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Der Israelit · 1871-05-03 · Heft 18 (3.5.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Deutsche Tapferkeit und Ausdauer hat die günstigen Erfolge errungen, welche die Geber, als Ausdruck ihrer patriotischen Gesinnung, veranlaßten, daS 14. Armeecorps in ihrem Führer zu ehren. Mir war es die größte Genugthuung, ein Corps, welches des deutschen Namens sich so würdig bewiesen, geführt zu haben. Mich erfüllt es aber vor Allem mit innigem | Dank gegen Gott, dan Er unseren Waffen Erfolg verlieh, gegen Seine Mäjestät den König, deffen gnädiges Vertrauen dem Corps diese ehrenvolle Aufgabe überwiesen hatte. Meinen Nachkommen möge aber diese Gabe eine Aufforderung sein, dem alten Wahlspruche: „Mit Gott für Kaiser, König und Vaterland" treu zu bleiben bis in den Tod. Mit dem Ausdruck meiner hochachtungsvollen Ergebenheit zeichne ich mich Euer Wohlgeboren ergebener gez. v. Werder, General der Infanterie. Berlin, 19. April 4871. Donaufürstenthümer. Bukarest Bei den erblichen Iudenverfolgungen, die fast jedes Jahr auf Ostern wiederkehren, darf Rumänien doch nicht fehlen. Am 3. April verirrten sich in Ploieschti einige jüd. Kinder, welche trotz aller angestellten Recherchen nicht gefunden werden konnten. Ein gewisser Oeser, ein Israelit, begegnete einem Trupp Christenkinder, welche ein kleines Kind in iht rer Mitte hatten; Oeser richtet an dieses Kind einige | hebräische Wörter, um zu erfahren, ob es vielleicht eines der vermißten Iudenkinder sei, und da er keine Antwort erhielt, setzte er seinen Weg ruhig fort, k/ Kaum hatte die rohe Masse bemerkt, daß der Jude ß mtt dem Kinde gesprochen, stürzte sie sich über ihn her, ' vorgebend, daß er das Christenkind rauben und das ' Christenblut zu seinen Ofterkuchen habe verwenden i wollen: der Jude wurde zu Boden geworfen, man riß ihm die Haare aus Haupt und Bart und maltraitirte ihn. Das war das Vorspiel zu einer förmlichen Indenhetze — ja eine Iudenschlächterei war auf die Osterfeiertage angekündigt. Feuilleton. Kw gejchtchtticher MckMck auf die Juden in Elsaß und Lochringen. Bearbeitet von L. (Fortsetzung.) Napoleon I., der mit dem Beginn dieses Jahr- ■- Hunderts der Held der Weltgeschichte war, ist zugleich der Wohlthäter und Befreier der Juden in Frankreich gewesen; er verdiente ihren Dank selbst in den ihm nicht unterworfenen Ländern; er selbst hatte ihnen Gefühl für das Vaterland eingeflößt. Als Kaiser behielt er die Grundsätze der Revolution, Gleichheit der Menschen vor den: Gesetz, bei, und demgemäß waren alle Juden Frankreichs und des dazu gekommenen Italiens Kinder des Reiches, aller Pflichten und Ehren theilhaftig und frei in Religionsübung und Wahl des Gewerbes. In den inneren Theilen Frankreichs hatte die Befreiung schon beim Beginn des Kaiserreichs auf die Juden wohlthätig gewirkt, sie umgeschaffen und den Bürgern Allen gleich gemacht. Nicht so in den östlichen Provinzen Elsaß und Lothringen, wo Wucher und Kleinhandel, worunter die ärmere Volksklasse und die kleineren Landeigenthümer sehr litten, noch in voller Blüthe herrschte. Klagen darüber gelangten bis zum Throne des Kaisers, und von gewisser Seite machte mau sich sogar schoti Hoffnung darauf, daß die alten Einschränkungen wieder herbeigeführt würden. Diese Wirkung trat jedoch nicht ein. Der Kaiser, der sich in die Notwendigkeit versetzt sah, diesem Uebel abzuhelfen, wollte den Religionsdruck nicht erneuern, sondern griff zu einem seinem Unternehmungsgeist angemessenen Mittel. Am 30. Mai 1806 erließ er jenes denkwürdige Dekret, welches dem Judenthum den Anlaß geben sollte, sich aus sich selbst zu reformiren, und welches auf eine bis dahin unerhörte Weise die Juden zu anderen Gewerben leiten wollte. Im Eingänge dieses Dekrets heißt es: „Auf den Bericht hin, der uns über mehrere Departements unseres Reiches erstattet worden ist, daß näurlich dott die Juden kein anderes Gewerbe, als den Wucher ausüben, und durch Annahme von unmäßigen Zinsen viele kleinere Landbesitzer in den Zustand großer Noch versetzt haben, halten wir es für geboteil, denjenigen unserer Unterthanen, welche in dieser Lage sich befinden, unsern Beistand zuzuwenden. Gleichzeitig ist uns bei dieser Gelegenheit zur Kenntniß gekominen, wie dringend nothwendig es ist, unter den Bekennern des Judenthums, die sich in unserem Reiche Ocfiitbeii, das Gefühl der Redlichkeit in Handel und Wandel wieder zu beleben, das leider bei vielen unter ihnen vollkommen abgestorben ist, in Folge des Zustandes der Erniedrigung, in welchem sie lange Zeit geschmachtet haben, eines Zustandes, den wir nicht wieder herzustellen gedenken. Zur Erreichung jenes Zieles haben wir beschlossen, die Ersten unter den Juden zusamiilenzuberufen und ihnen durch Commissäre unsere Absicht kund thun zu lassen; zugleich soll diese Commission die Wünsche der Juden über die Mittet zusammeustetten, welche diese für geeignet erachten, um unter ihren Brüdern die Ausübung von nützlichen Künsten und Gewerben durchzusetzen, damit an die Stelle der unehrbaren Erwerbsquellen, denen sich Vater und Sohn seit Jahrhunderten zuwenden, eine achtbare Industrie trete." Nach die'en einleitenden

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