sinn absichtlich verdreht urrd eine falsche Deutung dem Verse unterschiebt, um nur seiner Rachelust stöhnen und feindliche Bemerkungen machen zu können. — So legt er den 12. Psalm aus, als ob der König David jene heuchlerischen Pfaffen im Auge gehabt hatte, die sich Alles erlauben rrnd nur öffentlich Frömmigkeit predigen und sich verstellen - jene Ignoranten, die oft die fettsten Pründen haben, weil sie gut ftomnr thun können u. f. f. Ebenso glaubt S. die Rede des Herrn | Ä J3