Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1871)
- Date
- 1871-05-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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349 Tr csifilfefptt. Zur rechtw Zeit, m Das Urtheil. „ Verrath?" fragte der Fürst. „Wer will uns verrathen." „ Drtrchlauchttgster Herr/' entgegnete der Junker, „das Walten der Vorsehung hat mich einem schändlichen Plane auf die Spur kommen lassen, der vielleicht gegen meines gnädigsten Herrn Leben geschmiedet ist!" „Gegen mein Leben!" rief der Fürst erschreckt. „Gegen das Leben meines theuren Gemahls?" fragte die Fürstin. „Ja. meine gnädigsten Herrschaften, so ist es Heute Morgen ging ich auf die Jagd, ich passirte die Chaussee nach Kattenheim. Da iah ich den Hofagenten Nathan Anspach im eifrigen Gespräche. mit einem fremden Manne. „Besorgt mir nur die Briefe gut," sagte der Jude, „und gebt sie nur in die Hände des Fürsten von Kottenheim." „Des Fürsten von Kottenheim4" fragte Fürst Ferdinand. „Auch ich stutzte bei Nennung dieses Namens, gnädigster Herr. Was hat, fragte ich mich, dieser Jude mit dem Fürsten von Kattenheim zu schaffen, der nur auf den Tod meines Herrn lauert? Ich verbarg mich hinter einem Baume und wartete, bis der Jude, der nach Hohenburg zurückkehrte, an mir vorüber war. Dann folgte ich den: Boten. Es dauerte nicht lgnge, so hatte ich ihn eingeholt. Ich setzte ihm die Pistole auf die Brust und förderte die Briefe. Zitternd gab er sie mir. Ich verlangte, daß er .mit mix sich hierher begebe. Er kchrte mit mir uni, entwischte nur aber bei einer Biegung des Weges. Hier smd die Briefe, gnädigster Herr!" „Du hast sie -noch nicht erbrochen?" „Das wollte ich meinem Fürsten überlassen." Der Fürst besah die Briefe; sie waren mit dem Siegel des Hofagenten gesiegelt. Dann erbrach er sie und stieß einen Schrei aus. „Ha," rief er, „diese Schlange, die ich an meinem Busen großgezogen, dieser Jude, dem ich mein ganzes Vertrauen geschenkt hatte! Wie Recht hat doch der Hofprediger. „Aber, mein Gemahl," fragte die Fürstin, „was enthatten diese Briefe?" „Der Jude, der Verräther," antwortete der Fürst, „erbietet sich, auf die Pläne des Fürsten von Kattenheim einzugehen und mich auf die eine 'oder die andere Weise aus der Wett zn schaffen; noch wiffe er nicht wie; aber er würde schon einen der Diener zu gewinnen wissen, der mir Gift reichen solle!" „Welch eine höllische Bosheit!" rief der Junker. „Was gedenkst Du zu thun, mein Gemahl? fragte die Fürstin. „Der Jude sott sogleich! in den Kerker wandern; die Sache soll genau untersucht werden und dann soll der Jude am Galgen sterben." „„Und der Fürst von Kattenheim, Dein nächster Verwandter? Welches Aufsehen würde dieser Proceß erregen, welche Schande über unsere Familie bringen! Nein, jeder öffentliche Schritt muß vermieden werden! Wozu bedarf es überhaupt noch der Untersuchung? Die Schuld des Juden liegt ja klar zu Tage! Und sollte er sich auch von dieser Beschuldigung rein zu waschen vermögen, so verdient er doch den Tod wegen seines Uebermuthes, er und sein hofföttiges Weib, das sich erftecht, Gewänder gleich mir zu tragen, in Equipagen gleich der meinigen zu fahren!"" Fürst Ferdinand schwieg. Ohne Untersuchung sollte er den Mann ermorden lassen, dem er seit Jahren das höchste Vertrauen geschenkt hatte! „Was meinst Du, Görz?" fragte er endlich. „Ich kann," entgegnete dieser, „der gnädig n Fürstin nur zustimmen. Euer Durchlaucht dürfen Hochderp Verwandten nicht compromittiren, sich nicht selbst mdas Gerede der Wett bringen. Und dann ist es ja nur ein Jude, mit dem man öhuehin nicht viele Umstände z« machen braucht." „Nun wohl," sagte der Fürst langsam, „er sterbe. Aber wie soll man ihn timten, ohne daß großes Umsehen davon gewacht werde?" „Nicht nur er," sagte die Fürstin, „auch sein Weib muß sterben, damit sie nicht nach dem Tode ihres Mannes Kaiser und Reich in Bewegung setze. Auch das Kind muß sterben, die ganze Brut muß hinweggerafst werden!" „Auch das Weib und das unschuldige Kind?" ftagle der Fürst, entsetzt auf fein grausames Weib blickend. „Was ist's weiter, Durch aucht," lachte der Junker, „als Satansbrut? Soll daß Kind leben bleiben und heranwachsen und mit Hilfe von Hölle und Teufel ferne Eltern rächen? Uebrsgens, es ist ja nur ein Judenkind!" „Mein Gemahl," sagte die Fürstin, „Sie zeigten mir unlänA den „Jrmgfernkuß"; schaffen wir die Judenbrnt durch diesen Kuß ans der Wett!" „Thue, was Du willst," sagte der Fürst, „nur sprich mir nicht mehr davon. Die Treulosigkeit dieses Juden trifft inich zn schinerzlich." Während diese Dinge im Schlosse verhandelt wurden, war Nathan, früher als fein Weib ihn erwartet