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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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313 menthal habe letzteres auf die Mittheilung des Dojny auch sofort gesehen und dem auf das Lärmen des letztern alsbald wieder zurückkommenden Katz hierüber Vorhalt gemacht. Dieser habe widersprochen und dann aus wiederholte Aufforderung der Blumenthal, sich „fortzumachen", d. h. sie zu verlassen, geäußert, er mache sich nicht fort, er werde dem Dojny noch das Leben nehmen; dann habe sich Katz, wie zwei Zeugen gesehen, zum Haus hinaus auf die Straße begeben und ein kleines, mit grauem Papier umwickeltes Päckchen mit der Inschrift: „Apotheke von Louis Wrede — weißes Vitriol - Gift — Mergentheim" in die Kändel geworfen und getreten. Hiernach verhaftet, hat Katz in der Voruntersuchung zuerst geleugnet, in das Gefäß des Dojny überhaupt Etwas geschüttet zu haben; später gab er die angeführten Vorgänge zu, ebenso auch in der Hauptverhandlung. Er behauptete aber, einen Theil des in Mergentheim gekauften Vitriols — so viel wie zwei Prisen Schnupftabak — in das Gefäß des Dojny nur zu dem Zwecke geschüttet zu haben, um sich ein Augenwaffer zu bereiten, hiezu ein anderes Gefäß in seinem Zimmer nicht gehabt, auch weder den Inhalt jenes Gefäßes gesehen, noch gewußt zu haben, daß Dojny noch daraus trinken wolle. In sein Zimmer sei er darauf zurückgegan?en, um Wasser zu dem in das Gefäß geworfenen Vitriol zu holen; ebenso behauptete er, deffen Gisteigenschast nicht gekannt zu haben und deutsch Geschriebenes nicht lesen zu können. Dagegen räumte er ein, daß er dem Dojny nichts davon gesagt habe, daß er sich ein Augenwaffer anmache und sein Gesäß hiezu benutzen wolle; er sei aber auf das Lärmen desselben, daß er ihn habe vergiften wollen, „verrauscht" worden. Als Beweggrund des Katz, den Dojny zu vergiften, nahm die Anklage Eifersucht und Haß wegen Bevorzugung des Letzteren durch die Blumenthal an. Die berufenen Sachverständigen bestätigten im Wesentlichen übereinstimmend, daß der in Weikersheim noch Vorgefundene Ueberrest weißer Zinkvitriol und dieser ein übliches Augenmittel sei, aber auch ein Gift, je nach der Quantität innerlich genommen, wie ein Gift wirke, jedoch in kleinen Dosen nur als eines der mildesten Gifte, nicht wie Arsenik u. dergl., als Gegen giftmittel und milderes Brechmittel diene; insbesondere eine solch kleine Quantität, wie im vorliegenden Falle, sei nur geeignet, ein Erbrechen zu erregen. Die Verteidigung (R.-A. Frik von Hall) beantragte Freisprechung, weil höchstens ein Versuch mit untauglichen Mitteln vorliege. Die Geschworenen aber bejahten die ihnen vorgelegte, der Anklage entsprechende Frage und der Gerichtshof erkannte sofort, wie der Staatsanwolt beantragt, daß der Angeklagte wegen versuchter vorsätzlicher Körperverletzung durch Vergiftung zu der Arbeitshausstrafe von Einem Jahre zu verurteilen und zu Bezahlung aller Kosten zu verpflichten, auch nach erstandener Strafe des Landes für immer zu verweisen sei. Fürth, 12. April. Bei einer ungewöhnlich zahlreichen Betheiligung fanden am Montag dahier die Neuwahlen in der israel. Cultusgemeinde statt. Trotz der großen Anstrengungen der Orthodoxen verblieb den Neologen der Sieg. Eine Trennung wich nunmehr kaum zu vermeiden sein. Hamburg, 23. März. Bei der gestrigen Friedensseier war die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Gesänge, vom Herrn Kapellmeister Riccius bearbeitet und dirigirt, Erschallten unter der Begleitung von Blasinstrumenten. Ferner zeichnete sich ein unter der Leitung des Herrn H. Levy vorgetragenes Quartett durch Wohlklang und Präciston au-. Herr Oberrabbiner A. Stern hielt die Festrede, tn welcher er darauf hindeutete, daß bas Fest als eia vierfaches anzusehen sei, und zwar als GeburtSfeft des deutschen Kaisers, als Dankesfest für die errungenen Sieg« und als Feier der erlangten Einigkeit und btß beglückenden Friedens. Im weiteren Verlaufe gedachte er der Gefallenen, unter denen auch Viele vom Stamme Juda seien, die ihrer Vorfahren würdig, tapfer an der Seite ihrer christlichen Brüder gekämpft und ihr Blut für das gemeinsame Vaterland geopfert haben. Zum Schluß erflehte er den Segen auf das Haupt des deutschen Kaisers, der stets dem Allmächtigen die Ehre gegeben, auf das deutsche Reich, auf das opferwillige Hamburg und auf die Gemeinde. Oefterreichisch-Ungarische Monarchie. Lemberg Ein kleines polnisches Nationalfest (!) wurde am Ostersonntag in Lemberg veranstaltet. Die Straßenjugend bombardirte die Fenster israelitischer Häuser und mißhandelte einzelne Juden, die ihr.kn die Hände fielen. Rußland und Polen. Warschau, 2. April. In den letzten Jahren sind in Volhynien auf Anregung und mit Unterstützung der Regierung mehrere jüd. Acherbau Colomen gegründet worben, die sich so günstig entwicke" haben', daß der Veksuch, die nothleidenden russis^en Juden an den Ackerbau zu gewöhnen, als vollkommen gelungen zu betrachten ist. Durch diese Erfahrung aufgemuptert, hat die Regierung beschlossen, der Colonisirung Volhyniens durch jüd. Ackerbauer eine möglichst gppße Ausdehnung zu geben und hat bereits umfangreiche Ländereien zu diesem Zwecke angewiesen. Man hofft, daß das zahlreiche jüdische Proletariat im Königreich Polen und inLitthauen auf diese Weise einen Abfluß

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