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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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312 religiösen Geiste getragen und das PrSbkem einer edlm Menschenbildung hier mit Ven zweckdienlichstes Mitteln versucht wird. Und wenn man oft behauptet, daß Schulen mit konfessionellem Charakter zur einseitigen Auffassung des Lebens führen, so möchten wir dem entgegenhalten, daß gerade ein so vielseitiger Unterricht den geistigen Gesichtskreis erweitert, und dich die aus dieser Anstalt hervorgegangenen Schüler und Schülerinnen die obige Behauptung am Besten widerlegen. Besonders erhebend war der Schlußakt, bei welchem gut gewählter Gesang mit deklamatorischen Vorträgen wechselte. Der erste wurde unter der Leitung des Herrn Wolf mit Instrumentalbegleitung trefflich ausgeführt und an den Vorträgen, von denen die meisten mit Gefühl und richtigem Verständniß vorgetragen wurden, erkannte man, daß der sprachlichen Bildung in der deutschen, französischen, wie der englischen Sprache die gebührende Pflege zugewandt wird. Nach der Vertheilung der Preise und Lobkarten schilderte Herr vr. Lehmann in begeisterter Rede den Charakter der von ihm seit bald 12 Jahren gegründeten Unterrichtsanstalten, zollte der Berufstreue der ihm zur Seite wirkenden Lehrer und Lehrerinnen seine volle Anerkennung, sprach den Wunsch aus, daß die Wohlthat dieser Anstalten immer mehr und mehr erkannt werden möge und daß ihnen auch unter den veränderten staatlichen Verhältnissen die bisherige Theilnahme unverändert bewahrt bleiben möge, denn die Jugendbildung sei der eigentliche Boden, auf dem das in zwei Lager gespaltene Israel wieder zur Einheit gelangen müsse. Schließlich gedachte er auch des löblichen Schulvorstandes, sowie aller Derer, die für die Anstalten stets ein so reges Interesse kundgegedtzn, den Prüfungen mit so vieler Aufmerksamkeit folgten, und sprach denselben seinen wärmsten Dank aus' Wer den Pflanzstätten der Judenbilvung Opferfteuvigkeit und Theilnahme zuwendet, der widmet dvn höchsten Interessen des Lebens seine Fürsorge, und er verdient gewiß unsere volle Achtung. Hall (Schwaben). Den ersten Gegenstand der Schwurgerichköverhandlungen des hiesigen Gerichtshofs nk 1. Quartal 1871 bildete die Anklagesache gegen dm 65 Jahre alten Israeliten Mendel Katz aus' Brailü in Rumänien wegen versuchter. vorsätzlicher Körperverletzung durch Vergiftung. Ihr Correspondent würde es gewiß vorziehen, Dhatfachen von so trauriger Art zu verschweigen und Blättettt, deren Beruf es ist, Gerichtsverhandlungen za refvriren > die Berichterstattung überlassen, wenn Nicht gerade der vorliegende Fall ein besonderes Interesse auch in weiteren , namentlich iörael. Kreisen böte und> wenn nicht die Erscheinung, daß die Verbrecherstatistik der modernen Zeit eine gegen frühere Zeiten ungleich höhere Ziffer von Juden aufweist, —■ ich erwähne hier vorübergehend nur den Fall, der die Juden Württembergs jüngst in Aufregung versetzt hat, indem ein Jude aus Oberdorf (im Rieß) wegen Mordes zum Tode verurtheilt wurde: hinten ya rm»i nxn njnn nrvru htk nm (R. 20, 3) — es auch jüd. Zeitschriften zur Pflicht machte, von Symptomen Notiz zu nehmen, die auf eine sinkende Moralität innerhalb des JudenthumS einen Schluß zulasten. Der Angeklagte, mit dem Beinamen Korpatsch, d. h. Schuhflicker, angeblich zweimal verheirathet, wohnte zuerst in Conftantinopel, wo er über 20 Jahre sich mit Schuh flicken genährt, dann in Braila. Don da will er, aus Anlaß einer 1867 ausgebrochenen Judenverfolgung vertrieben, zunächst Heilung eines Augenleidens in Wim und Berlin gesucht haben, seit 1869 mit Mesufoth und Tephillin handelnd und von Unterstützungen durch Glaubensgenossen lebend,. in Deutschland herum und bis nach Frankreich gezogenvon da aber bei AuSbruch des Krieges im vorigen Jahre verhaftet und' ausgewiesen, über Frankfurt zurückgekehrt sein. In Würzburg sei er mit der 43 Jahre alten Rosalie Blumenthal auS Westpreußen, verheiratheten Mutter von 4 Kindern, und deren Begleiter. dem 33 Jahre alten iSr. Händler Jonas Lewin Dojny, aus Tauroggen in Rußland, zusammettgetroffen. Mit der Blumenthal will er schon in Berlin bekannt geworden und mit ihr eine Zeit lang allein - ohne deren Ehemann — herumgeirrt sein; früher aber und nach ihr sei Dojny mit ihr gereist. Mit beiden Und den 10 und 12 Jahre alten beiden Knaben der ersteren kam der Angeklagte über Edelfingen, wo sie 4 Tage vetwellten und die Blumenthal ihn aufforderte, sie zu verlassen und allein weiter zu reisen, und über Mergentheim am 19. Oktober v. I. Abends nach Weikersheim. In Mergentheim kaufte die Blumenthal in einer Apotheke Thee und nach ihrem Abgang der Angeklagte für 2 Kreuzer etwa 1—IV2 Quent weißen Zinkvitrkol z einem Augenwaffer ein. Den Vitriol erhielt er in "einem Päckchen mit der Uebetschrist: „Vitriolgift". In Weikersheim übernachteten fie bei Sternwirt h Jacobsohn. Am 20. October Morgens bereitete die Blumenthal einen Thee, wovon Katz und Dojny tranken, letzterer wie gewöhnlich alle Morgen und Abend mit Honig und Buter zur Kur, was Katz bereits gewußt. Während beide im Zimmer waren, sah Dojny in einem Spiegel an der Wand, wie Katz aus seiner Westentasche ein graues Papier genommen und hieraus etwas in das auf dem Tische stehende Gefäß des Dojny, worin sich etwas abgekochier Thee befunden, den Dojny noch hatte trinken wollen, was er jenem zuvor gesagtschüttete. Darauf entfernte sich Katz aus dem Zimmer. Dojny aber sah nun, daß der zuvor hellgelbe Thee schwarz oder dunkelblau geworden: Die Blu-

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