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Der Israelit · 1871-05-03 · Heft 18 (3.5.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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346 schieden, ja fast den Gegensatz dazu bildend, ist das echt deutsche Communal- und Vereinswesen; dafür kann sich nirgends, wie in Deutschland, ein Bund bilden, der so recht dem urdeutschen Typus entspricht, dem sich ja gar keine Confession entziehen kann, darf und will. Diese heilsame Association, das Größte und Gewaltigste unter den Errungenschaften des deutschen Geistes, wird nun wiederum die heilsamen Früchte weit über die Vogesen hinaus tragen, und Frankreich das schöne Beispiel einer Gesammtheit ohne Aufgeben der einzelnen Autonomie geben. Warum sollten also diese so nützlichen Institute gegenseitig sich einander gram, ja einander feindselig fein? Meine Auseinandersetzungen haben sich zu größerer Ausdehnung erweitert, als ich es ursprünglich beabsichtigt; so große Fragen können aber nicht mit wenigen Worten abgethan werden. Ich will mich schließlich nur noch darüber ausfprechen, warum ich mich aller positiven Vorschläge zur Realisirung der besprochenen Fragen enthalten habe. Obgleich mtt allerdings meine Erfahrung auch so Manches an die Hand gibt, so hielt ich doch dafür, für jetzt ganz davon abzusehen. Es findet sich nämlich diese aanze Angelegenheit offenbar noch .im Stadium von Vorarbeiten zu einer Constituante, und handelt es sich jetzt nur darum, auf Grund der jetzt vorläufig angenommenen Basis eine möglichst große Anzahl von Gemeinden um dieselben zu vereinigen und dann von den Delegirten dieser Gemeinden erst eine constituirende Versammlung behufs Entwurfs eines Organisationsftatutes zu wählen, die dann die Vorschläge zpr Realisirung erst berathen kann, und in welchem Stadium allerdings Jeder die Pflicht hat, auf Grund seiner Erfahrungen mit Vorschlägen hervorzutreten. . Strebt nun aber der Gemeindebund ohne jeden Hintergedanken nach Realisirung der oben auseinandergesetzten Zwecke, so halte ich es für sehr erwünscht, daß er so compact, wie möglich, seinem Ziele entgegenstreben kann. und Eorrespou denzeu. Deutschland. Mainz, 28. April. Unsere geehrten Leser wissen bereits seit längerer Zeit, daß die jüngstverflossenen Hungerjahre für die Israeliten Westrußlands von besonders ungünstigem Einflüsse auf die berühmte Jeschibah (Talmud-Hochschule) zu Wolozyn gewesen; wir haben bereits seit Jahren für dieselbe gesammelt und haben erst jüngst 190 Muhet Silber an den Vorsteher derselben, Herrn Rabbiner H. L. Berlin, geschickt, indem wir die bei uns für diesen Zweck eingegangenen Gelder durch solche ergänzten, welche, nachdem die Sammlungen für die Nothleidenden in Westrußland geschlossen, noch nachträglich für diese bei uns eingegangen waren, zumal ja jene Talmudbeflissenen in Wolozyn ebenfalls zu den Nothleidenden in Westrußland gehören. Heute erschien bei uns Herr Abraham Masel, ein tüchtiger Talmudgelehrter, Verfassers eines Commentars auf ünwr; -var, der beauftragt ist, für die Jeschibah von Wolozyn die Wohlthätigkeit unserer mildherzigen und für die Förderung des Thorastudiums begeisterten Glaubensgenossen anzusprechen. Wir erlauben uns hiermit, das Project des uns von verschiedenen Seiten dringend empfohlenen Herrn Masel ’"j auf's Wärmste zu befürworten. ObersHlefien, im April. In Nr. 7 dieses geschätzten Blattes spricht ein Correspondent aus Ostpreußen energisch gegen die unbedingte Aufhebung des Judengesetzes von 1847 und setzt lichtvoll auseinander, daß eine solche Aufhebung die Existenz der mittleren und kleinen Gemeinden bedrohe. Er fordert Gleichgesinnte auf, sich hierüber auszusprechen. Dieser Aufforderung leiste ich hiermit Genüge und erkläre mich mit jenem Herrn ganz einverstanden. Eine geehrte Redactton wird mir das Zeugniß geben, daß ich nicht zu Philippson und Consorten zähle. Es ist wahr, einige Paragraphen des Gesetzes von 1847 wirken nachtheilig, indem sie der Willkür der Gemeindevertretung — namentlich in Bezug auf religiöse Einrichtungen' — zu viel Spielraum gewähren; aber es ist nicht minder währ, daß es mit Aufhebung dieses Gesetzes noch ärger werden würde, und von zwei Nebeln soll man das kleinere wählen. Schreiber dieses erinnert sich noch recht wohl mit Grauen des Zustandes vor 1847. Welche Verwirrung, welche trostlose Zerfahrenheit in sehr vielen mittleren und kleinen Gemeinden! Mit wenigen Ausnahmen hielt sich Jeder für zu hoch besteuert, jedenfalls im Verhältnis zu Dem oder Jenem, und er steuerte nach Belieben oder auch gar nicht. Zwangsmittel gab es so viel wie keine. Bei geringster Veranlassung entschloß sich irgend ein Krakehler, deren es überall gibt, zur Steuerverweigerung und leicht fand er Gleichgesinnte, da sich zum Nichtgeben leicht Genossen finoen. In kleineren Gemeinden aber zieht die Steuerverweigerung von Wenigen häufig schon die Zerrüttung des ganzen Gemeinwesens llach sich. Unter so bewandten Umständen kann es nrcht wundern, daß es überaus schwer hielt, einen gesinnungstüchtigen Mann für das Vorsteheramt zu gewinnen. Der Rabbiner mußte zuweilen bettelnd von Thür zu Thür gehen, um Jemand für die Annahme dieses Amtes zu gewinnen, und nicht selten wurde es um irgend eiller Ursache willen bald wieder niedergelegt. Es wurde zu weit führen, diese trübseligen Zustände genauer aus-

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