Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1871)
- Date
- 1871-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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vor dem Fall kam, sondern wie er erst satten mußtenm seine Galgenhöhe zn erschwingen — und diesmal Nichts, gar Nichts!" Näher und näher kam der Purim. Ich hatte mich schon mit aller Resignation darein gefügt, die nbiü dieses Jahr aus dem mnn zu lesen, obwohl ich von Neustadt im hessischen Odenwalde weit, sehr weit entfernt war. Da — es war Sonntag am 5. März, also zwei Tage vor Purin: — kömmt plötzlich eine Ordonnanz rn's Dorf gesprengt und bringt die Nachricht von: Friedensschluß, und den Befehl zum Rückmarsch. „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!" war die allgemeine freudige Losung, unter welcher nun schleunigst die Tornister gepackt wurden. denn in einer Stunde sollte schon abmarschirt werden. Da tauchte mir plötzlich eine Erinnerung auf. Als ich mich vor etwa vier Wochen in Orleans verabschiedete, bat mich mein Wrrth: „Seien Sie auf Purim wieder bei uns!" „„Sie wissen, Herr F.,"" erwiderte ich, „„das; man als Soldat heute nicht bestimmen kann, wo man morgen sein wird und nun gar auf 4Wochen hinaus."" „Wenn Sie den festen Entschluß haben, Purim bei uns sein zu wollen, so weiß ich, daß Sie auch die Gelegenheit dazu finden werden, ib ppvv jon. Wir rechnen also auf Sie!" „ „Nun denn, auf Wiedersehen!" " rief ich den Zurückbleibenden nach und entfernte mich rasch. Daran dachte ich, als sich eben unsere Quartier- Macher anschickten, fortznfahren. Da diese immer einen Tag Vorsprung haben, so suchte und fand ich Gelegenheit, Mich ihnen anznschließen. Wir kamen ans diese Weise sehr rasch vorwärts, und waren am Abend schon in Longpro, einem Dorfe, das eben so elend und verkommen war, daß es des Purim nicht bedurft hätte, mn mich vorwärts zu treiben. Montag Mittag nm 12 Uhr kam ich nach Champigny, von da gings nach Blois und um 5 Uhr Abends war ich in Orleans. Als ich das Hans meines Gönners betrat, schickte dieser sich gerade an, in die Synagoge zn gehen. Die Freude des Wiedersehens war eine gegenseitige, herzliche. „Habe ich's nicht gesagt, er kommt doch!" rief mir meist Wirth entgegen. „„Non papa,tttt rief die ältere Tochter, „„Du hast schon geglaubt, monsieur ne viendra plus, aber ich habe gesagt, er kommt entweder aujourd’hui bien tard oder demain matin. “a Ich aber konnte vor Ermüdung kaum antworten, denn jetzt, an meinem Reiseziele angelangt, fühlte ich erst, wie mich die anstrengende ununterbrochene Reise und der ~>nb.v h*wn erschöpft hatten. Doch ds war hohe Zeit, zur Synagoge zu gehen. Dieselbe war Meistens von Soldaten und deutschen Kaufleuttn besucht. Ndan konnte dies schon an ddm Inhalte der ftir nij/ö O'MS k. ausgestellten porzellanenen Tellerchen sehen, in denen mehr Silbergroschen als Sousstücke glänzten. Nun folgte das Mincha - und Maarivgebet und dann die m -. Der?or. wurde gewissenhaft geklopft, und so haben auch hier unfern Soldaten bewiesen, daß sie das Klopfen gründlich verstehen. Als aber zn Hause bei der n-nyD trotz alledem und alledem derselbe Haman in Gestalt geräucherten Fleisches erschien, gingen wir mit Messern und Gabeln aus ihn los und vertilgten ihn — aber nicht sein Andenken. Lange werde ich noch an diesen Abend und überhaupt an den in Orleans verlebten Purim denken. Wir waren eine bunt durcheinandergewürfelie Gesellschaft; Soldaten der verschiedensten Waffengattungen, einige Berliner Armeelieferanten und an der Spitze unser gastlicher Wirth' Der Rothwcin hatte bald die Zungen gelöst und uns in eine des Purim würdige Stellung versetzt, die am folgenden Tage, als am eigentlichen Purim, noch erhöht wurde. Wir wohnten nänüich am folgenden Morgen dem Beschneidungsseste eines zwei Monate alten Kindes bei, das ans Mangel an einem mb nicht früher konnte gefeiert werden. Bei dieser Gelegenheit Machte ich die Bekanntschaft mehrerer Herren ans Paris, unter denen auch einige mn m waren. Es fährt gleich ein anderer Geist in eine Gesellschaft, welche sich gern gegenseitig mit Thauroh unterhält. Mein Pariser Tischnachbar, der, wie er mir sagte, sehr selten Gelegenheit hat, sich aus diese Weise zu unterhalten, strömte über von sogenannten „Wörtcher", und war überglücklich, in mir einen aufmerksamen Zuhörer zu finden. Wir trennten uns spät; und der Unterschied zwischen |on nr» und mn mm fing schon an, mir minder schroff zu erscheinen; ich begab mich also zur Ruhe. — Heute aber, am nüchternen Schuschan Purim, {bat cs mir in der Seele wohl, ehe ich wieder mein Regiment aussuchte, meinen „Purim in Orleans" niederzuschreiben, um ihn so noch einmal im Geiste wenigstens zu wiederholen. Doch ich schließe, denn schon droht mein Brief so laug zu werden, als er ans sich warten ließ. England London. In London wurde dieies Jahr durch die Angestellten der United-Synagoge 56,000 Psd. oder über 28 Tonnen Mazzos an die Armen vertheilt; von diesen erhielten fremde Arme 39,000 Psd. (Jew. Ehr.) Australien. Sydney. Das Comite Jork-Street - Gemeinde hat einen Platz für 20,000 fl. gekauft, um darauf eine Synagoge bauen zu lassen. Herr Louis Salomon wurde zum Mayor von Albury erwählt. (Jew. Ehr.)