Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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327 ist eS für Leute, die noch ein wenig Besinnung haben, selbstverständlich, daß die Hebamme, die im Kirchendienst steht nur von Gliedern unserer Kirchen gemeinde gewählt werden kann. Gehören zu unserer Kirchengemeinde etwa Juden und Katholiken? Die Israeliten sind in unserem Staate eben nur geduldet und können froh sein, daß sie die christliche Hebamme benutzen dürfen. Wollen sie das aber nicht, so steht es ihnen ja frei, auf eigene Kosten eine Hebamme ausbilden zu lassen. Außerdem bitte ich den klugen Leuten begreiflich zu machen, daß ich nach ganz bestimmten kirchenrechtlichen Grundsätzen gehandelt habe, die sonst Jedermann kennt, uno nicht nach eigener Willkür. Mit freundlichem Gruß F. Riebeling, Pf. Die Sprache und der Ton dieses Briefes, den ich in wortgetreuer Copie Ihnen mittheile, reiht sich würdig an den jüngst erfolgten Erlaß des Berliner Oberkirchenrathes und ist die bloße Veröffentlichung derselben schon eine verdiente Züchtigung. Die hierdurch Beleidigten und in ihrem Rechte Gekränkten haben sich in einer Beschwerde an den Oberprästdenten Möller in Cassel gewendet. Den Erfolg werde ich Ihnen s. Zmittheilen. JgMtttburq* Bei den Israeliten ist es heilige und gesetzlich begründete Sitte, den Sterbetag von Eltern oder theuren Familiengliedern ernst und wü - big zu begehen. An dem Tage, an welchem vor 30 Jahren Herr Lion Lewisohn seine irdische Laufbahn beschlossen, hat dessen ältester Sohn. Herr Samuel Lewisohn, Beo. M. 10.000, dem Verein zur Unterstützung armer, hilfloser Greise. Bco. M. 5000, dem israelitischen Waisen - Institut. Bco. M. 5000, dem Institut (Beth Hamidrasch), woselbst von Schriftgelehrten das Talmud-Studium emsig gepflegt und betrieben wird, und Bco. M. 10,0 >0 der Talmud- Thora-Schule zur Erweiterung der Lehrfächer geschenkt Für den erforderlichen Neubau zur Vergrößerung der Talmud-Thora-Schule hat bereits der Bruder, Herr Sally Lewisohn, gesorgt und gebührt beiden Herren die höchste Anerkennung und Dankbarkeit der hiesigen Gemeinde, ganz besonders aber dafür, daß sie schon bei Lebzeiten diese bedeutenden Summen zu so ersprießlichen Zwecken verwendet haben. (Reform.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wir«, 17. April. Gewiß wird es für die Leser Ihres gesch. Blattes nur erfreulich sein, die interessante Nachricht zu vernehmen, daß am ve'flossenen in der Wiener Cultus emeinde mehr als fünf Vorträge gehalten wurden, die größtentheils in das Gewand der alten nam gekleidet waren, so daß man bTJ PK ^TJD gehend, fast den ganzen p"ar sich geistig hätte beschäftigen können. I« Bethause der schönen Laterugaffe (in der Stadt), wo früher der verstorbene Rabbiner Lazar Horowitz sel. And. gewöhnlich am Prun 'ar naiff 'an eine nam hielt, sprach diesmal Herr Rabb. Dr. M. Güdemann, Prediger im neuen Tempel der Leopoldstadt, länger als eine Stunde, ununterbrochen und zwar ganz in ungezwungener Manier vor einem besonders zahlreichen Auditorium, da Viele diese Gelegenheit benutzten, Herrn vr. G. zu hören, indem sie den Chortempel nicht besuchen. Herr vr. G. zeigte da seine große Belesenheit, wie auch eine außerordentliche Gewandtheit in der Auslegung der Bibel- und Midraschstellen und erfreute sich dessen vortreffliche Rede eines allgemeinen Beifalls» Redner entwickelte in gelungener Weise die Ideen, die wir mit dem Peßach» feste verbinden sollen, und knüpfte an recht paffende Stellen seine trefflichen Gedanken über die Freihett unserer Zeit. Er legte in körnigen Worten die hohe Mijsion des heutigen Judenthums dar, legte den aufmerksamen Zuhörern die schöne Aufgabe an*8 Herz, die Israel noch in unserer Zeit zur Erlösung der Menschbeit zu lösen hat; wie wir voranleuchten sollen allen Völkern und Nationen als Leitsterne, fest unser erhabenes Ziel im Auge behaltend und einen festen Standpunkt unveränderlich einnehmend, bis alle Menschen vom Geiste der Wahrheit erleuchtet und von Gotteserkenntniß erfüllt sein werden, pan nKpai '’ddo ll'd d'od 't n« njn. Viele hatten schon bei nosam das nnnar und *]D1D - Gebet verrichtet und konnten sich nun in die S Nffsynagoge begeben, um eine zweite ebenso gediegene Rede nebst „n>un ruio* pjya mann zu hören, nämlich von Rabbi Salomon Spitzer, welcher in besonders treffender Weise die Bedeutung des NO2-FesteS hervorhob, wobei er zugleich sehr paffende Anspielungen auf die jünsten Ereignisse in der hiesigen Gemeinde machte. Die drei Worte ->11121 nsa rros, die man beim "no sprechen muß, sind inhaltsschwer und von großer Tragweite durch die in ihnen liegenden Ideen. Das HDD erinnert uns an das erste Opfer, welches die Israeliten mit Gefahr ihres elgmen Lebens brachten, denn sie schlachteten das Dnso navin vor ihren Augen, wodurch dieses riDS pip zugleich die geistige Wejhe erhielt und die Israeliten sich fähig und würdig zeigten, duid rDpooP, als ein Priestervolk, die Thora zu empfangen. So sollen auch wir, wo eS sich um die Erhaltung unserer heiligen Religion handelt, keinen Augenblick Bedenken tragen, unser Leben in die Schanze zu schlagen; die nao, das »jp nrö unserer Vorfahren, ist das Bild der Einfachheit, Demuth, Reinheit und Bescheidenheit, wir genießen sie zur Erinnerung Par opsa ponnp p»son Kpa? Py 'Pai b*oar\ Dies ist aber auch geistig aufzufassen.