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Der Israelit · 1871-05-03 · Heft 18 (3.5.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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aufdrückte und fort und fort brennend erhielt. Die Judeckrerachtung sprach sich in den geschlicheü Bestimmungen, wie in den Sitten und Gebräuchen des täglichen Lebens aus. „Im prostetantischen Holland wurden fast bis zu den Zeiten Louis Bonaparte's die jüdischen Insassen des Armenhauses gezwungen, am Sonnabend zu arbeiten, sofern sie nicht in fünf Tagen die ihnen für die Woche aufgegebene Arbeitszahl vollendet hatten. Mehrere deutsche Bäder wiesen unter' ihren Privilegien das Recht auf, keinen Juden zu dulden. In Straßburg leben Leute, die sich erinnern, daß ein Jude für Vergünstigung, sich in der Stadt aufhalten zu dürfen, täglich drei Franken zahlen muhte. Im Herzogthum Anhalt-Dessau hatten die Juden bis zum Jahre 1848 kein Bürgerrecht; sie waren Schutzjuden, zahlten Schutzgeld und waren mit ihren Wohnungen auf gewisse Stadttheile beschränkt: m Mecklenburg hat diesen Zuständen erst der Norddeutsche Reichstag ein Ende gemacht. Bis zum Jahre 4851 belegten Vbic Gesetze der freien Schweiz jeden Christen, der einem Juden Arbeit gab, mit 300 Francs Buße. In Rußland maßt sich die Regierung noch bis auf den heuztigen Tag das Recht an, den Juden ihre Kleidung vor uschreiben. Die römischen Juden befinden sich noch jetzt in einem wahrhaft mittalterlichen Zustande. *) Ein in Rom ansässiger Jude findet in keiner Kunstschule, keinem Lehr-Jnstitut Aufnahme, die Gallerten sind ihm verschlossen, ebenso jedes Handwerk, ja es ist den Juden sogar verboten, öffentlich ein Instrument zu spielen, oder zu singen. Papst Mus IX. hat zwar die Thore des Ghetto geöffnet, die Kirche geschlossen, in der sie jeden Sonnabend eine Prediger für ihre Bekehrung anhören mußten und den empörenden Gebrauch abgeschafft, daß sie alljährlich fußfällig um die Erlaubniß zu bitten Hatten, noch ein Jahr in Rom bleiben zu dürfen und zum Zeichen der Gewährung dieser Bitte in der Person ihres Vorstehers vom Papste einen Fußtritt empfingen. Trotzdem geben die Zustände, in welchen sich die römischen Juden und das römische Ghetto befinden, noch ein sehr treues Bild voll dem Drucke, welcher einst in allen Ländern der Christenheit auf diesem Volke lastete." Der Verfasser rühmt die Sanftmuth und Geduld, mit welcher die Juden alle diese Unbill ertragen und nennt sie die wahren Christen, welche die Lehren der Bergpredigt am besten beherzigt und praktisch geübt hätten. Hierauf geht er zum häuslichen Leben der Juden über, schildert die Poesie des Sabbats in einer orthodoxen jüdischen Fanrilie, die gottesdienstliche Feier desselben und der hohen Festtage, die Gebete und Ceremonien und macht die sehr treffende Bemerkung: „Die jüdische Religion hat nur Eine Idee — Gott. *) Der Aufsatz ist vor der Besetzung Roms durch die Truppen Viktor Emanuels geschrieben. Der orthodoxe Jude steht mit Gott auf und legt sich rsiit ihm nieder, er dantt, preist und lobsingt ihm ohne Unterlaß, er betet unaufhörlich." „Unsere israelitischen Brüder," heißt es dann, auf die Gegenwart übergehend, weiter, „sind jetzt, abgesehen von den Einflüssen des Liberalismus, welche sich in je-! der Glaubensform geltend machen, noch ganz besonderen j Versuchungen ausgefetzt. Früher überall verfolgt und verachtet, beginnt man jetzt, sie zu ehren und zu suchen. Das Beispiel der jüngsten Natron, die alle Religionen schützt und keine besonders anerkennt, ist nicht ohne woylthätigen Einfluß aus die Stellung der Juden irr allen christlichen Ländern und darüber hinaus geblieben. Es ist noch nicht allzu lange her, daß den Juden die Pforten des englischen Parlaments geöffnet wurden, aber es hat seitdem keine unbeträchtliche Anzahl jüdischer Mitglieder darin gesessen und von diesen allen nur ein einziger, der es mit der Reaktion hielt und der war ein i Renegat. Ebenso sind an den Universitäten Juden als j Professoren thätig, und in der städtischen Verwaltung! Londons sind eine so große Anzahl von Juden, daß | man beinahe sagen könnte, sie hätten das Uebergewicht. Glücklicherweise sind die Juden keine Proselytenmacher und können Atdermann sein, ohne den Versuch zu machen, dieses Amt zum Vorthcil ihrer Synagoge auszubeuten." Auffallend ist es, wie wenig der Verfasser über die Stellung der Juden in Frankreich sagt, während wir es dem Franzosen lassen müssen, daß er schon seit langen Jahren jeden Unterschied zwischen Christ und Jude aufgehoben und ein Beispiel gegeben hat, das eher die Nachahmung Europas verdient hätte, als französische Mode, französischer Luxus, französischer Leichtfertigkeit, denen man sitavisch gehuldigt hat. Eingehender beschäftigt sich der Aufsatz mit Deutschland, wo man den Juden endlich überall die Gleichheit vor dem Gesetz mit den Christen zugestanden. Nach unserer Ansicht ist das etwas, aber noch nicht viel. Die Juden im neuen deutschen Kaiserreiche, für dessen Begründung und Bertheidigung sie ganz ebenso, wie ihre christlichen Mitbürger, ihr Gut und Blut Hingebell, haben ein gutes Recht zu fordern, daß man bei allen Staatsämtern, in allen politischen und socialen Beziehung nicht lnehr nach dem religiösen Glaubensbekenntnis, sondern nur nach Tüchtigtigkeit und Vaterlandsliebe frage. „Spanien," fährt der Verfasser fort, „hat sich, o Wunder, den Nationen zngesellt, welche den Inden die Menschenrechte gewähren, und bald wird sich in Madrid ein jüdischer Tempel erheben, der erste, der seit 1492 in Spanien errichtet werden bars. Schweden hat ebenfalls aus seinen Gesetzbüchern jeden Paragraphen entfernt, der einen Unterschied zwischen Inden und Christen ansrecht erhielt, und Rußland ist gegenwärtig (nach dem Fall des Papstchumo) wohl das einzige Land En-

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