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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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310 Ihnen geziemte. Ihre Equipage hat des neidischen WeibeS Mißfallen erregt; Nathan soll sich ihrer noch heute entledigen." „Meine Equipage soll ich weggeben!" rief das junge Weib, und ihre Augen füllten sich mit Thränen. „ „Nick t allein das, gnädige Frau, wenn es der Fürstin nachgegangen wäre, so hätte Sie noch viel AergereS erwartet!" „Und das wäre!" „„Meiner Fürsprache,"" log der Junker, „„haben Sie es zu verdanken, daß Sie einer entehrenden Strafe entgangen sind. Man hat Sie in jener Equipage für die Fürstin gehalten, Ihnen der Fürstin zugedachte Huldigung dargebracht — die Fürstin sieht darin das Verbrechen der Majestätsbeleidigung."" „O, mein Gott," rief Mirjam, vor Schrecken bleich, „was sollte mir geschehen?" „„Sie hätten gestäupt und an den Pranger gestellt werden sollen!" Mirjam stieß einen furchtbaren Schrei aus. Der Junker eilte auf sie zu und sagte schmeichelnd: „Beruhige Dich, schönes Weib, ich, ich habe Dich beschützt, ich werde Dich ferner schützen!"" Bei diesen Worten suchte er das zitternde Weib zu umfassen; aber Mirjam trat schnell einen Schritt zurück. ,Herr von Schwarzenstein!" rief sie empört „„Was ist denn, mein Püppchen?" entgegnete dieser, sich der Zurückweichenden nähernd, „geh, Du bistundankbar! bedenke, wenn ich Dich nicht in Schutz genommen....." " „Herr von Schwarzenstein, entfernen Sie Sich!" „So strengem Befehl muß ich wohl gehorchen!" " Bei diesen Worien schritt er auf die Thüre zu; aber statt hinauözugehens, verriegelte er sie rasch; dann stürmte er auf die vor Schreck erstarrte Mirjam loö und umfaßte sie mit beiden Armen. „Hilfe! Hilfe!" rief Mirjam, und wiewohl ihr der Junker den Mund zuhielt, so drang ihr Ruf doch hinaus. Die Diener eilten herbei und fanden die Thüre von innen verriegelt. In diesem Augenblicke kehrte Nathan nach Hause zurück. Er sah die Diener an der Thüre seines Wohnzimmers, hörte die unterdrückten Hilferufe feines Weibes und ttat mit kräftigem Fußtritte gegen die verriegelte Thüre. Der Riegel zerbrach, die Thüre flog auf, und Nathan stürzte ins Zimmer, wo Mirjam noch mit ihrem Verfolger rang. Mit raschem Handgriffe packle Nathan den Junker an die Kehle, daß diesem der Athem auSging. „Laß loS, Jude!" gurgelte Gbrz mühsam hervor, während die zur rechten Zeit befreite Mirjam entfloh. fHund, Schuft/ schrie Nathan, „ich erwürge Dich hier auf der Stelle!" Mit einem kräftigen Rucke machte der Junker sich frei und zog seinen Degen. Erst wollte er auf Nathan losstürzen; als er aber die mit Knütteln bewaffneten Diener des Hofagenten erblickte, die da bereit waren, ihrem Herrn beizustehen, zog er es vor, sich mit gezogenem Degen Bahn zu brechen und eilig die Flucht zu ergreifen. Nathan begab sich, noch voller Aufregung zum Fürsten. „Durchlaucht," sagte er, „ich habe mich bitter über den Junker von Schwarzenstein zu beklagen. Er hat meine Frau beleidigt in meinem eigenen Hause." „Nathan," entgegnete der Fürst, „ sei froh, daß Du so davon gekommen! Wenn die Fürstin ihren Willen durchgesetzt hätte, so wäre es Deiner Frau noch schlimmer ergangen." „ „Aber, Durchlaucht, ich begreife nicht...."" „Wie, dahin ist es schon mit Dir gekommen, Du vergissest, daß Du mein Unterthan, mein Diener, mein Sclave, daß Du ohne mich nichts bist, Du begreifst nicht, daß es sich nicht ziemt, daß ein Judenweib in einer Equipage gleich der der Fürstin auösährt! Das begreifst Du nicht?" „„Aber, gnädigster Herr, es ist ja nicht das, wovon ich reden wollte. Der Junker von Schwarzenstein. ..." „Der Junker hat in meinem Aufträge gehandelt." „ „Wie, Durchlaucht, der Junker hätte im Aus trage meines gnädigen, gerechten Herrn mein . Werk überfallen, die Thüre verriegelt, die ich eintreten mMe, um meinem Weibe zu Hilfe zn kommen?" " „Was sagst Du, Nathan, das hätte der Junker gethan?" Der Fürst öffnete die Thür und befahl, den Herrn von Schwarzenstein herbeizurufen. „Görz," redete der Fürst den Junker an, als dieser erschien, „hast Du meinen Aufttag ausgeführt und der Jüdin in meinem Namen befohlen, die Equipage abzuschaffen? „ „Zu Befehl, Durchlauchtigster Herr!" " „Du hast aber meinen Auftrag überschritten. „Ein bloßer Scherz, mein gnädigster Herr!"" „Ich verbiete Dir für die Zukunft derlei Scherze!" Dann entließ er den Junker mit einer Handbewegung und sagte zu Nathan: „Gib Dich zufrieden Nathan, er wirdS nicht mehr wagen. Jetzt geh nach Hause und verkaufe Deine Equipage!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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