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Der Israelit · 1871-05-03 · Heft 18 (3.5.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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weitere Worte darüber verlieren zu müssen? Qui s’excuse accuee. Es bleibt mir noch übrig, von den übrigen drei Fundamentalpunkten zu sprechen , die ich, tvoffim die ersten beiden den bereits besprochenen voraus gehen, erst jetzt folgen lasse, weil die bereits besprochenen Punkte offenbar das eigentliche Movens des ganzen Unternehmens sind. Der erste der uns noch der Besprechung vorliegenden Punkte lautet: „Die Schaffung eines Centralorgans für die Vertretung deutsch-jüdischer Interessen." Bei der Dunkelheit des hier gewählten Ausdruckes konnte ich mich mit diesem Punkte nicht früher befreunden, als mir derselbe von Herrn K. in einer um' relativ , aber nur relativ acceptavlen Seite interpretirt wurde, was aber jedenfalls durch redactionelle Aenderungen klar und deutlich ausgedrückt werden muß. Es handelt sich dabei um das unter dem Ausdrucke „Centralorgan" zu Verstehende. Jeder denkt hierbei zunächst an ein publicistisches Organ, ein Zeitungsblatt. Ein solches erscheint uns aber für unseren Zweck sehr bedenklich und kommen wir hier unwillkürlich auf den Punkt, der dem Gemeindebunde von vornherein die Sympathien der orthodoxen Juden geraubt, ja es ist nicht zu leugnen, dauerndes Mißtrauen bewirkt hat. Da die Thatsachen ziemlich bekannt sind, so kann ich mich um so kürzer fassen. Derselbe tagte bekanntlich in seinen ersten Ansängen gleichzeitig mit der Synode und ließ sich bei dieser Gelegenheit von der Prälaftn-Hoheit, die so ziemlich die stärkste Seite der synodlerischen Priester ist, bedeutend influenciren. Er hat es dadurch sich selbst zuzuschreiben , daß man ihm geheime Tendenzen insinuirt, welche der religiösen'Destruction der Synode entsprechen. „Solange nun der Gemeindebund sich nicht „öffentlich offen und klar von jeder Bezie- „hung zur Synode oder überhaupt zu irgend „welchen religiös-reformatorischen Tenden- „zen lossagt, so lange wird er die aus den „ersten Tagen desselben. hervorgegangene „Beforgniß eines Einverständnisses mit der „Synode nicht verscheuchen, und die Sympathien der orthodoxen Parthei nicht gewin- „nen können; nur im Falle der unumwunde- „nen Conftatirung der vollständigen Unabhängigkeit von der Synode und der voll- „stänoigen Entsagung jeder religiösen Neuerung wird er die orthodoxe Parthei, dann „aber auch sicher die ganze in sich vereinigen „können." Er thut daher sehr gut daran, immer die Einrichtung zu treffen, die Herren Synodler anderswo, etwa nach Herzenslust in Augsburg, sich gegenseitig reden hören zu lassen, nur nicht in Leipzig, wo der Gemeindebund seine nüchternen Kaufleute vereinigen mag. Gründet nun der Gemeindebund ein Organ , so ist es unmöglich zu vermeiden, bei so oft vorkommenden culluellen Fragen in Gemeinden einen bestimmten religiö-! sen Standpunkt einzunchmen, der aber selbstverständlich den Zunder der Zwietracht in den Bund tragen muß. Rein nihilistisch aber und indifferent sich zu verhalten, wäre erst recht verderblich. Es soll tum aber, wie mir Herr K. sagte, dabei auch gar nicht an dergleichen gedacht worden sein, sottderu nur an eine frei gewählte Verwaltungsbehörde des Bundes. Attch hierbei stoßen wir auf die große Frage über Centralisation und Decentralisation, deren Erörterung hier selbstverständlich viel zu weit führett würee. Im Allgemeinen nur soviel, das unserer Meinung nach ebenwwohl auf dem Gebiete des Religiösen wie des Politischen die Erfahrung wohl Jeden lehrt, daß beide Standpunkte einseittg festgehalten vorn Uebel sind, daß ebensosehr die stramme Centralisation — welch' schauerliches Beispiel gibt uns nicht Frankreich im Augertblicke — wie auch die ungebundene Decentralisation, — welche beispielsweise das politische Streben Ungarns Jahrhunderte lang beherrschte und größtentheils noch jetzt beherrscht, — ohne gleichzeitige Garantie für die berechtigte Individualität des Einzelnen und das Zusammenhalten des großen Ganzen vom Uebel, und daß hier ganz besonders „die goldene Mitte" das einzig Richtige ist. Punkt h. lautet: „Der Austausch gegenseitiger Erfahrungen in den verschiedenen Verwaltungszweigen uni) den Wohlthätigkeitsanstalten." Wem wird diese Gegenseitigkeit des Erfahrungsaustausches nicht als höchst wün- < scheuslverth und nützlich erscheinen? - Endlich Punkt e. „Förderung der „Alliance Jsraetite Universelle". Wir freuen uns recht. daß die Gründer des Gemeindebundes diesen Punkt in den revidirten Ptlnktationsentwurf aufgenommen und sich dadurch vor der Zumuthnng geschützt haben, die „Alliance" in Deutschland lahm legen zu wollen. Wir sind zwar fest überzeugt, daß sich dieselbett diese Unterstellung wiederum nur durch die Synode zugezogen, deren bMnnter Urheber in seiner bekannten Bescheidenheit von den Troj phäen der „Alliance" zu sehr int Schlafe gestört wird. -■ In der Thal hat die Welt wirklich Raum für Beides, ] die „Alliance" sowohl wie den „Gcmeindebund", ja ich ' 3 denke mir diese beiden Institute genau nach dem Nas tionalcharakter der beiden Länder, die sie geschaffen, nej ben einander, ja für einander wirksam. In Frankj reich wird bei noch so großer, erst zu erwartender Ver- -j Änderung der Organisation doch immer das Politische d. h. das staatlich Allgemeine dominiren. Es wird noch sehr, sehr lange dauern, bis wir in Deutschland ] Glaubensgenossen von solcher politischen Bedeutung wie Crenüeux, Fuld u. a. haben werden; der Appel eines j Cromieux an heimische und auswärtige Regierungen 1 wird von Deutschland kaum snbstituirt werden können;! in Damaskus, in Bukarest, Jassy, Petersburg u. f. w. I kann Niemand vorkommenden Falls mit solchem mora-! lischen Nimbus interveniren, wie die alte , hoffentlich bald wieder so starte „Alliance". Wesentlich davon ver-

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