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Der Israelit · 1871-05-03 · Heft 18 (3.5.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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rvpas, wo noch den Juden das Bürgerrecht vorenthalten wird." Der Aufsatz beschäftigt sich hierauf ziemlich eingehend mit dem von den orthodoxen Juden beobachteten Ceremonialgesetz, namentlich dem Speiseverbot und den überall zu Tage tretenden Reformbestrebringen. Nach der Schätzung des Verfassers ist, von sammtlichen in den Vereinigten Staaten lebenden Israeliten ein Drittel orthodox, ein Drittel verhält sich völlig indifferent und bekümmert sich überhaupt nicht um Religion: ein Drittel gehört zur Refornr in verschiedenen Schattirungen. Interessant ist die Schilderung der verschiedenen israelitischen Gemeinden, von denen allein New-Uork zweiunddreißig zählt und in denen alle Arten von der strengsten Orthodoxie bis zun: größten Liberalismus vertreten sind. Jede Synagoge ist vollständig unabhängig. Es gibt in den Vereinigten Staaten keine geistliche Behörde, keinen Oberrabbiner, welcher den Ritus einer Gemeinde beaufsichtigen oder tadeln könnte. Oft genug kommt es sogar vor, daß innerhalb einer Gemeinde sich verschiedene Parteien geltend machen, welche bei vorkommenden Gelegenheiten, wie z. B. bei der Wahl eines Geistlichen, ihre Kräfte messen. Der unterliegenden Partei steht es frei, sich einer andern Gemeinde anzuschließen. Nach einer Schilderung des einer Reform-Gemeinde gehörenden Tempels Jmanuel, an welchem die Prediger vr. Adler in deutscher und vr. Gutheim in englischer Sprache predigen und den der Verfasser eines der schönsten Gotteshäuser in New-Aork nennt, fährt er folgendermaßen fort: „Die Juden sind glücklich in den Vereinigten Staaten. Sie haben jetzt innerhalb derselben zweihundert Gemeinden, von denen die Hälfte erst im Laufe der letzten zwölf Jahren gebildet sind. Sie sind gute Bürger, tteue Anhänger der freisinnigen Grundsätze, denen sie ihre Befreiung von erniedrigenden und bedrückenden Gesetzgebungen verdanken , und steigen in der Achtung ihrer Mitbürger immer höher. Erblich ist bei ihnen die Vorliebe für allgemeinen Unterricht, und sie ballen das Princip aufrecht, obgleich ihr religiöses Gefühl durch die in vielen öffentlichen Schulen gebräuchlichen Andachtsübungen verletzt wird. Sie hoffen, der gesunde Sinn ihrer Mitbürger werde endlich dabin kommen, ihren Kindern nicht inehr die Theilnahme an Andachtsübungen zuzumuthen, die ihnen als Abgötterei erscheinen. Ebenso hoffen sie, der Tag werde nicht mehr fern sein, wo die Danksagungs-Preclamationerl der Präsidenten und Gouverneure so gefaßt fein werden, daß sie darin mit einstimmen können. Unnöthig waren die von ihnen in letzterer Zeit gehegten Befürchtungen, es könne einer Partei Böswilliger gelingen, einen Passus über die Religion in die Verfassung zu bringen. Unsere israelitischen Brüder verwahren sich, und! mit vollem Recht, gegen die Unsitte gedankenloser Repor- | ter, welche eine wegen eines entehrenden Verbrechens | verhaftete Person als „Juden" bezeichnen, da sich dieses | Wort keineswegs auf einen Stand, eine Nationalität j bezieht und sie vor dem Gesetze nicht Juden, sondern ff einfach Bürger sind." | Wir hätten in der That kaum geglaubt, daß der- 1 gleichen im freien Amerika noch Vorkommen könne, ha- ■] ven aber freilich während des gegenwärtigen Krieges | Proben von dem Tone erhalten, in welchem sich die | Blätter einer gewissen Partei gefallen, daß man sich ii eigentlich über nichts mehr wundern kann. Der Aufsatz geißelt endlich die sehr überflüssigen, H viel Geld verschlingenden und wenig Resultate liefernden | Anstrengungen zur Bekehrung der Juden, die namentlich ' von London aus in großem Maßstabe betrieben werden, J und schließt mit den Worten: j „Unsere israelitischen Brüder in den Vereinigten | Staaten haben ihren eigenen Kampf zu kämpfen, der J mit dem unsrigen im Wesentlichen gleich ist. Auch sie 1 haben zu thun mit der erdrückenden Masse von Unwiffenf, heit und Armuth, die über den Ocean zu uns herüber /I kommt. Auch sie müssen, die Sittlichkeit, Civilisation, i 4 alle höheren Güter der Menschheit bewahren und immer : i weiter entwickeln. In diesem Kampfe sind Juden und - Christen Verbündete, und Verbündete sind Gleichstehende." „ j Zeitungsnachrichten und Correfpvndenzen^ Deutschland. Berlin, 22. April. Herr Vanquier Hugo PringSheim, eines der achtbarsten Mitglieder der hiesigen iörael. Gemeinde, welcher am 20. v. M. in 1 Straßburg den Sr. Exc. dem General von Werder 1 von vielen Mitgliedern der Berliner Kaufmannschaft | gl widmeten Ehrendegen zu überreichen die Ehre - 1 hatte, erhielt gestern folgendes Schreiben: | Geehrter Herr k Bis jetzt war es mir nur vergönnt, Euer Wohl- Vj geboren meinen tiefgefühlten Dank für den mir 1 im Namen Gleichgesinnter übergebenen so werthvoll .j und kunstreich gearbeiteten Degen mit feiner trefflich 1 ausgeführten, sinnigen Widmung mündlich cniszu- \ sprechen. Des Kaisers Majestät, unser Allergnädigster König und Her, haben di: Annahme dieser Ehrengabe j mir nunmehr huldreichst zu gestatten geruht, und kann .-.| ich dem Wunsche meines Herzens folgen und Sie, J geehrter Herr, bitten, all' den anderen Herren, die "j mich so hoch erfreut, meine Dankes werte gütigst über- ] Mitteln zu wollen.

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