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Der Israelit · 1871-04-26 · Heft 17 (26.4.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 17 (26.4.1871)
Date
1871-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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333 Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. 2Bten, 13. April. Aus Kaiser-Ebersdorf wird der „Presse" folgendes erbauliche Geschichtchen mitgetheilt: „Ein junges Mädchen lag sterbenskrank danieder; der Arzt gab wenig Hofft mg und die tiefbekümmerten Eltern wollten daher noch einen zweiten Arzt, lind zwar den in Schwechat domicilirenden, der zufällig Jude ist, zu Rathe ziehen; dieses Vorhaben der Eltern wurde dem Ortspfarrer mitgetheilt, der sie hierauf zu sich kommen ließ, ihnen die herbsten Vorwürfe darüber machte, daß sie sich eines jüdischen Arztes bedienen wollten. Wenn sie dem jüd. Doctor ihr Kind anvertrauten, dam: sei nicht nur dessen Leben rettungslos verloren, sondern auch sein Seelenheil in Gefahr; zum Schlüsse drohte der Priester der Liebe mit Entziehung der „Tröstungen der Religion". Die Eltern ließen sich denn auch wirklich einschüchtern und verzichteten, damit nicht die Seele ihrer Tochter der Teufel hole, auf den Beistand des jüdischen Arztes." Pefth, 4. April. Die Congreßpartei in Ungarn hat beim Reichetag um Legalisirung der Congreß-Statuten petitionirt; die Orthodoxen haben eine Petition entgegengesetzten Sinnes eingereicht. Der Petitionsausschuß gab folgendes Gutachten ab: „Nachdem eine solche definitive Lösung der israelitischen Confessionsangelegenbeit, welche alle Interessen beruhigt und auch denjenigen Principien entspricht, die das Abgeordnetenhaus in seinem Beschluß vom 16. März v. I. als den Consessionsangelegenheiten gegenüber zu befolgende bezeichnete, nurfturch das hinsichtlich aller Confesstonen zu schaffende Gesetz über die Religions- und Gewissensfreiheit und Gleichheit erzielt werden kann: so gibt der Ausschuß sein Gutachten dahin ab, daß diese, die israelitische Angelegenheit von verschiedenen Gesichtspunkten darstellenden und beleuchtenden Gesuche vom Abgeordnetenhaus gegenwärtig zur Kenntniß genommen und dem Cultus- und Unterrichtsministerium zu dem Zwecke ^übergeben werden mögen, daß der Minister dieselben studire und bei den eventuell einzubringenden Vorlagen, welche sich auf die Organisation der israelitischen Confessionsangelegmheit beziehen werden, berücksichtige." Daniel JrLny spricht sich dahin aus, daß es Zeit sei, endlich einmal die allgemeine Religionsfreiheit zum Gesetz zu erheben. In die einzelnen inneren Angelegenheiten der Corftessionen hat die Regierung sich nicht zu mengen und die Statuten welcher Confesston immer sind nicht ein Gegenstand für die Verhandlungen der Legislative. Die Regierung möge angewiesen werden, das Religionsgesetz gleich nach den Osterfeierlagen der Erledigung zuzuführen und jedenfalls soll dasselbe noch in der heurigen Session des Reichstages erledigt werden. Damit erledigen sich au/, die 'Petitionen. (Zustimmung.) Der Bericht der Petitionscommisston wird ohne Debatte genehmigt. Die Petitionscommission hat sohin ihr GutachbW dahin abgegeben, daß den Wünschen der Reologcn betreffs Jnartikulirung der Congreßstatuten im Simft der Religionsfreiheit nicht entsprochen werden könne; ein Gutachten, welches obne jegliche SDefcattfe, vom Reichstage einstimmig gut^eheißen wurde! (Trad. Judenth.) Frankreich. Paris. „Folgen des Krieges vom isr. Standpunkte cuiö" ist die Überschrift eines Artikels der „Arch. Isr.", den wir im Folgenden wiedergebeu: „1) In Folge des Krieges und des nach demselben geschlossenen Friedensverirages verliert das israel. Frankreich von den zehn Circouscriptionen drei und zwar die bedeutendsten; die von Metz, Straßburg und Colmar. Diese drei Circouscriptionen enthalten außer dem Ober- Rabbinat in dem Hauptorte eine große Anzahl Rabbinate, an deren Spitze man als von Wichtigkeit das von Mühlhausen nennen kann. Metz war bis vor ungefähr zehn Jahren der Sitz der Rabbinerschule seit deren Begründung. Elsaß und Deutsch-Lothringen enthielt verhältnißmäßlg eine sehr große Anzahl Israeliten, von denen vielleicht die Hälfte französisch sprechen. Eine Menge Glaubensgenossen, welche in Paris und in dem Innern Frankreichs wohnen, stammen aus den eroberten Provinzen. 2) Aus demselben Grunde war auch das israel. Seminar tneistens von jungen Leuten aus diesen Provinzen besucht, was von nun an viel anders sein wird. 3) In diesen Provinzen waren die Kunst- und Handwerkerschulen, die dem Judenthume zur Ehre gereichen; sie hatten ihrert Sitz in Sttaßburg und Mühlhausen. 4) In intelleckueller und geistiger Beziehung nimmt das israel. Deutschland den obersten Rang ein, von da kamen die ftnchtttagenden Berichte und Nachrichten von unsern Glaubensgenossen aus beiden Seiten des Rheines. Seit denl Kriege haben diese ausgehört; werden sie jetzt wieder kommen? 5) Da die Staatsfinanzen wie vielleicht noch nie erschöpft sind, ist zu befürchten, daß das israel. Budget verringert wird; da heißt es, unsere Institutionen besonders überwachen, daß sie nicht dem bedrohten Falle entgegengehen." Man ersieht hieraus, wie wichtig die Folgen des jüngsten Krieges zwischen Frankreich und Deutschland für die israel. Interessen, sei es in geistiger oder materieller Beziehung, sind. Es wäre gefährlich, sie verheimlichen zu wollen und es ist nothwendig, schon jetzt nach den besten Mitteln zu suchen.

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