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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIl. Jahrgang. Erste Beilage za Rr. 16 des Zsraelit. Leitender Artikel. Militaria. 11. CHaumont, 9. April 1871. Geehrter Herr Doctor! Am ersten Tage nDö erhielt ich Ihre Depesche und heute die darin avisirten 100 Thlr. nebst Ihren gesch. Zeilen, deren Empfang ich aus Ihren Wunsch hin Ihnen sofort anzeige. Die Depesche traf schon am s"y in Laharmand ein, ich erhielt sie aber erst einen Tag später, da ich schon in Chaumont war. — Den ersten ->nv-Abend war also für unsere Soldaten Vicht gesorgt. Ich bemühte mich, mit sehr schlechtem Erfolge, bei einigen a'ra Soldaten unterzubringen; aber nur zwei Soldaten waren so glücklich, auf diese Weise versorgt zu werden, während ich einen auf meine Kosten speisen ließ. Sie können sich die Freude denken, die ich empfand, als Ihre Depesche anlangte. Zwar hatten schon einige Soldaten, die eben nicht in der Lage waren, auf ihre eigenen Kosten zu leben, mißmuthig über die Ungastlichkeit unserer hiesigen Glaubensgenossen, Chaumont verlasien, um zu ihren Truppentheilen zurückzukehren. Aber es waren doch noch circa 20 Soldaten, meistens aus dem 79. pr. Reg. und dem 10. Jägerbataillon, sowie von unserer Division, die ick bei den hiesigen Jehudim unterbrachte, und zwar zu dem sehr billigen (!) Preise von 5 FreS. per Tag ü Person. Dafür erhalten dieselben Morgens Kaffee mit rosa, Mittags Suppe, Gemüse und Fleisch mit Wein, und ebenso Abends. Die Ausgaben für Donnerstag, Freitag und rütff belaufen sich demnach erst auf circa 170 Fr., da die genannten 20 Soldaten erst nach und nach an dem betreffenden Benificium sich betheilrgt haben. Die Zahl derselben vermehrt sich aber jeden Tag, und so ist es erklärlich, daß die von Ihnen freundlichst übersandte Summe, die schon fast zur Hälfte nach drei Tagen aufgebraucht ist, bei weitem nicht hinreichend sein kann. Ich werde nach v"' Ihnen die detaillirte Rechnung von den einzelnen D’fD »>jo überschicken. Einem mit ziemlicher Bestimmtheit auftretenden Gerüchte zufolge sollen wir bis zum 15. von hier abmarschiren; sollte bis dahin das nöthige Geld nicht da sein, so kann ich es mir von Herrn Lieutenant Neustadt aus Darmstadt, mit dem ich zusammenliege, vorschießen lassen. Die muü fangen hier schon an sehr zu mangeln, da die Leute sich nur für den eigenen Bedarf vorgesehen haben, und es ist sehr schwierig, ja wegen lokaler Schwierigkeiten fast unmöglich, obwohl wir einen Bäcker unter unseren Soldaten haben, nisto zu backen. Es schadet das auch nichts, da das Essen sehr gut ist und man deshalb die mao auch entbehren kann. Unter dem Wunsche, den ü"' vergnügt zu verleben, verbleibe ich Ihr ergebener H. Ehrmann, Feld Rabb. der großh. heff. Div. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Dem „Mainzer Anzeiger" entnehmen wir Folgendes: ES war uns in den jüngsten Tagen Gelegenheit geboten, den öffentlichen Prüfungen der unter der Leitung deSHerrn vr. Lehmann stehenden UnterrichtSanstalten für Knaben und Mädchen, sowie dem Schlußakte im „Casino zur Eintracht" am 30. März beizuwohnen und uns so einen Ueberblick über die sämmtlichen Leistungen derselben zu verschaffen. Diese Anstalten haben sich eine hochwichtige, das Interesse eines jeden Freundes der Jugendbildung in hohem Grade in Anspruch nehmende Aufgabe gestellt und stehen wohl deshalb, als auch wegen der dadurch bedingten Mannigfaltigkeit des Unterrichtsstoffes in hiesiger Stadt einzig da. Diese Unterrichtsanstalten wollen mit der gewissenhaftesten Sorgfalt die Doktrinen pflegen, die zur wahren, zur durchgreifenden Veredlung des Herzens, zum innern Glück des Menschen führen; sie wollen aber nicht minder auch jenen Unterrichtszweigen die größtmöglichste Pflege zuwenden, welche die Fortschritte in Kunst und Wissenschaft, welche das praktische Leben heutiges Tages mit vollem Rechte beanspruchen. Jeder Sachverständige, der mit unbefangenem Blick dem Gang dieser Prüfungen von den untersten bis zu den höchsten Klaffen in den verschiedenen Unterrichtözweigen sowohl bei den Knaben als auch bei den Mädchen gefolgt ist, wird zugeben, daß die gestellte Aufgabe hier in der gelungensten' Weise zur Lösung kommt, daß die Anstalt von einem sittlich-

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