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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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309 blaßte Autorität jenes “nasr *3* sich stützend eine mw mit einem Kohe» trauet. (Der,Schwiegersohn des Herrn Fassel, Herr Rabbiner (!) vr. (?) Sonnenschein in St. Louis (Amerika) gibt neuerdings eine Zeitschrift heraus: „die Wahrheit, Zeitschrift für freie Menschen/ in welcher eine neue Religion, „die amerikanische," verkündet wird. Diese ante* rische Religion hat mit dem zur Zeit der Schreiens- Herrschaft in Frankreich proclamirten Cultuö der Göttin der Vernunft erstaunliche Aehnlichkeit. Red.) Feuilleton. Jur rechten Zeit. VI. Die neue Equipage. Ein Jahr war vergangen. Mirjam hatte die Trauerkleider abgelegt und begann wieder ihrem Hange, sich zu schmücken und zu putzen, zu fröhnen, und Nathan, der froh war, daß sein junges Weib die Trauer um den Verlust der geliebten Eltern so rasch verwunden hatte, versagte ihr keinen Wunsch. Der Fürst hatte für seine Gemahlin eine prachtvolle, von zw-i schneeweißen Schimmeln gezogene Equipage anöerchafst; Mirjam ruhte nicht eher, bis Nathan auch für sie solch einen Wagen von Paris kommen ließ und ebenfalls zwei Schimmel kaufte. Als Mirjam zum ersten Male mit ihrem Söhnchen in dem neuen Wagen spazieren fuhr, kam ihr der Wagen eines adeligen Herrn, des Baron von Kühlfelsen entgegen, der an den Fürstenhof fuhr. Der Kutscher des Barons wich ehrerbietig aus, da er das Gespann für eine fürstliche Equipage und die darin sitzende Dame für die Fürstin hielt. Der Baron, derselben Meinung, grüßte tief, und Mirjam, nicht wenig geschmeichelt, erwiederte den Gruß mit herablaffendem Kopfnicken. Im Schloß angekommen, fand der Baron zu seinem nicht geringen Erstaunen die Fürstin zu Hause. „Durchlaucht," sagte der Baron zur Fürstin, „wollen mir gnädigst ein Räthsel lösen. Soeben hatte ich das Glück, Eurer Durchlaucht bei einer Ausfahrt zu begegnen, und jetzt.. ^ZchchaLLLeutL ImL Schloß., nMnicht veilsstev)" entgegnete die Fürstin. „„War es denn vielleicht eine Ihrer Damen, die in der fürstlichen Equipage spazieren fuhr?"" „Auch meine Damen sind zu Hause." „„Aber, gnädigste Fürstin, eS ist mir soeben eine Pariser Kutsche mit zwei schneeweißen Schimmeln begegnet, und eine vornehme Dame saß darin, die mei» nen ehrerbietigsten Gruß herablastend erwiederte."" Der Junker von Schwarzenstein, der bei dieser Unterredung zugegen war, lachte laut auf. „Das war der Wagen des Juden Nathan, Baron!" rief er. „„Und die Dame?"" fragte der Baron gespannt „Des Juden Weib." entgegnete der Junker, noch immer lachend. Die Fürstin war blaß geworden. „Wie," rief sie, „diese Jüdin wagt etf, in einer Equipage gleich der ihrer Fürstin sich huldigen za lassen?" Sie zog an der Glockenschnur und befahl de« eintretenden Diener, den Fürsten zu bitten, sich za seiner Gemahlin zu begeben. „Ferdinand!" rief sie dem Fürsten entgegen, „bist Du noch Fürst von Hohenburg oder hast Du die Regierung dem Juden Ntthan übergeben?" „Was soll das bedeuten, Louise?" fragte der Fürst erstaunt. „Baron Kühlfelsen, erzählen Sie!" befahl die Fürstin. Als der Baron seine Erzählung beendet hatte, sagte der Fürst: „Freilich, das ist Unrecht von N«^hcm; ich werde ihm sogleich Befehl ertheilen, daß er die Equipage abjchaffe." „Und weiter nichts?" fragte die Fürstin, „wirst Du ihn nicht bestrafen für seinen Uebermuth?" „„Meinst Du, ma chere, daß er Strafe verdient?"" „Er nicht, aber sein eitles, hochmüthige« Weib." „„Und welche Strafe?"" „Sie muß auSgepeitscht und dann an den Pranger gestellt werden wegen iaesio Majestatis, wegen Verletzung der Ehrfurcht gegen den Fürsten." „„Nein, ma ch&re, das ist zu hart; eS mag für diesmal genügen, daß sie gezwungen wird, die Equipage abzuschaffen. Der Junker von Schwarzenstein mag dem Hofagenten unfern Befehl überbringen." " Der Junker von Schwarzenstein machte sich sofort auf den Weg. Er traf Nathan nicht zu Hause und ließ sich zu Mirjam führen. „Gnädige Frau," sagte er, und Mirjams Antlitz leuchtete vor Stolz und Vergnügen, als er sie so anredete, „gnädige Frau, ich komme leider in unangenehmer Mission zu Ihnen. Die Schönheit verdiente zu herrschen auf Erden; alles, was gut und kostbar ist, sollte der Schönheit dienen. Sie, gnädige Frau, sollten Hohenburgs Fürstin, und Louise sollte ihre Dienerin sein; so hoch ist Ihre Schönheit über der der Fürstin erhaben. Allein die Verhältnisse liegen leider anders. Die Fürstin, neidisch auf Ihre Schönhell, will eS nicht dulden, daß Sie so erscheinen, wie e-

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