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Der Israelit · 1871-04-26 · Heft 17 (26.4.1871) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 17 (26.4.1871)
Date
1871-04-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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330 „Da muß ich mich aber vorsichtig benehmen, darf nur allmählich voranschreiten; Sie müssen mir Zeit lasten, Herr Kammerjunker!" „„Wir werden Ihnen Zeit lassen; unlerdeß werden auch wir nicht unthätig sein. Säen Sie Mißtrauen in das Herz Seiner Durchlaucht, damit wir für unsere Pläne einen günstigen Boden finden." " Die beiden wackeren Männer trennten sich. Von diesem Tage an benutzte der Hofprediger jede Gelegenheit, um das Ohr des Fürsten mit all dem Abscheulichen zu füllen, was die Böswilligkeit und der Religionshaß gegen die Juden ausgedacht haben; anfangs wies er stets darauf hin, daß der Hofagent eine rühmliche Ausnahme von seinen «Ltammesgeuoffen mache; allein nach und nach unterließ er es, irgend eine Ausnahme zu constatiren oder nur zuzugeben; die böse Saat ging nur zu gut auf in dem Herzen des schwachen Fürsten, der bald von Mißtrauen gegen seinen Hofagenten erfüllt wurde. Nathan bemerkte wohl, daß sein Herr stets kälter gegen ihn wurde; er achtete aber wenig darauf; er hielt die Zurückhaltung und das Mißtrauen destelben für eine vorübergehende Laune. Unterdeß waren die Fürstin und ihr Vertrauter «icht unthät'g gewesen. Fürst Ferdinand war der Letzte seines Stammes; wenn er ohne Leibeserben versterben würde, so war der Fürst von Kattenheim sein nächster Erbe; aber Fürst Ferdinand und seine Gemahlin waren jung und krästia. NichtSdestweniger hoffte der Fürst von Kattenheim auf das Erbe von Hohenburg. Auf diesen Umstand baute der Junker sein Plan. Er ließ eine falsche Correspondenz zwischen dem Fürsten von Kattenheim und dem Hofagenten Nathan Anspach fabriciren, aus welcher nichts Geringeres als ein Anschlag auf das Leben eines Fürsten Ferdinand hervorging. Diese Correspondenz, von der er behaupten wollte, daß sie durch einen Zufall in seine Hände gelangt, gedachte er zur geeignetnen Zeit dem Fürsten vorzulegen. Unterdeß war es Winter geworden, ein kalter, rauher Winter. Die Fürstin hatte von einer Cousine, die am Petersburger Hose lebte, einen prachtvollen Zobelpelz erhalten, der die Bewunderung von ganz Hohenburg erregte. Auch Mirjam staunte den kostbaren Pelzrock an und betrachtete ihn mit begehrlichen Blicken. O, wie glücklich würde sie sein, wenn sie mit einem solchen kostbaren Kleidungsstücke durch die Straßen von Hohenburg stolziren könnte! Aber, als sie nur eine entfernte Andeutung davon ihrem Manne gegenüber machte, wurde dieser ernstlich böse. „Mirjam," sagte er, „hast Du denn schon die Equipage vergeffen und all die Unannehmlichkeiten, die uns daraus erwachsen sind? Bezähme doch Deine Eitelkeit und Deine Prunksucht. Aber ihr Weiber werdet niemals klug, wenn es sich um die Befriedigung eurer thörichten Wünsche handelt!" Bald darauf h^tte Mirjam eine kleine Reise nach der benachbarten großen Stadt F. zu machen. Als sie ihre Einkäufe besorgte, ging sie an dem Magazine eines Kürschners vorüber. Staunend blieb sie stehen; em Zobelpelz, genau wie der der Fürst'N, prangte im Schaufenster. Sie konnte es sich nicht versagen, einzutreten und nach dem Preise zu fragen. „Ich bin in der Lage," sagte der Kürschner, „Ihnen diesen kostbaren Pelz sehr wohlfeil zu geben. Der in voriger Woche hier verstorbene Herzog von W. hatte ihn für eine Freundin bei mir bestellt, und ick habe ihn darauf von Rußland kommen lassen. Nun ist der Herzog gestorben, und mir ist der Pelz verblieben. Die Erben des Herzogs haben mir eine Entschädigung gezahlt; ich bin daher in der Lage, Ihnen diesen kostbaren Pelzrock um die Hälfte des Preises ablaffen zu können." Mirjam probirte den Rock an; er paßte ibr, wie wenn er für sie wäre gemacht worden. Sie konnte nicht widerstehen; sie kaufte den Pelz und nahm ihn mit nach Hohenburg; aber sie hütete sich, ihrem Manne etwas davon zu sagen. Erst als Nathan auf kurze Zeit verreist war, bekleidete sie sich mit dem werthvollen Kleidungsstücke. Wie that es ihrem eitlem Herzen so wohl, als sie die erstaunten Blicke von ganz Hohenburg auf sich zog, als sie allgemein für die Fürstin gehalten wurde, bis man sich überzeugte, daß es die Frau des Hofagenten war! Geschwätzige Zungen wußten sofort die große Neuigkeit zu den Ohren der Fürstin zu bringen. Diese hatte natülich nichts Eiligeres zu thun, als den Fürsten davon 'zu benachrichtigen, daß das Judenweib einherstolziere in einem Zobelpelze, welcher dem der Herrin des Landes auf ein Haar gleiche. Der Fürst schäumte vor Wuth; diesmal richtete sich sein Zorn gegen Nathan; die Saat, die der Hofprediger gesäet hatte, war aufgegangen. Während der Fürst noch darauf dachte, seinen Hofagenten exemplarisch zu bestrafen, stürzte der Junker von Schwarzenstein in das Cabinet des Fürsten, in das unangemeldet einzutreten er das Recht hatte, mit dem Rufe: „Derrath, Durchlaucht, Verrath! (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Bellagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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