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Der Israelit · 1871-04-26 · Heft 17 (26.4.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 17 (26.4.1871)
Date
1871-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIL Jahrgang. Beilage z« Rr. 17 des Israelit. Leitender Artikel. Am Kerrreindeöunds -Arage. Von Rabbiner vr. Hildesheimer. Am 14. d. M. hatte ick das Vergnügen, Herrn Moritz Kohner, Vorsteher der Synagogengemeinde zu Leipzig und Vorsitzenden des Gemeindetages bei mir zu sehen; derselbe hatte die Güte, mir mir sehr ausführlich über Tendenz und Zweck des Gemeindebundes zu conferiren, und erfülle ich hiermit sehr gern dessen Wunsch, meine unmaßgebliche Ansicht über diese Angelegenheit den Lesern dieses Blattes vorzulegen, und klar und offen auseinanderzufetzen unter welchen Modalitäten ich mich und meine Gesinnungsgenossen nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet haltenden von den bisherigen Leitern des angestrebten Instituts geschehenen Schritten uns anzuschließen, und das Interesse desselben nach besten Kräften zu fördern. Ich thue dies aber um so lieber, als ich mich, wie Herr Kohner, der doch, wie kein Anderer Zweck und Absicht kennen muß, mich heilig versicherte in vollem Einklänge mit dem Standpunkte befinde, von welchen die ersten Unternehmer ausgingen und noch jetzt ausgehen. Ist es danach wahr, und ich habe nach den Auslastungen des Herrn K. nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln, daß der Gemeindebund in erster Linie im Auge habe, die so traurige Situation der universellen jüdischen Wohlthätigkeit (d. h. der über die Ortsarmen hinausgehenden) derartig zu organisiren, daß der wirklich Unterstützungsbedürftige, sei es in Rußland, Polen oder sonst wo, innerhalb und außerhalb Deutschlands, das ihm als Mensch und Jehudi Zukommende erhalte, ohne daß es durch das Reisen vertheuert wird, das vielleicht mehr als das Doppelte absvrbirte, Ehre und Selbstachtung raubte, ihn und seine Familie sittlich ruinirte; daß die Tausende von der entsetzlichsten Art, die Seitens der Unwürdigen geschehen, von uns abgewendet werden, die leider! nur zu oft der Unverstand und noch mehr schnöde Böswilligkeit zur Herabwürdigung der ganzen Judenheit, zum Mittel judenseindlicher Hinterlist benutzt, wodurch aber auch endlich vermieden werden soll, daß am Ende säst Jeder (leider gibt es nur sehr Wenige, bei denen dies nicht schon jetzt der Fall ist) an die Grenze seiner Geduld gelangt, das Kind mit dem Bade ausschüttet, den Unschuldigen und Würdigen mit dem Schuldigen und Unwürdigen leiden läßt; ist dies die aufrichtige Tendenz dieses Unternehmens, so kann jeder wahrhafte Menschenfreund, jedes echte jüdische Herz denjenigen nur tausendmal glücklich preisen, dem es gelingt, diesen Stein der Weisen zu heben, hierin das Richtige zu finden. Ich muß bei diesem Punkte noch etwas verweilen. Wer hätte nicht, und wohne er auch in dem kleinsten, früher ganz unbekannten Winkel, hierin schon die bittersten, herzbrechendsten Erfahrungen gemacht? Bei jetziger so großer Leichtigkeit zu reisen, gibt es kaum noch ein Plätzchen , das vor der Fluth der „Schnorrer" schützte, nirgends aber vielleicht in Deutschland ist das Capitel der zudringlichen Bettelei größer, als hier in Berlin. Polen und Rußland steigt hier als erste Station aus, und sucht in der Regel erst nach einigen Monaten den Anschluß mit dem übrigen Deutschland. Und wie werden diese Monate hier zugebracht! Das muß man erlebt haben, um es in feiner bodenlosen Tiefe zu kennen. Wohl ist mir bewußt, daß man über diese traurigen Thalsachen einen Schleier ziehen soll, solange es irgend gebt; ich bin gewiß so besorgt, wie irgend Jemand, über die Tragweite, die die öffentliche Kenntniß solcher Jämmerlichkeiten hat. Da es indeß bereits zum öffentlichen Geheimniste geworden, und da, wenn nicht durch Schweigen auch die geduldigsten jüdischen Herzen ihre Thüren jedem Armen schließen sollen, unbedingt gesprochen werden muß; so möge man auch hierin getrost das Ding beim rechten Namen nennen. Es könnten hierüber Bogen voll geschrieben werden, ohne die Sache auch nur entfernt zu erschöpfen; ich halte es für das größte Glück, daß Berlin eine so große Weltstadt ist, in welcher auch das häufig auftretende Einzelne verschwindet, weil der Jehudi sonst vor dem gräßlichen 'n btä'n die Augen nicht aufschlagen könnte; es ist in der That ganz entsetzlich! — So schrecklich indeß das Alles ist, so will ich doch durch einen kleinen Cyclus wenigstens eine relative Beruhigung hinzufügen. Bor einer Reihe von Jahren hatte ich mit dem derzeitigen, jetzt verstorbenen österreichischen Generalconsul Graf Pitzzamano in Jerusalem eine Besprechung in Wien über palästinensische Angelegenheiten. Er kam im Lause der Gespräche auf das Frankel'sche Buch über Jerusalem zu sprechen. Er sagte uns, daß er auS verschiedenen Gründen, worunter die Glaubwürdigkeit der dem Verfasser von zwei Personen in Jerusalem gemachten Schilderungen nicht die unwesentlichste Stelle einnahm, die Veröffentlichung der Schrift sehr beklage, demselben von der Edition sehr abgerathen habe, da sie nur schaden könne — was aber G. s. D. durchaus nicht geschehen, im Gegentheile hat sich die Theilnahme für die Bewohner Pa-

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