Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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.34 Rußland. Das Verbot der jüd. Kleidertracht und des Bartjjjunb Lockentragens hat, einer Mittheilung der „Osts.- i Mg." zufolge," unter der Warschauer jüd. Bevölkerung Mne solche Aufregung und Mißstimmung hervorgerufen, jdaß viele von den altgläubigen und wohlhabenden Juden, j welche ihre altjüd. Tracht als eine durch die Religion i geheiligte Sitte ansehen, ernstlich mit der Absicht umge- J tfcn, aus dem Königreich Polen nach Westen auszuwauisoern. Diese sich immer offener kundgebende Mißstimmung hl bat denn auch die Regierung bereits veranlaßt, das Verbot in mehreren wesentlichen Punkten zu modificiren jjf und namentlich die Polizei anzuweisen, bei der Ausfüh- , rung des betreffenden Utas nicht mit zu großer Strenge htiu verfahren. (Die Sache wird denn wohl, wie es in Rußland nicht ungewöhnlich ist, auf eine Erpressung fit hinauslaufen. Die Polizei läßt sich zahlen dafür, daß hl sie ein Auge zudrückt.); r): j;;' "■■■"■gBL . 1. ■ gBSS_Ü! j Feuilleton. Km geschichtlicher Wückötick! auf die Juden in Elsaß und Lothringen.! Bearbeitet von L. (Fortsetzung.) jh Wir haben oben bereits bemerkt, daß der erste hl Anstoß zur bürgerlichen Gleichstellung der |H Juden von ihnen selbst ausging; und zwar waren es | : die Juden des Elsaß und Lothringen, welche zuerst ' die zweckmäßigen Vorkehrungen trafen. Die Juden zu Lüneville und Sargemünd reichten zuerst im :i' August 1789 ihre deßfallstge Bittschrift bei der Nat tionalversammlung ein. Gleichzeitig schrieben die; 4 Deputirten der portugiesischen Gemeinde zu Bordeaux j unterm 12. August an Herrn Grvgoire, damals Pfar- ' rer zu Embermeuil und Deputirten von Nancy; dieser hatte sich nämlich, wie wir bereits erwähnt, in einer Broschüre (Essay sur la regeneration physique, politique et morale des Juifs) als Beschützer der Juden zu erkennen gegeben. Sie baten ihn, in seinem I Eifer für die gute Sache fortzufahren, was jetzt um so leichter sei, als es der Umständlichkeit nicht mehr ij bedürfe, neue Gesetze als Vorbereitung zu finden, wie ' dies vor der Revolution seine Ansicht gewesen war. Schon seien viele Juden freiwillig in die patriotischen Regimenter eingetreten und einer derselben Hauptmann; geworden; kurz, es fehle ihnen nichts zur Einheit als - das Gesetz, welches diese anerkenne. Die Juden zu Paris kamen am 26. August ebenfalls bei der Nationalversammlung ein, baten um ausdrückliche Erwähnung der Juden in dem neuen, die Menschenrechte bestimmenden Gesetz und um Aufhebung aller ihnen zustehenden Autonomie. Bald trugen auch die Juden zu M e tz, in den 3 Bisthümern, und von Elsaß und Lothringen in corpore unterm 31. August ihre eben dahin gerichtete Bitte vor. Sie schilderten eindringlich den Druck, unter dem sie seufzten und die Mißbandlungen, denen sie ausgeseht seien, zeigten die Vortheile, die aus der Befreiung von 50,009 Menschen dem Staate erwachsen müssen und baten um bürgerliche Freiheit, jedoch mit der bestehenden Synagogeneinrichtung und Beibehaltung einen Grades von Autonomie zur Vermeidung der Irreligion. Die Metzer Judenschaft begleitete dies noch mit einem besonderen Gesuche, ihre Gemeinde allein betreffend, die durch ungeheure Auflagen — wir erinnern nur an den Herzog v. Brancas und die Grästn de Fontaine — und zwar unter solidarischer Verpflichtung , in drückende Schulden gerathen war, bat um zweckmäßige Anordnungen hierüber und reinigte sich nebenbei von dem ihr gemachten Vorwurfe des dort überhand nehmenden Wuchers, indem sie auf jeden Fall um die Erlaubnkß, Handwerke zu treiben und Gewerbeschulen zu errichten, um ihren besseren Sinn bethätigen zu können, nachsuchte. Die Deputirten der Juden hielten sich zwei Monate in Versailles auf und erhielten am 14. October Audienz bei der National - Versammlung. Ber-Jsac- Ber führte das Wort und trug in einer kurzen Rede auf Berücksichtigung der eingereichten Bittschriften an. Der Präsident antwortete ihm, daß die National- Versammlung sich mit der Besserung ihres Zustandes befassen werde. Auf den Antrag Gregoire's ward noch bewilligt, die Sache der Juden nicht über diese Sitzung der Deputirten zu verschieben und auch den jüdischen Deputirten die Anwesenheit bei den Debatten zu gönnen. Die National-Versammlung wurde unterdessen durch einen Vortrag des Grafen Stanislaus de Clermont von der Gefahr, in welcher die Juden im Elsaß schwebten, inKenntniß gesetzt und beschloß, vorläufig ein Schutzschreiben ergehen zu lassen und alle Behörden auszufordern, über die Bewegungen des Volkes, das eine völlige Ausrottung der Juden beabsichtigte, ein wachsames Auge zu haben und jede Gewaltthat streng zu ahnden. Der Deputirte Grsgoire hielt aber bald darauf seinen gediegenen Vortrag, worin er zuerst auf die Geschichte der Juden, als einen bis dahin noch schlummernden Gegenstand der Wissenschaft, hinwies, der am Besten dazu dienen würde, ihre Verhältnisse zu durchschauen und zu veredeln; dann lieferte er im Auszuge die Bitten der Judendeputirten und schilderte die Lage der Juden im Allgemeinen mit sehr grellen und etwas überladenen Farben; schließlich trug er