Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3Sö Entstehung der Welt zu belehren sich vermißt und sich durch den äußern Anschein in so grober Weise täuschen läßt? Aus allem Dem ist ersichtlich, daß wenn es auch der thörichten Superklugh it mancher Menschen bis weilen gelingt, die Welt zu täuschen und zu blenden, daß alsbald das Unechte und Falsche wie Spreu vom Winde verweht wird, Dip' U'pi^N ->211 das Wort unseres Gottes aber wird bestehen für die Ewigkeit. geitungsuachrichterr und Correfpon -enzen. Deutschland. München. 23. Nissan. (Statistisches.) In Rußland sind im Jahre 1659 <8,754 Personen vo i beiden Geschlechtern zur orthodoxen (russischen) Kirche übergetreten, wovon 3352 auf die Römisch-Katholischen, 656 auf die Protestanten, 486 auf die Juden (wahrscheinlich durch Zwang) 824 < auf die Mohammedaner, 2795 aus die Kaskolniken, 3026 auf Götzenanbeter und 14 auf die Armenier kommen. Fürth, 14. April. Wie bereits kurz gemeldet ist nunmehr die seit anderthalb Jahren rückständige Wahl, gegen und für welche so viel agitirt worden, am dritten Tage des ij/idi hin vorgenommen werden, nachdem der fragliche Paragraph in soweit eine Aenderung erlitten hatte, daß nur eine wirkliche Steuer Zahlende für stimmberechtigt erklärt wurden. Sofort nach Bekanntgabe des festgesetzten Tages jwurden allseits die Rüstungen zum ernsten Kampfe vorbereitet; in verschiedenen Klubsitzungen besprachen die Parteien, wie man am zweckmäßigsten in den Kampf eintrete, und welche Männer man für die Gemeinde-Vertretung wählen solle. Daß man überall die Wichtigkeit der Sache erkannte und mit allen Kräften für seine Partei eintrat, bezeugt die ungeheuer große Betheirigung bei der Wahl selbst; es wurden von fast 6 0 Berechtigten 456 Stimmen abgegeben, so daß also mehr als % derselben zur Wahl gegangen waren. Daß unter solchen Verhältnissen die orthodoxe Partei unterliegen wußte, wird jeder mit den hiesigen Zuständen einigermaßen Bekannte leicht einsehen. In Wirklichkeit ist auch nicht ein Conservatlver aus der Urne hervorgegangen; dagegen sind jetzt zu Bevollmächtigten nur solche Männer gewählt worden, welbe nisiD '“pdin und fcODmsn ro» 'ddli!2 sind. Wir brauchen UNS des Resultats nicht zu schämen; denn immer-? \ hin ist noch eine beträchtliche Zahl wahrer o'ii.i' an ß hiesigem Platze. Es wurden, bin ich reckt unterrrchj tet, 125 Wahlzettel der orthodoxen Partei abgegeben. j Der größte Theil der Frommen war schon in aller \ Frühe versammelt und setzte es wirklich durch, daß jj wir die Majorität beim Wahloussckuß bildeten. Wir \ können also mit Stolz auf unsere Schaar blicken';, bei st der es überhaupt eines besondern Stachels nicht best durfte, um sie zur Wahl zu veranlassen. |j Wie wird es nun hier in Zukunft werdm? j Viel ist zwar in unserer Gemeinde nicht mehr! zu vernichten. Nachdem vor vierzig Jahren mit der j theilweisen Umgestaltung des Gottesdienstes der Auj fang gemacht war, mußte bald darauf die mpD gejj schlossen werden; die Auflösung der ,12'M mit Polizeij licher Verfolgung der.D’iDib und Dnim als Dreingabe und Schließung der kleinen Synagoge folgte | bald nachher. Gemischter Chor — also wi’msn nnj> | — Anstellung zweier Talmud-Lehrer oder- Leerer war | der Ersatz für die vorhin benannten Verluste. Wäh- 1 rend einer fast dreißigjährigen Zeitraums war daS J conservative Element bei der Verwaltung nicht vertre- | ten; das heiligste Gut der Israeliten, die mm, war | herabgewürdigt, und man scheute sich nicht, die Kinder | das Hebräische unbedeckten Hauptes zu lehren. Alle | mögliche Ausgaben wurden gemacht, unter andern eine | confessionslose oder besser gesagt gemischte Schule mit | bedeutenden Mitteln unterstützt, deren Erbschaft seit § einigen Jahren an die städtische Gemeinde übergegan- | gen ist. Da, vor zwölf Jahren erhoben die Ortho- J dcxen ihr Haupt wieder; sie siegten bei der Wahl und jj brachten ihre Candidaten durch, die bis-jetzt bei der I Verwaltung blieben. Doch was halfs? Während die- D fes Zeitraums vergrößerten sich tzje Ausgaben der | Gemeinde durch unnöthige und unzweckmäßige Bauten, b durch Einführung von Musik beim Gottesdienst, durch g Verschönerung (?) des Friedhofs. Der Protest der z Minderheit wurde stets aä aota gelegt, und bei all A den himmelanschreienden Verschwendungen und empö- | renden Gesetzverletzungen ist für das wahre Judenthum auch nicht daS Geringste geschehen. BiS auf | eine Synagoge, bei deren Anblick im Vergleich zur h Haupt-Synagoge man weinen möchte über die schreiende j Ungerechtigkeit, — die Aufsicht über das 1^2-Fleisch, die aber theilweise nicht durchgeführt werden kann, weil die Mittel dazu nicht hergegeben werden — und der 2ii'p-Drähte, die nur einige Gulden alljährlich kosten, müssen die Orthodoxen alle andern Erfordernisse des IudenthumS auf eigene Kosten beschaffen. Wohl wäre man von Seiten des Vorstandes bis jetzt geneigt gewesen, für Schule, für.lipo u. dgl. zu sorgen, aber tüneo Danaos et dona ferentes mußte man auch ihm zurufen; wo die Hand einer solchen Verwaltung mit im Spiele ist, kann für das wahre Judenthum nichts Gutes gehofft werden. -*T» iT ffifl'iViTTTSri'?'11 ff