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Der Israelit · 1871-05-10 · Heft 19 (10.5.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 19 (10.5.1871)
Date
1871-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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369 >, den Israeliten Schutz zu verleihen. Der Generalkonsul, Herr Baron v. Alten, war abwesend in Jaffa, der der Kanzler. Dr. Otto Kersten, beauftragte so« leich seine Consulats - Kawassen, 50 Soldaten zu nehien und die Armenier in die Seraja zu bringen. Es -urden in der Nacht 70 Mann türkisches Militär mit Offizieren nach dem Armenischen Kloster gesendet, um HC Eindringlinge zu holen, noch um 12 Uhr Nachts jandte Dr. Kersten den Dolmetscher zu dem hiesigen Porzei - Präsident, damit die Armenier verhaftet würden, vas auch geschah. Das deutsche Consulat ist demnach as einzige, von welchem wir Hilfe erwarten können. Zch bin bereit, Ihnen, nachdem die Untersuchung stattgemnden. Weiteres hierüber mitzutheilen. L. K. ^eüilletptt* Im rechte» Jett. ix. Der Zunaftrnkuß. Mit dem Fuße stieß die Fürstinden um Gnade Flehenden von sich. „Du mußt sterben, Nathan," sagte sie kalt, „warum hast Du geduldet, daß Dein Weib mit ihrer Fürstin wetteifre?" ,,„O, gnädigste Fürstin, ich will gern sterben, aber schont mein Weib, mein Kind!"" „Dein Weib muß mit Dir sterben! Das eitle Ding soll ihre Hoffahrt büßen!" Bei diesen Worten warf sich auch Mirjam in die Knie, ihr Kind auf dem Arme haltend; es war ein Anblick, der ein steinernes Herz hätte erweichen können! die liebliche, jnnge Frau, das reizende Kind im Arme, das zu weinen begann, da es die Mutter weinen sah. „Fürstin," riet sie, „erbarmet Euch unser! Nie, nie will ich Euch wieder Anlaß zur Klage geben, will künftighin in die schlechtesten Gewänder mich kleiden! Und wenn ich gefehlt habe, daß ich den Tod verdiene, so laßt mich allein sterben! Was hat mein Mann, was hat mein Kind verschuldet?" Hans Gericke trocknete verstohlen die Thränen, die ihm über die Wangen strömten; aber die Fürstin blieb kalt, kalt wie Marmor. „Nein, nein," sagte sie, „Ihr müßt sterben, alle drei; die Gelegenheit, den Fürsten so zu stimmen, wie heute, findet sich nicht alle Tage!" „Gott," seufzte Nathan, „was habe ich meinem Herrn gethan, daß er Solches über mich verhängt!" „Verräther, Heuchler! rief der Junker, „hast Du nicht Pläne geschmiedet mit dem Fürsten von Kattenb'im gegen das Leben unseres Herrn?' „Ich schwüre bei Gott, dem Allmächtigen," rief Nathan eifrig, „daß mir nie etwas Derartiges in den Sinn gekommen." „Genügt" 'vflte die Fürstin Mt, „Hans Gericke thut Eure Pflicht; Ihr hastet mit Eurem Kopfe dafür, daß die Verurtheitten sterben." Dann nahm sie den Arm des Junkers, um das Gemach zu verlassen. „Wollen wir nicht dableiben," fragte der Junker^ „um der Execution benuwohuen V „Nein, nein," rief die Fürstin, „ich tarnt so Etwas nicht scheu." Trotz ihrer entsetzlichen Grausamkeit war zu sie feige, um ihre Opfer sterben zu sehen. „Herr Hofagent," sagte der Haushofmeister, als die Fürstin und der Junker fvrtgegangen waren, „es thut mir herzlich leid, daß ich diesen schrecklichen Dienst verrichten soll; aber Ihr habt gehört, was die Fürstin sagte. Nun bitte ich Euch, macht es mir leiH imfc setzt Euch nicht zur Wehre; ich muH Euch niederschießen, sobald Jhr's thut. Jetzt betet zu Gott und dann betretet das Gemach — nur ein Schritt, und es ist geschehen." Da warf sich Nathan zur Erde nieder; aber sein Herz erhob sich zu Gott in heißem, hüßem Flehen; auch Mirjam betete. Dann aber bedeckte sie ihr Kind mit tausend Küssen und weinte laut. Nathan erhob sich. „Hans," sagte er, „Ihr seid ein guter Mann. O, sagt mir, ist gar keine Rettung möglich?" „„Keine! Ihr habt gchört, was die Fürstin sagte; es gilt mein Leben, wenn ich Euch entkommen laste."" „Ihr ermordet drei unschuldige Menschen!" „„Ich glaubs Euch gern Herr Hofagent! Allem nicht ich habe das zu untersuchen. Ich habe nur zu gehorchen." " „Ich schwöre Euch, daß ich unschuldig bin; nie habe ich mit dem Fürsten von Kottenheim verkehrst " „„Herr Hofagent, ich kann Euch nicht helfen; es gilt mem Leben; wenn ich Euch retten würde, so würde die Fürstin mich umbringen lassen." " „Bedenket doch, Hans, wie viel Gutes ich Euch erwiesen habe! Wißt Jhr's nicht mehr, wie ich damals mich Eurer angenommen, als der Junker Görz Eurer Tochter Antonie, Eurem einzigen Kinde, der jetzigen Rentmeisterin, nachstellte? Wie ich beim Fürsten Eure Klagen vorbrachte und den Zorn des Junkers nicht scheute?" „„Herr Hofagent." „O, seht mein armes Weib, mein unschuldiges Kind! Hans, könnt Ihr je wieder ftvh werden, wen» ihr Blut wider Euch zum Himmel schreit." „ „Ihr habt Recht, Herr Hofagent, ich will's nicht, ich will den Auftrag nicht ausführen, mag man nnch auch deshalb vom Dienste jagen. Ich gehe hin rmo sag's der Fürstin, daß sie einen Andern schicke. Ich schließe Euch so lange hier ein. Mag Euch ein Anderer in's Jenseits spediren.""

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