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Der Israelit · 1871-04-26 · Heft 17 (26.4.1871) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 17 (26.4.1871)
Date
1871-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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WS darauf an, daß den Juden alle Schutzgelder erlassen; daß ihnen die Freiheit, überall zu wohnen, Grundstücke zu besitzen, Künste, Handwerke, Ackerbau zu treiben, völlige Gleichstellung mit allen Bürgern in Rechter und Pflichten ertheilt werde. Die Naiional-Versammlung genehmigte zuerst die Einbürgerung aller derjenigen Juden, welch? vor 1789 bereits naturalisirt worden waren. Später und zwrr eben in der oben erwähnten Sitzung vom 28. September 1791 wurden alle Juden, welche den Bürgereid leisten und somit alle bürgerlichen Pflichten übernehmen würden, für echte Franzosen erklärt und aller Unterschied aufgehoben. Hierdurch erhielten die Juden plötzlich, was sie seit 17 Jahrhunderten nicht hatten — ein Vaterland. Von allen Seiten sah .nan die Juden die Waffen mit ergreifen, Gelder zur Unterstützung der Nation herschießen und mit Wärme an dem Zustande dieses neuen Vaterlandes Theil nehmen. Eine unglaubliche Veränderung zeigte sich von dem Augenblicke ihrer Befreiung an: alle Kräfte schienen bereits entwickelt nur auf die Anwendung zu harren, und Lebenslust, Sinn für Gemeinwohl, Tapferkeit, Ehrgeiz, Redekunst erwachten in den bisher niedergeschlagenen, zurückgezogenen, feigen, gleichgiltigen und fast sprachlosen Menschen. Auch die besseren Gewerbe wurden bald von den Juden, an einigen Orten früher, an andern, besonders in der Rheingegend, später gewählt. Wenige Schwierigkeiten hinderten nur die gänzliche Vernichtung aller die Juden kennzeichnenden Merkmale. Diese be^ standen in d>n Verwicklungen bisher bestandener Geschäftsverbindungen, die nicht so bald geordnet sein konnten, um den an Handel gewöhnten Juden ein rasches Ergreifen nichtkaufmännischer Geschäfte zu gestatten. Auch diese Hindernisse wurden späterhin durch Vorkehrungen theilweise des Kaisers Napoleon beseitigt. ' (Forts, folgt.) 1 Nekrolog.! Mainz, 21. April. Mit tiefbewegtem Herzen sind wir heute in die traurige Lage versetzt, den geehrren Lesern eine höchst schmerzliche Nachricht mitzutheilen. Frau Sophie Bondi, die Gattin des weitberühmten Rabbi Samuel B o n d i , die Schwiegermutter des Herausgebers dieser Blätter, ist nicht mehr; wir haben sie gestern zur letzten Ruhestätte geleitet. Was namentlich unsere Familie in dieser edlen, frommen Frau, einer wahrhaften nzw, verloren, weiß ein Jeder zu beurtheilen, der die Dahingeschiedene kannte. Frau Sophie Bondi y“:, die Tochter des in seiner Zeit rühmlichft bekannten Rabbi Meyer Epstein V's"t von Fulda, wurde schon als achtzehnjähriges junges Mädchen mit ihrein um wenige Jahre älteren, edlen Gatten vermählt, mit dem sie fnnfnndfünfzrg Jahre in ungetrübtem ehelichen: Glücke, in aufopferungsvoller, hingebender Liebe gelebt hat. Wie sie im Vereine mit ihrem unvergleichlichen Gatten vn;jBn r,o’ -p.vi 'rr ayn ihre Söhne und Töchter erzogen, wie sie mit der größten Gewifsenhattigkeit und Sorgfalt den Pflichten unserer heiligen Religion nachgekommen, in wie hohem Maaße ne die großen Tugenden von nn’Di , npia Gvnw rjjDn .onon :c. übte, das cntyicljt sich jeder Schilderung, jeder Beschreibung. Auf die Trauerkunde hin waren ihre Söhne, Töchter, Schwiegersöhne, Enkel und Enkelinnen, sowie zahlreiche andere Verwandte aus der Nähe und Ferne herbeigeeilt, tlm der so Tiefbetrauerten das Geleit zum letzten Gange zu geben und so wurde sie denn, felbstverftändlich auch unter der Betheiligung fast der ganzen hiesigen Gemeinde, unter heißen Thränen zur Ruhe bestattet. Der Schmerz der Hinterbliebenen ist um so größer , da eine vor wenigen Wochen von der Hand' des Allgütigen geschlagene Wunde noch nicht vernarbt ist; Sonntag, den 26. März, verschied nämlich die Gattin unseres Schwagers Bertram Bondi Frau R o sali e Bondi y''3, geborene Hechinger, aus Harburg in Bayern, nach nur kurzem Krankenlager an einem typhösen Fieber. Die Tieibetrauerte wurde nach nur sechsjähriger, überaus glücklicher Ehe in noch jugendlichem Alter, man kann sagen, in der Fülle der Gesundheit und Kraft, dahingerafft. Drei kleine Kinder '"n, von denen das jüngste erst wenige Monate zählt, haben in ihr die zärtliche Mutter verloren; auch sie war eine >ti ntfx, die Freude und das Glück ihrer erst vor Jahresfrist verwittweten Mutter 'ns?. Möge der allgütige Gott n"3 alle Betrübten trösten und die Thränen trocknen von jeglicher Wange. ANZEIGEN. der israelitischen Gemeinde Alpe n bei Wesel ist V die Stelle eines geprüften Elementar- Religionslehrers und Cantors gleich zu besetzen. Gebalt bei freier' Wohnung und Heizung 200—230 Thlr. p. a. und vielen Nebenverdiensten.' Reflectirende wollen sich wenden an den Vorstand. Jos. Meyer.

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